Pro & Kontra: Faschingsumzug

    Kolumne12. Februar 2018, 13:15
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    Ob lautstark, zahlreich, stimm- oder trinkfest – im Osten bleibt Grant die gängige Stimmungslage

    foto: apa/afp/dpa/swen pfoertner

    Pro
    von Ronald Pohl

    Mein erster Faschingsumzug fand im Frühling statt, es war vor langer Zeit, an einem ersten Mai.

    Ich sah Menschen in scharlachroten Leibchen, die hatten ein paar unförmige Trommeln vor die Bäuche geschnallt. Etwa die Hälfte der friedlichen Marschierer trug Schnurrbärte. Einige beanspruchten lautstark für sich, Gewerkschafter zu sein. Wieder andere schienen sich auf den Weg in die nahe Pathologie gemacht zu haben, um dort ihre Körper öffnen zu lassen. Auf beinahe jedem der zahlreichen Transparente, die sie über ihre Köpfe gespannt hielten, stand das Wort "Sektion".

    Später dann hatte ich das Wesen des Faschings eingehender studiert. Ich begegnete in der Ballsaison Männern mit Kerben im Gesicht, die sich Deckel aufgesetzt hatten und in die Wiener Hofburg eilten. Wieder musste ich mich berichtigen lassen: Es handelte sich bei den ernsten Herren nicht um Narren, sondern um die ebenso stimm- wie trinkfesten Freunde mehr oder minder geschwärzten Liedguts.

    Heuer verkleide ich mich selbst. Ich gehe als Herr Karl. In der Maske bin ich bei jedem Umzug willkommen.

    Kontra
    von Petra Stuiber

    Vielleicht wäre ja alles ganz anders geworden, wäre man in Villach aufgewachsen. Wenn der Winternebel von den schönen Kärntner Bergen in die Niederungen kriecht und sich dort festklammert, kann ein heiteres "Lei Lei", gezwitschert aus grell geschminkten Mündern von von Natur aus fröhlichen Kärntnern, aufsteigend aus fantastisch bunten Kostümbergen, wahrscheinlich stimmungsaufhellend wirken.

    Man hat sich aber in jungen Jahren in Mödling und Umgebung herumgetrieben. Und so ein "Mö Mö" – also ehrlich jetzt. Das spricht vielleicht durchziehende Schafe auf der Perchtoldsdorfer Heide an – mich dagegen versetzte der blökende Frohlaut eher in Grant. Das ist ja überhaupt die gängige Stimmungslage im Osten Österreichs, daran kann ein bemüht fröhlicher Faschingsumzug auch nichts ändern.

    Wer einmal versucht hat, an einem Faschingsdienstag in der Bank seines Vertrauens die zu Unrecht eingezogene Bankomatkarte zurückzubekommen, wer dabei am "Mö Mö – Nö Nö" des Herrn am Schalter gescheitert ist ... dem können Faschingsumzüge fortan gestohlen bleiben. (RONDO, 12.2.2018)

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