"FAZ" will "Frankfurter Rundschau" der Ippen-Gruppe verkaufen

9. Februar 2018, 13:52
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Gewerkschaft sorgt sich um die Pressevielfalt in deutschem Bundesland Hessen

Frankfurt am Main – Die "Frankfurter Rundschau" (FR) und die "Frankfurter Neue Presse" (FNP) sollen unter das Dach der Ippen-Verlagsgruppe rücken. Die Frankfurter Fazit-Stiftung teilte am Freitag mit, die beiden Tageszeitungstitel würden der Zeitungsholding Hessen (ZHH) verkauft. Eigentümerin der ZHH ist neben Ippen die MDV-Mediengruppe der hessischen Verlegerfamilie Rempel.

Wie es in der Mitteilung heißt, muss das Kartellamt dem Geschäft zustimmen. Ein Antrag werde gestellt. Die Fazit-Stiftung will sich den Angaben zufolge mit ihrer "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) künftig auf eine nationale Strategie konzentrieren. Zum Verkaufspaket gehört neben der FR und der FNP mit ihren Regionalausgaben unter anderem auch die Frankfurter Societäts-Druckerei und eine regionale Vermarktungsgesellschaft. Die neuen Eigentümer stünden für Kompetenz im regionalen Medienmarkt.

Verleger Dirk Ippen nannte den Eigentümerwechsel einen großen Vertrauensbeweis in die Zukunft der lokalen Zeitungsmärkte. "Es ist auch der Beginn einer engen Zusammenarbeit mit der FAZ", sagte Ippen der dpa. Im regionalen Markt bleibe die Vermarktung der Frankfurter Zeitungen in einer Hand.

Die Ippen-Gruppe baut ihr Geschäft in Hessen mit dem Erwerb der Blätter weiter aus. Bisher verlegt sie dort unter anderem die "Hessische Niedersächsische Allgemeine" (HNA) in Kassel, die "Offenbach-Post" und die "Hersfelder Zeitung". Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen außerdem eine Kooperation zwischen der HNA und der "Gießener Allgemeinen" geschmiedet. Die Offenbacher Redaktion produziert seit 2016 den Mantelteil für den "Hanauer Anzeiger"

"Münchner Merkur" und "tz"

Die Zeitungsgruppe von Dirk Ippen umfasst mehr als zehn Blätter mit einer Gesamtauflage von 800.000 Exemplaren. Dazu gehören unter anderem der "Münchner Merkur" und die "tz" (München), der "Westfälische Anzeiger" und die "Kreiszeitung" in Syke in Niedersachsen.

Die Mitarbeiter wurden am Freitagvormittag über die Pläne informiert. Gerüchte über einen Verkauf kursierten in Frankfurt seit dem Herbst. Zu Kaufpreis, Mitarbeiterzahlen und weiterem Zeitplan machte die Fazit-Stiftung keine Angaben. Die verkaufte Auflage von FR und FNP weist die Mediengruppe nicht gesondert aus, nur im Verbund mit den Zahlen der FAZ-Regionalausgabe "Rhein Main Zeitung".

Die Gewerkschaft ver.di verlangte von den künftigen Hausherren bei FR und FNP den Erhalt aller Arbeitsplätze und eine Garantie, beide Titel unabhängig voneinander fortzuführen. Der Fachbereichsleiter Medien bei ver.di Hessen, Manfred Moos, sagte der dpa: Faktisch gebe es nur noch zwei Gruppen, die sich den hessischen Zeitungsmarkt teilten. "Das macht die Lage für die wenigen verbliebenen kleineren Verlagshäuser schwieriger."

Die FR hat bereits eine wechselvolle Entwicklung hinter sich: 2004 hatte die SPD-Medienholding DDVG die Tageszeitung für einen Euro samt Schulden übernommen. 2006 wurde die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg Mehrheitseignerin, 2013 retteten "FAZ" und Frankfurter Societät das Blatt, nachdem es wenige Monate zuvor Insolvenz beantragt hatte. (APA,dpa, 9.2.2018)

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