Jäger bringen sich für die Rückkehr der Wölfe in Stellung

    9. Februar 2018, 07:00
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    Die Rückkehr des Wolfes wird zu einer Debatte zwischen Jägern und Umweltschützern hochstilisiert. In einem Punkt sind sich aber beide Seiten einig: Eine bundesweite Lösung ist dringend gefragt

    Wien – "Die Jägerschaft sieht Handlungsbedarf", sagte Ferdinand Gorton, Kärntner Landesjägermeister. In seiner Funktion als Vorsitzender des Dachverbands "Jagd Österreich" präsentierte er in dieser Woche ein Positionspapier bezüglich der Rückkehr der Wölfe nach Österreich. Darin fordern die Jäger eine Überarbeitung des Wolfmanagement-Plans von 2012 und ein Überdenken des Jagdverbots. Denn in den vergangenen sechs Jahren habe sich die Ausgangslage verändert.

    Noch ist der Bestand überschaubar. Laut Schätzungen mehrerer Experten halten sich etwa zehn bis 15 Wölfe in Österreich auf. Von einer echten Rückkehr des Tiers, das mehr als 100 Jahre in Österreich ausgerottet war, kann erst seit 2016 gesprochen werden. Damals wurde am Truppenübungsplatz in Allentsteig in Niederösterreich zum ersten Mal Nachwuchs dokumentiert, also kann von einer Rudelbildung gesprochen werden.

    Rechtzeitige Regulierung

    In Österreich dürfen Wölfe aufgrund ihres absoluten Schutzstatus nicht bejagt werden. Für den Dachverband sind Wölfe aber "Schadens- und Konfliktverursacher". Die Jäger fordern daher zum einen Klarheit, wo und in welcher Anzahl Wölfe ihren Platz haben. In diesem Zusammenhang wollen sie "rechtzeitig Möglichkeiten zur Regulierung der Bestände schaffen". Zum anderen fordert "Jagd Österreich" die Übernahme sämtlicher durch Wölfe verursachter Schäden und der Präventionskosten durch die öffentliche Hand. Wölfe sollen daher Teil eines ganzheitlichen Wildtiermanagements werden.

    Umweltministerium gefragt

    "Das sind alles berechtigte Punkte", sagt Verhaltensforscher Kurt Kotrschal, der das Wolfsforschungszentrum im niederösterreichischen Ernstbrunn mitbegründet hat. Er gibt den Jägern recht, dass Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) gefragt ist, eine bundesweite Lösung anzustreben. Die Kompetenzen liegen bei den Ländern, aber "Wölfe kennen ja bekanntlich keine Ländergrenzen", sagt der Wissenschafter zum STANDARD. Es sei ein Irrtum, dass man bei einer Rückkehr des Wolfes "einfach so weitermachen kann", ergänzt er: "Wir können Landwirtschaft nicht mehr so betreiben, als gäbe es nur uns."

    "Wir brauchen endlich einen konstruktiven und vor allem länderübergreifenden Dialog", sagt auch Christian Pichler vom WWF. Die Umweltschutzorganisation fordert einen Wolfsgipfel auf Bundesebene, bei dem besseres Wolfsmanagement, bessere Herdenschutzmaßnahmen und Entschädigungszahlungen Thema sein sollten. Das beinhalte auch eine Koordinationsstelle, die vom Umweltministerium strukturell gestärkt sowie personell und finanziell ausgestattet werden solle.

    "Gewisse Gelassenheit"

    Kotrschal rät mit einem Blick auf Deutschland in der Debatte aber zu einer "gewissen Gelassenheit". In dem Nachbarland sind mittlerweile wieder um die 500 Wölfe in 60 Rudeln unterwegs. Förderungen für Elektrozäune, Herdenschutzhunde und Kompensationszahlungen wurden ausgeweitet und zeigen Wirkung. "Man muss die Schafhalter verstehen, die keine Freude mit dem Riss haben", sagt er. Schafzüchter in Deutschland, aber auch Österreich stehen bereits wegen der günstigeren Konkurrenz aus Neuseeland zunehmend unter Druck.

    Bei der Debatte, die der Dachverband Jagd nun angestoßen hat, stecke seiner Meinung nach aber auch "ein gewisses Konkurrenzdenken dahinter". Wölfe könnten sogar eine zentrale Funktion im Gesundhalten von Wildtierbeständen und des Waldes erfüllen. Hier widerspricht Kotrschal den Jägern, die durch Beunruhigung des Wilds "Schälschäden am Wald und Gefährdung der Schutz- und Bannwälder durch Hungerfraß im Winter" befürchten. Der Rechnungshof kritisierte schon 2016 den hohen Wildbestand und in der Folge Forstschäden in Tirol, Kärnten und Salzburg. Kotrschal verortet Kooperationsbereiche zwischen Jäger und Tier: "Wo der Wolf ist, wächst der Wald."

    Brauchen wir also prinzipiell Wölfe? Kotrschal beantwortet diese Frage mit Nein. Aber für den Verhaltensforscher wirft die Debatte ethische Fragen auf: "Das anthropozentrische Weltbild ist überholt, Land ist nicht nur Wirtschaftsraum." In einer WWF-Umfrage Ende 2017 haben die Österreicher diese Frage klar beantwortet: 84 Prozent der Österreicher halten den Wolf für einen wesentlichen Bestandteil der Natur. (Julia Schilly, 9.2.2018)

    • Zehn bis 15 Wölfe sind laut Schätzungen in ganz Österreich unterwegs. Aber ihre Rückkehr sorgt bereits für Debatten.
      foto: apa / klaus-dietmar gabbert

      Zehn bis 15 Wölfe sind laut Schätzungen in ganz Österreich unterwegs. Aber ihre Rückkehr sorgt bereits für Debatten.

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