Die App-basierte Suche nach dem Glück im 21. Jahrhundert

8. Februar 2018, 11:05
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Das Wiener Start-up hiMoment zeigt Usern ihre eigenen Fotos am Smartphone und will ihnen damit helfen, glücklicher zu werden

Wien – Was glückliche von unglücklichen Menschen unterscheide, sei in erster Linie die Wahrnehmung der eigenen Umwelt. Auf dieser Annahme basierend hat Christoph Schnedlitz mit zwei weiteren Gründern die App hiMoment entwickelt, die dabei helfen soll, glücklicher zu leben. Dafür kombiniert das Wiener Start-up Erkenntnisse der Glücksforschung mit künstlicher Intelligenz.

User sollen besondere Momente in ihrem Leben mittels Smartphone-Foto festhalten und in die App einfügen. Für einen sogenannten "Glücksboost" werden dem Anwender zwei dieser Bilder gezeigt, und er muss sich entscheiden, welcher Moment besser war. Ein Algorithmus sorgt dafür, dass diese Entscheidung immer schwieriger wird. "Menschen sollen sich intensiv in die Situation hineinversetzen, wodurch das Glücksbefinden erheblich gesteigert wird", sagt Schnedlitz. hiMoment agiere als digitaler Coach, der versuche, Menschen in eine positive Gedankenspirale zu bekommen. In einem Monat könne man "das eigene Glück" um geschätzte 25 Prozent steigern, so der Gründer.

Savoring-Methode

Schnedlitz beruft sich mit dem Modell auf die "Savoring-Methode". Demnach soll ein Fokus auf schöne Alltagsmomente zu einer verbesserten Wahrnehmung der positiven Seiten des Lebens führen. Die ersten Tage seien ziemlich hart, wenn man beginnt, die App zu nutzen. Schnedlitz selbst habe anfangs lang überlegen müssen, was ein Tag an Positivem mit sich gebracht habe. Vielen seiner User zufolge, aktuell sind es rund 10.000, könne man nach den Anfangsstrapazen aber nicht mehr damit aufhören. Momentan ist die App kostenlos, und das soll sie auch bleiben. Für Herbst sei allerdings ein Premium-Modell geplant. "Im Premium-Modell möchten wir spezielle Abos für monatliche fünf Euro anbieten", sagt Schnedlitz.

Auch mit dem Thema Konditionierung haben sich die Gründer befasst. Es gibt keine Social-Media-Komponente. "Wir wollen nicht, dass User den ganzen Tag mit unserer App verbringen. Das passiert bereits bei Instagram und Snapchat. Sie sollen den Moment genießen und am Abend den Tag reflektieren."

Prägendes Nahtoderlebnis

Dass Schnedlitz diesen Weg einschlagen würde, war nicht immer absehbar. Der 27-jährige Steirer arbeitete eigentlich als Finanzleiter für ein Unternehmen in Indien. Doch ein Wanderausflug in der Steiermark sollte zu einer prompten Wende führen. Schnedlitz kam in ein heftiges Gewitter und glaubte, dieses nicht zu überleben. "Ich konnte den Boden vibrieren spüren." Dieses Nahtoderlebnis habe ihm aufgezeigt, dass er eigentlich äußerst unglücklich sei. Daraufhin begann er sich mit Glücksforschung zu beschäftigen.

Im Jänner 2016 brachte das Start-up den ersten Prototyp heraus, ein Jahr später die marktreife Version. Zwei Mitarbeiter haben die drei Gründer momentan angestellt. Man sei allerings auf der Suche nach weiteren. Vor allem wolle man mit einem Neurowissenschafter zusammenarbeiten. Auch Techniker seien gesucht.

Breitenwirksam machte das Start-up in der Puls-4-Show 2 Minuten 2 Millionen auf sich aufmerksam. Nach harten Verhandlungen investierte Michael Altrichter 100.000 Euro und erhielt zwölf Prozent der Firma. (and, 8.2.2018)

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  • 100.000 Euro brachte dem Start-up der Auftritt bei 2 Minuten 2 Millionen ein.
    foto: gerry frank

    100.000 Euro brachte dem Start-up der Auftritt bei 2 Minuten 2 Millionen ein.

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