Justizwache: "Der Job reibt schon auf"

    Video15. Februar 2018, 07:00
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    Arbeit hinter Gittern schreckt viele ab. 200 Stellen sind im Justizwachdienst unbesetzt. Zwei Beamte erzählen, wie der Job wirklich ist

    Hinter einem cirka drei Meter hohen, massiven Stahltor: Dort befindet sich der Arbeitsplatz von Andreas Wanzenböck und Jan Hubner. Sie sind als Justizwachebeamte in der Haftanstalt Hirtenberg in Niederösterreich dafür verantwortlich, Kontrolle über die Männer, die bis zu acht Jahren Haft verurteilt wurden, zu behalten. Um die Anstalt zu betreten, muss man sich ausweisen. In den Gängen geht es an diesem Dienstagvormittag lebhaft zu. Die Stimmung unter den Angestellten ist ausgelassen. Einige Insassen gehen vorbei, grüßen.

    Rundgang durch die Anstalt. In der Gärtnerei, der Schlosserei, der Tischlerei und den anderen Betrieben wird gearbeitet. Es gibt hier am Gelände Ärzte, eine Kantine, Sportplätze. "Es ist eine kleine Welt in der großen", sagt Alfred Steinacher, Leiter der Anstalt. Tatsächlich mutet sie durch die gelb gestrichenen Wände und die großen Grünflächen sogar etwas heimelig an. Bis einen Gitter, Mauer und Stacheldraht daran erinnern: Man ist im Gefängnis.

    Image aufbessern

    Anlass für den Besuch gab eine Pressemeldung des Justizministeriums. Dort sucht man derzeit "dringend" Bewerberinnen und Bewerber für den Wachdienst. Rund 200 Stellen sind zu besetzen. Steinacher meint zu wissen, warum es an Interessenten mangelt: "Strafvollzug gilt als etwas Negatives." Das liege auch daran, dass "in den Medien" meist nur die brutalen Geschichten berichtet werden. Tatsächlich stößt man bei einer Internetsuche fast ausschließlich auf Artikel, in denen von Streit und gewaltsamen Übergriffen die Rede ist.

    foto: lisa breit
    Andreas Wanzenböck und Jan Hubner vor dem Tor zur Justizanstalt Hirtenberg. Ihr Job sei spannend und abwechslungsreich, erzählen die Revierinspektoren, man benötige aber auch Geduld und starke Nerven.

    Dieses Image soll sich nun ändern. Etwa durch einen dreiminütigen "Informationsfilm" auf Youtube, der Zusehern und Zuseherinnen den Job schmackhaft machen soll. Protagonisten sind Wanzenböck und Hubner. Heute sollen die Männer, beide Mitte bis Ende 30, dem STANDARD von ihrem Beruf erzählen und warum er eigentlich gar nicht so schlecht ist.

    Hubner ist über seinen Vater, der ebenfalls in einer Justizanstalt arbeitete, auf den Beruf aufmerksam geworden. "Durch ihn habe ich gesehen, wie es abläuft." Bei Wanzenböck war es ein Freund. "Ich habe auf gut Glück die Aufnahmeprüfung versucht."

    2.300 Euro brutto

    Die Wachebeamten beaufsichtigen die Insassen in den Hafträumen und während der Arbeit in den Betrieben, sie begleiten bei Besuchen. Auch für sogenannte "Ausführungen" in Krankenhäuser oder zu Gerichtsverhandlungen sind sie zuständig.

    In den Beruf führt eine einjährige Ausbildung. Angeboten wird sie in Wien, Linz, Graz und Krems an der Donau. Man erhält eine psychologische und pädagogische Schulung, lernt Gesetze wie das Verfassungs- und das Strafrecht, durchläuft Trainings zum Einsatz der eigenen Körperkraft. Praktika in Justizanstalten sind ebenfalls vorgesehen. Voraussetzung für die Bewerbung sind die österreichische Staatsbürgerschaft, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein gleichwertiger Schulabschluss wie Matura und ein Mindestalter von 18 Jahren.

    derstandard/lisa breit
    Hubner führt über das Gelände.

    Über die Vorteile des Jobs sagt Anstaltsleiter Steinacher: "Er ist sicher." Und: "Wir verdienen nicht allzu schlecht." Ein ausgebildeter Justizwachebeamter bekommt rund 1.800 Euro brutto Grundgehalt. Mit Zulagen – etwa jener für besondere Gefährdung – steigt der Verdienst auf knapp 2.300 Euro. Nacht- und Journaldienste, Dienste an Sonn- und Feiertagen werden zusätzlich abgegolten. Damit komme man aber auch regelmäßig über 40 Stunden Arbeitszeit pro Woche, sagt Hubner. An seinem Job gefalle ihm, dass er abwechslungsreich ist, immer neue Herausforderungen biete. "Manchmal reibt er aber schon auch auf." Dennoch: Hubner mag es, mit Menschen zu arbeiten.

    Genauso sein Kollege Wanzenböck, der es als seine Pflicht sieht, "viele Gespräche" zu führen. Man müsse empathisch sein, in der Lage sein, auf die Probleme der Insassen einzugehen, ist also gewissermaßen Aufsicht und Psychotherapeut in einer Person.

    "Jede Haft hat ein Ablaufdatum"

    Justizwachen hätten zudem eine Art Vorbildfunktion, zeigten den Insassen, "dass es auch anders geht", sagt Steinacher. "Jede Haft hat ein Ablaufdatum. Das heißt, irgendwann geht das Tor für jeden auf. Unsere Aufgabe ist, dass wir den Menschen besser hinausgehen lassen, als er hereingekommen ist." (Lisa Breit, 15.2.2017)

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