Drogenprozess in Salzburg: Die Gräfin und die Growbox im Keller

7. Februar 2018, 15:07
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32-Jährige zusammen mit ehemaliger Lebensgefährtin wegen Drogenhandels verurteilt

Salzburg – Marihuana anbauen, um morgens vom Kokain runterzukommen – das war die Intention, warum sich eine deutsche Adelige in Salzburg eine Growbox für den Keller anschaffte. Am Mittwoch saß die 32-Jährige wegen Drogenhandels vor Gericht. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Sie soll zwischen 2012 und 2016 zusammen mit ihrer Lebensgefährtin 31,8 Kilo Marihuana erzeugt und an einige Abnehmer weiterverkauft haben. Zudem soll das Paar die Drogen bis nach München geliefert haben.

Die beiden bisher unbescholtenen Frauen zeigten sich teilweise geständig. Die von der Staatsanwaltschaft angenommene Menge sei jedoch viel zu hoch angesetzt, sagte der Verteidiger der Gräfin, Arthur Machac. Im Keller des Einfamilienhauses seien etwa sieben bis acht Kilo produziert worden, sechs Kilo hätten die Frauen weitergegeben. "Zum Runterrauchen in der Früh nahm sie Marihuana", erklärte der Wiener Rechtsanwalt. "Weil in Salzburg kein gutes zu bekommen war, hat sie sich ein Growzelt zugelegt." Es seien rund 1000 Stecklinge gekauft worden, aber nur etwa die Hälfte sei in Blüte gesetzt worden.

Kein grüner Daumen

"Ich habe versucht, die Pflanzen hochzuziehen. Das war aber nicht so einfach und hat lange nicht funktioniert", sagte die angeklagte Adelige vor dem Vorsitzenden des Schöffensenats, Richter Christian Hochhauser. Es habe viele Versuche gebraucht, bis es überhaupt einen Ertrag gab, und der sei nicht groß gewesen. Sie habe keinen grünen Daumen, erklärte die Angeklagte. Was sich auch in der schlechten Qualität des Marihuanas widerspiegelte. Deshalb verkaufte sie es um 6,50 Euro das Gramm.

Mit dem Verkauf des Ertrags der Plantage und mit dem Tausch von Stecklingen habe sie ihre Kokainsucht finanziert und das Marihuana auch selbst geraucht, um vom Kokain herunterzukommen. "Sie können sich das nicht vorstellen. Den ganzen Tag ist man hyper, hyper, hyper, egal wie es einem eigentlich geht", beschreibt die Frau einer Schöffin ihren damaligen Zustand. Mittlerweile sei sie clean. Nach der U-Haft ab Ende 2016 habe sie eine Therapie gemacht, welche sie auch fortsetzen werde. "Wären die Festnahme und der Entzug in der Josefstadt nicht passiert, dann hätte mich das irgendwann umgebracht."

"Zugeballert" nach München

Zu den Fahrten nach München, bei denen sie Drogen an einen Abnehmer lieferte, sagte die Angeklagte: Es sei schwierig gewesen, die Lieferung sei ihr auch viel zu heikel gewesen. "Zugeballert mit dem Zeug nach München zu fahren war mir viel zu stressig."

Auch der Verteidiger der ebenfalls teilgeständigen Ex-Lebensgefährtin betonte: "Die Anklage ist völlig überzogen." Seine Mandantin habe aus Liebe mitgemacht. Sie habe ab und zu bei der Ernte geholfen, aber keinen Gesamtüberblick gehabt. "Sie hatte keinen Vermögensvorteil", sagte Rechtsanwalt Kurt Jelinek. Auch die Erstangeklagte beteuerte, ihre damalige Freundin habe sich nicht wesentlich beteiligt. Die ehemalige Lebensgefährtin gab vor Gericht an, sie habe fast kein Marihuana konsumiert, aber regelmäßig gekokst. Zu Silvester 2016 sei sie mit einer Kokainintoxikation ins Spital eingeliefert worden. "Das war mein Rettungsschirm", sagte die Frau. Seither habe sie nichts mehr genommen und sich von der Freundin getrennt.

Der Schöffensenat sprach die beiden Frauen schuldig. Die 32-Jährige erhielt eine Freiheitsstrafe von elf Monaten, einen davon unbedingt. Die U-Haft wird ihr angerechnet. Ihre damalige Freundin wurde zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Urteile sind bereits rechtskräftig. Das Gericht verringerte die angelastete Menge an Marihuana auf 7,8 Kilo. Dadurch reduzierte sich der Strafrahmen auf bis zu drei Jahre Haft. Die Gräfin muss aus dem Verkauf des Suchtgifts 10.000 Euro an die Republik Österreich bezahlen, ihre damalige Freundin 2.000 Euro. (Stefanie Ruep, 7.2.2018)

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