"Einsamster Vogel der Welt" tot neben Attrappe aufgefunden

    7. Februar 2018, 15:27
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    Neuseeländische Vogelschützer versuchten, mit Imitaten eine neue Tölpel-Kolonie aufzubauen – doch nur Nigel kam, um zu bleiben

    foto: afp photo / department of conservation - new zealand and friends of mana island
    Nigel (hinten rechts) auf einem Archivbild in der Gesellschaft seiner Wahl.

    Wellington – Er war ein Pionier, dem niemand folgte – und so wurde er als "einsamster Vogel der Welt" bekannt. Die Rede ist von Nigel, einem Australtölpel (Morus serrator), der jahrelang auf einer neuseeländischen Insel allein unter Vogelattrappen lebte. In der vergangenen Woche wurde Nigel tot in seinem Nest aufgefunden und sorgte damit ein letztes Mal für Schlagzeilen.

    Die 80 Vogel-Attrappen auf der kleinen Insel Mana waren von Schulkindern konstruiert und 1998 aufgestellt worden. Ziel der Aktion war es, echte Tölpel anzulocken, die auf der 217 Hektar großen Insel eine Kolonie abseits von räuberischen Tieren wie eingeschleppten Ratten oder Mardern begründen sollten. Ein vergleichbares Projekt hatte bereits vor der Küste des US-Bundesstaats Maine funktioniert, wo Lunde – eine andere Gattung von Meeresvögeln – durch Attrappen und andere Lockmaßnahmen zum Aufbau einer neuen Kolonie bewegt werden konnten.

    foto: afp photo / department of conservation - new zealand and friends of mana island

    Tölpel sind ganz wie Lunde sehr soziale Tiere – sie legen ihre Nester dort an, wo es Artgenossen gibt. Dennoch blieb das Vorhaben auf Mana erfolglos. Nigel gesellte sich 2014 als einziger Neuankömmling den Betonattrappen hinzu und wählte laut dem Ranger Chris Bell eine davon sogar zu seiner "Partnerin" aus. Der blieb er treu, bis er Ende Jänner schließlich starb, vermutlich an Altersschwäche.

    Dabei hatte es zuletzt Anzeichen gegeben, dass der Plan doch noch aufgehen könnte: Es ließen sich drei neue Vögel zumindest vorerst auf der Insel nieder. Doch Nigel zeigte kein Interesse und beschloss, stattdessen seinen Beton-Freunden treu zu bleiben. "Wir wissen, dass er hier glücklich war, weil er jederzeit hätte fortfliegen können und es doch nicht tat", versucht der Ranger die derzeit kursierenden Trauerbekundungen abzuschwächen. Einsiedelei sei unüblich für Tölpel, aber jede Gruppe habe eben ihre Individualisten, sagte Bell, der einzige menschliche Bewohner der Insel. (APA, red, 7. 2. 2018)

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