Chelseas Meistermacher Conte droht Rauswurf

8. Februar 2018, 11:17
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Verhältnis zwischen Verein und Trainer soll zerrüttet sein – Zuletzt zwei Blamagen in einer Woche

Manchester/London – Tiefe Sorgenfalten hatten sich in das Gesicht von Antonio Conte gegraben. Nach der zweiten Blamage innerhalb von nur sechs Tagen klang der Teammanager von Englands Fußballmeister FC Chelsea, als hätte er sich schon mit seinem Aus abgefunden.

"Ich arbeite jeden Tag und gebe 120 Prozent. Wenn das reicht, ist es in Ordnung. Wenn nicht, kann der Klub eine andere Entscheidung treffen", sagte der italienische Fußballlehrer im Anschluss an die 1:4-Pleite beim FC Watford am Montag. Zuvor hatte der Titelverteidiger in der Premier League 0:3 gegen AFC Bournemouth verloren. "Morgen ist ein neuer Tag. Ich kann dann noch Chelsea-Trainer sein oder nicht. Wo ist das Problem? Ich habe ein reines Gewissen", bekannte der 48 Jahre alte Azzurri. Noch hat allerdings der allmächtige russische Klub-Besitzer Roman Abramowitsch den Daumen noch nicht gesenkt.

Bitte um Entlassung

Mit diesen Worten bot er seinem Arbeitgeber fast schon an, ihn zu entlassen. Doch überraschenderweise blieb Conte im Amt und wird wohl auch beim Heimspiel gegen West Bromwich Albion am Montag wieder auf der Chelsea-Bank sitzen. Wie lange er seinen Posten noch ausfüllen darf, ist allerdings unklar.

Sein Vertrag läuft zwar noch bis 2019. Doch für viele Fachleute gilt es als ausgemacht, dass für Conte am Ende dieser Saison Schluss ist an der Stamford Bridge. Als Kandidaten für seine Nachfolge werden der ehemalige Bayern-Trainer Carlo Ancelotti gehandelt, der schon von 2009 bis 2011 bei Chelsea auf der Bank saß, und Luis Enrique, Ex-Coach des FC Barcelona.

Contes Hauptprobleme sind nicht die sportlichen Ergebnisse. Chelsea hat zwar seit dem Jahreswechsel in zehn Spielen erst drei Siege eingefahren und zeigte sich bei den beiden Niederlagen gegen Bournemouth und Watford erschütternd schwach. Doch die Mannschaft hat als Tabellenvierter gute Chancen auf die direkte Qualifikation zur Champions League, ist in der laufenden Spielzeit noch in der Königsklasse dabei – in anderthalb Wochen wird Barca zum Achtelfinal-Hinspiel im Südwesten Londons erwartet – und steht im Achtelfinale des FA-Cups.

Die Probleme

Es kann immer noch eine ordentliche Saison werden für Chelsea. Auf die Niederlage gegen Watford reagierte Conte mit Nachsicht für seine Profis. Er gab der Mannschaft nach angeblichen Klagen über zu viel und zu hartes Training gleich drei Tage frei.

Allerdings scheint die Beziehung zwischen dem Coach und der Klubführung zerrüttet zu sein. Vor der Partie gegen Watford bat er öffentlich um eine Art Treuebekenntnis. "Vielleicht würde ich mir wünschen, dass der Verein ein Statement vorbereitet und sagt, dass er mir und meiner Arbeit vertraut", betonte er. Doch ein solches Signal blieb aus.

Es soll bei den Vereinsoberen um Eigner Abramowitsch nicht gut angekommen sein, dass Conte im Sommer den inzwischen bei Atletico Madrid spielenden Torjäger Diego Costa abserviert hat. Außerdem ist der Teammanager angeblich unzufrieden mit der Transferpolitik des Klubs.

Die Weggänge nach der abgelaufenen Meistersaison – neben Costa verließ unter anderem Mittelfeld-Stabilisator Nemanja Matic den Verein – konnten nicht angemessen kompensiert werden. Mehrere Wunschspieler bekam Conte offenbar nicht. Schon früh warnte er, dass dem Verein eine "Mourinho-Saison" drohen könnte.

Der eigenwillige Trainer aus Portugal hatte Chelsea 2015 zum Titel geführt. In der Spielzeit danach stürzte das Team dramatisch ab, Mourinho wurde entlassen. Conte könnte es am Ende dieser Saison genau so gehen. (sid, 8.2.2018)

  • Letztes Jahr noch gefeiert, mittlerweile schwer in der Kritik: Antonio Conte.
    foto: apa/afp/glyn kirk

    Letztes Jahr noch gefeiert, mittlerweile schwer in der Kritik: Antonio Conte.

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