US-Fonds bietet zwei Milliarden für Bahnbetreiber Italo

7. Februar 2018, 20:24
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Die Aktionäre schwanken zwischen Börsengang und Annahme der Offerte, eine Entscheidung wird in Kürze erwartet

Der Börsengang des privaten Betreibers einer Hochgeschwindigkeitsbahn, Italo, in Mailand könnte kurz vor der heißen Phase abgesagt werden. Der US-Fonds Global Infrastructure Partners (GIP) hat mitten in den Turbulenzen an den Kapitalmärkten mit einem Gebot über 1,9 Milliarden Euro die Italo-Anteilseigner überrascht.

Doch bei den Aktionären des Betreibers der feuerroten Schnellverbindungen herrscht bisher keine Einigung, ob das Angebot angenommen oder der Börsengang gewagt werden soll. Während die beiden Großaktionäre – Banca Intesa Sanpaolo und der Versicherer Generali – dazu tendieren, das Angebot anzunehmen, sind andere Italo-Anteilseigner wie etwa die Gründer des Unternehmens, der Luxusschuhunternehmer Diego della Valle (Tod's) oder etwa der ehemalige Ferrari-Chef Luca di Montezemolo für den Börsengang. Zu den großen Altgesellschaftern zählt auch der Investmentfonds Peninsula (12,8 Prozent). Auch Unternehmenschef Flavio Cattaneo mit fünf Prozent Anteilen optiert für den Börsengang.

"Italo ist für uns keine strategische Beteiligung. Wir sind Banker und haben uns am Unternehmen nur beteiligt, weil es einst in Schwierigkeiten geraten ist", ließ Bankchef Carlo Messina wissen. Mit 19 Prozent Anteilen ist die Mailänder Intesa-Sanpaolo-Bank der größte Aktionär. Doch Politiker, unter anderem Wirtschaftsminister Pier-Carlo Padoan und Industrieminister Carlo Calenda, unterstützen den Börsengang und sehen in ihm "die perfekte Krönung einer Erfolgsstory".

Günstige Wachstumschancen

Italo schreibt seit drei Jahren Gewinn und sieht vor allem bei der geplanten Liberalisierung im europäischen Bahnverkehr günstige Wachstumschancen.

Auch stockt der Betreiber von Hochgeschwindigkeitszügen derzeit seine Flotte auf und will ab Mai erstmals die rentable Bahnstrecke Turin-Venedig befahren. Italo hält am italienischen Superschnellverbindungsmarkt bereits einen Anteil von 40 Prozent. Gestreut werden sollten 35 bis 40 Prozent des Kapitals. Den IPO-Planungen zufolge soll es um eine Umplatzierung über 450 Millionen bis 680 Mio. Euro gehen.

An Europas IPO-Markt mussten sich dieser Tage die spanische Metrovacesa sowie Enerjisa Enerji und MLP Saglik in Istanbul in Bescheidenheit üben. In Frankfurt stehen Instone und Dermapharm in den Startlöchern. Um Ostern werden große Börsengänge mit Siemens Healthineers an der Spitze vorbereitet. Analysten erwarten, dass die Italo-Anteilseigner auf eine Nachbesserung des Angebots drängen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 8.2.2018)

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