Tullner FPÖ-Funktionärin postet über "Untermenschen"

7. Februar 2018, 17:12
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Miriam Rydl will nicht gewusst haben, "dass das ein Nazi-Wort ist". Sie ist Mitglied einer Facebook-Gruppe, die über Opfer des Holocaust spottet

Wien – Ihr Posting bereut sie mittlerweile. Miriam Rydl, seit kurzem Mitglied im Vorstand der FPÖ Tulln, will nicht gewusst haben, welches Wort sie da neben "Schlappschwänze" und "Feiglinge" an jene Flüchtlinge gerichtet hat, die ohne ihre Familien aus ihrer Heimat geflohen sind: "Das war mir nicht bewusst, dass 'Untermensch' ein Nazi-Wort ist", erklärt sie auf Anfrage des STANDARD.

Das Posting wurde nach einem Bericht der "Niederösterreichischen Nachrichten" gelöscht, Rydl sagt heute: "Ich distanziere mich davon." Sie habe den Eintrag "in der ersten Emotion" beim Sehen einer deutschen Nachrichtensendung geschrieben.

Ermahnung von Andreas Bors

Vonseiten der FPÖ trug ihr das eine Ermahnung ein. Ausgerechnet von Andreas Bors, er ist Bezirksobmann der FPÖ in Tulln, einer breiteren Öffentlichkeit wurde er aber deswegen bekannt, weil seine Nominierung zum blauen Bundesrat wegen eines Fotos scheiterte, auf dem er vor vielen Jahren in Hitlergruß-Pose zu sehen ist. Das Bild stammte von einer Silvesterfeier zum Jahreswechsel 2006/2007. Bors selbst erklärt, er könne sich nicht mehr genau erinnern, möglicherweise könnte es sich um "Fangesänge" für einen Fußballverein gehandelt haben.*

Zum Posting von Parteikollegin Rydl sagt Bors im STANDARD-Gespräch: "Ich habe ihr gesagt, dass sie das sofort löschen soll." Zudem habe es eine Abmahnung gegeben. Demnächst werde die Angelegenheit in der Stadtpartei noch einmal Thema sein. Grundsätzlich betrachte er das Ganze jedoch als "Ausrutscher".

Ungefragt hinzugefügt

Dass Miriam Rydl auch Mitglied der Gruppe "Unser Volk verdient die Wahlheit!!!" ist, in der in Wort und Bild Witze über Holocaust-Überlebende gemacht werden, ist Bors nicht bekannt. Seine Erklärung: Da müsse sie wohl jemand ungefragt hinzugefügt haben.

Vom STANDARD mit der Frage konfrontiert, ob sie die Inhalte dieser Gruppe teilt, erklärt Frau Rydl dann auch: "Ich bin in einigen Gruppen Mitglied. Ich schau mir nicht an, was da drinnen steht. Wahrscheinlich hat mich jemand ungefragt hinzugefügt." Viel eher interessiere sie sich für Beautythemen, auch hier sei sie Mitglied zahlreicher Gruppen.

Grundsätzlich finde sie Witze über Holocaust-Überlebende jedenfalls "nicht in Ordnung". Wenn sie Mitglied einer solchen Gruppe sei, "dann war das ein Versehen". Jedenfalls: "Ich distanziere mich davon." (Karin Riss, 7.2.2018)

* In einer früheren Version des Artikels stand: Bors selbst erklärt, er habe damals nur Rapid-Lieder gesungen. In einem Telefonat mit dem STANDARD legt Bors wert auf die Feststellung, dass er sich nicht mehr genau erinnern könne, es könne sich aber möglicherweise um "Fangesänge" für einen Fußballverein gehandelt haben. Jedenfalls sei es "blöd" gewesen, er entschuldige sich dafür.

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