Apples Homepod: Tester von Klang begeistert, warnen trotzdem vor Kauf

    7. Februar 2018, 08:46
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    Gerät arbeitet nicht mit Services anderer Anbieter zusammen, erweist sich als nicht sonderlich smart

    Smarte Lautsprecher erleben derzeit einen regelrechten Boom, die Verkaufszahlen entsprechender Geräte haben sich im letzten Jahr vervielfacht. Bislang wird dieser Markt vor allem von Amazon und Google dominiert, ab sofort will aber auch Apple mitnaschen: Der Homepod soll Echo und Co. Paroli bieten. Nun wurden die ersten Tests veröffentlicht – mit deren Verdikt dürfte Apple aber wohl nur sehr begrenzt zufrieden sein.

    Toller Klang

    Zunächst zum Erfreulichen: Die Tester loben praktisch unisono die Klangqualität des Homepods. So betont etwa The Verge in seinem Test, dass der Apple-Lautsprecher nicht nur deutlich besser als direkt vergleichbare Konkurrenzgeräte wie Google Home Max oder Sonos One klingt, sondern sich zum Teil sogar mit deutlich teureren, nicht-smarten Laustprechern messen kann. Auch die automatische Anpassung des Geräts an die räumlichen Gegebenheiten liefere beeindruckende Ergebnisse – und dies noch dazu sehr schnell.

    Freilich zeigen die Tests auch, wie subjektiv solche Fragen sind. So beklagt etwa das Audio-Magazin "What HiFi", dass die Mitten beim Klang etwas verwaschen sind, wohingegen man sich beim Wall Street Journal nicht so recht mit der Basswiedergabe anfreunden kann. Beide betonen allerdings auch, dass dies Details in einem sonst sehr gelungenen Gesamtbild sind. Zudem wird auch allerorten die gut funktionierende Spracherkennung gelobt.

    Die Einsamkeit der Apple-Welt

    Wäre der Homepod nur ein simpler Lautsprecher, könnte Apple also seinen Entwicklern uneingeschränkt auf die Schultern klopfen. Doch das Gerät will auch "smart" sein, und hier fällt das Urteil der Tester komplett anders aus. Noch nie habe der Begriff "einsam" so sehr auf ein Produkt gepasst wie beim Homepod, resümiert etwa The Verge. Dieser sei nämlich praktisch nur mit Apples Services benutzbar, und das sei im konkreten Fall etwa, das dem Gerät massiv schade.

    Während Google Home und Echo – neben den eigenen Streaming-Diensten – die Nutzung anderer Musikdienste wie Spotify zulasse, sei man beim Homepod komplett auf Apple Music beschränkt. Man könne zwar theoretisch alles mögliche via AirPlay an das Gerät übertragen, damit gingen aber alle "smarten" Bestandteile wie die Möglichkeit der Sprachsteuerung verloren. Der Lock-In von Apple auf das eigene Produkt-Ökosystem geht dabei soweit, dass sich der Homepod nicht einmal mit einem Android-Smartphone einrichten lässt. Und auch die Smart-Home-Steuermöglichkeiten seien weniger gut ausgeprägt als bei den Mitbewerbern.

    Siri

    Gleichzeitig erweise sich Siri im aktuellen Status als keinerlei Konkurrenz zu Alexa und Google Assistant. Die digitalen Assistenten von Amazon und Google seien wesentlich smarter, dies zeige sich nicht nur bei den Antworten auf Wissensfragen sondern auch bei ganz einfachen Dingen, wie das WSJ betont. Derzeit sei es beim Homepod nicht einmal möglich zwei Timer gleichzeitig zu setzen, was angesichts dessen, dass solche smarten Lautsprecher gerne in der Küche genutzt werden, ein geradezu verblüffendes Versehen sei.

    Fehlende Basics

    Besonders unerfreulich findet The Verge wiederum ein anderes Defizit: Im Gegensatz zur Konkurrenz gibt es hier keinerlei individuelle Stimmerkennung. Wer das Gerät einfach den Vorschlägen von Apple nach einrichte, erlaube somit jedem in der der Nähe eines Homepods, sich die iMessages des Besitzers vorlesen zu lassen – und neue Nachrichten zu verschicken. Angesichts dessen könne man den Nutzern nur dazu raten, diese Funktion derzeit komplett zu deaktivieren.

    Zielgruppe

    In Summe ist der Homepod im aktuellen Zustand also lediglich für die härtesten aller Apple-Fans von Interesse. Diese bekommen damit zwar einen wirklich tadellosen Lautsprecher als Erweiterung für ihre Sammlung an Apple-Geräten, aber eben auch einen, der im Vergleich zur Konkurrenz nicht sonderlich smart ist. (red, 7.2.2018)

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