Patchworkfamilien: Ohne Kompromisse funktioniert es nicht

Blog9. Februar 2018, 13:00
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Jedes Familienmitglied muss für ein Zusammenzuwachsen der neuen Familie bereit sein – und Kindern muss man vermitteln, dass sie nicht an der Trennung der Eltern schuld sind

In Alexandras Patchworkfamilie gibt es in letzter Zeit des Öfteren Streit. Wenn ihre Stieftochter wütend ist, schreit sie sie schon mal an und sagt dann so etwas wie: "Du bist nicht meine Mama. Ich muss nicht machen, was du sagst!"

Katharina hat im September mit der Schule begonnen. Zum ersten Elternsprechtag ist der Freund von Katharinas Mama mitgekommen, um die Lehrerin persönlich kennenzulernen. Beide wollen mit ihr ausmachen, dass er jeden Mittwoch und Freitag das Mädchen ab jetzt von der Schule abholen wird.

Martins Kinder leben unter der Woche bei der Mutter. Seine neue Frau Eva hat auch zwei Kinder in die Ehe mitgebracht, die ihren Vater wegen der großen räumlichen Distanz nur in den Ferien sehen können. Das Zusammenleben als Patchworkfamilie bedarf großer Organisation, oftmals machen Eva und Martin der Kinder wegen Kompromisse.

Patchworkfamilie = Stieffamilie

Patchworkfamilie ist ein anderer Begriff für Stieffamilie. Waren es früher Abhängigkeiten, die vor allem Frauen dazu zwangen, in einer Partnerschaft zu bleiben, ist es heutzutage völlig klar, dass das Auseinandergehen auch mit Kindern schnell vollzogen werden kann.

Für Kinder bedeutet das dann, dass sie sich während ihres Erwachsenwerdens und in ihrem Leben manchmal an mehrere Partner ihrer Eltern gewöhnen müssen. Damit entstehen ungewöhnliche Familiengeflechte wie Stiefmütter und Stiefväter, Exgroßeltern oder neue oder ehemalige Stiefgeschwister.

Viele, viele Trennungen

Nicht nur im Leben von Erwachsenen sind Trennungen oder der Tod des Partners oder der Partnerin ein harter Einschnitt im Leben. Auch Kinder und Jugendliche leiden fast immer darunter, wenn ein Elternteil nicht mehr unmittelbar greifbar ist. Erwachsene können oder wollen nicht mehr miteinander zusammenleben. Und Kinder und Jugendlichen sind meist in ihrer Angst gefangen, eine für sie wichtige Bezugsperson zu verlieren. Sie beziehen die Trennung auf sich und geben sich selbst die Schuld daran. Deswegen ist es wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass es nichts mit der Liebe zum Kind oder Jugendlichen zu tun hat.

Eine neue Familie

Wenn der neue Partner oder die Partnerin den Kindern vorgestellt wird und später auch einzieht, ändert sich erneut vieles im Leben aller Beteiligten. Diese Änderung stellt nicht nur die Kinder und Jugendlichen oftmals vor Herausforderungen. Auch die Erwachsenen finden sich häufig in Situationen wieder, die so nicht bedacht waren und als ganz schön schwierig und komplex erlebt werden können. Man muss neuerlich herausfinden, wie die neuen Menschen im eigenen Umfeld ticken, denken und kommunizieren.

Meist sind es die Ungeduld, die vielen Erwartungen und der große Wunsch nach einem schnellen, perfekten Miteinander, die alle Beteiligten mitunter an ihre Grenzen bringen und überfordern. Neben dem Aufbringen von Zeit und Geduld ist es wichtig, dass die Kinder nicht das Gefühl haben, sich für oder gegen den "leiblichen" Elternteil entscheiden zu müssen, und dass der neue Partner oder die neue Partnerin nicht glaubt, mit der "richtigen" Mutter oder dem "richtigen" Vater konkurrieren zu müssen oder etwas besser machen zu müssen.

Jede Familie ist anders

Es gibt viele verschiedene Modelle und Vorbilder, wie das Zusammenleben gelingen kann, aber letztlich muss jedes Familienmitglied die Bereitschaft haben, einen Weg zu finden, wie alle zusammenwachsen können. Jeder Einzelne hat wohl Erwartungen an das neue Familienmitglied. Ziemlich sicher hat auch jeder andere Vorstellungen von einem gelungenen Zusammenleben als Patchworkfamilie.

In jedem Fall kann es wichtig sein, dass alle miteinander reden, ein gewisses Maß an Flexibilität mitbringen und bereit sind, Kompromisse einzugehen. Plötzlich sind hier viel mehr verschiedene Bedürfnisse und Wünsche zu koordinieren. Es gilt dabei, im Alltag viele unterschiedliche Personen zusammenzubringen.

Ihre Erfahrungen?

Welche Vorstellungen hatten Sie und Ihre Kinder vom Leben als Patchworkfamilie? Wie sind alle Familienmitglieder mit der neuen Situation zurechtgekommen? Welche Situationen haben Sie in der Phase des Zusammenfindens als Patchworkfamilie erlebt? Wie ist es Ihnen gelungen, eine funktionierende Patchworkfamilie zu werden? Posten Sie Ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 9.2.2018)

Andrea Leidlmayr und Christine Strableg bloggen auf derStandard.at/Familie und geben Eltern Tipps für den täglichen Erziehungsalltag.

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