Neue Therapie: Aspirin-Kombi senkt Herzinfarktrisiko

    7. Februar 2018, 09:11
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    Einer Studie zufolge schützt eine Kombination von "Aspirin" und Gerinnungshemmern vor einem erneuten Herzinfarkt

    Kanada/Hamilton – Seit den 1990er-Jahren ist niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS/Aspirin) ein Angelpunkt in der Verhinderung von weiteren akuten Herz-Kreislauf-Zwischenfällen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall nach einem ersten solchen Ereignis. Seither gab es kaum größere Fortschritte. Das könnte sich laut dem Fachjournal "Lancet" durch eine Kombination von ASS mit dem Blutgerinnungs-Hemmstoff Rivaroxaban ändern.

    In der britischen Medizin-Fachzeitschrift ist Ende Jänner die sogenannte COMPASS-Untersuchung mit einer Analyse der Daten von 24.824 Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit von 558 Zentren weltweit erschienen. Bei den Probanden handelte es sich um Personen, die schon einen Herzinfarkt oder eine instabile Angina pectoris gehabt hatten, per Ballondilatation oder Bypass-Operation behandelt worden waren.

    Solche Patienten sollten zur Verhinderung einer zweiten Akuterkrankung langfristig "blutverdünnend" behandelt werden, zumeist auch Medikamente zur Erreichung tiefer Cholesterinspiegel und zur rigorosen Blutdruckkontrolle erhalten.

    Aspirin-Wirktstoff verhindert Blutgerinnsel

    Eine Revolution hatte hier zunächst ASS in niedriger Dosierung (zumeist hundert Milligramm pro Tag) eingeleitet. Der Aspirin-Wirkstoff führt zur Inaktivierung der Blutplättchen, was das Entstehen von Blutgerinnseln verhindern soll. Auf anderen Wegen auf die Blutplättchen wirkende Arzneimittel wie Clopidogrel oder Ticagrelor haben einen ähnlichen Effekt, die Kombination mit ASS aber brachte teilweise zwar etwas bessere Wirkung, gleichzeitig aber häufiger schwere Blutungsereignisse.

    "Diese Resultate deuten darauf hin, dass die Anti-Blättchen-Therapie über Aspirin hinaus in der Langzeit-Sekundärprophylaxe nur beschränkt anwendbar ist und mit einem inhärenten Risiko für schwere Blutungen einhergeht", schreibt der US-Experte Magnus Ohman von der Duke-Medizinuniversität (Durham/North Carolina) in einem Kommentar.

    Die Ergebnisse der neuen Studie können einen Fortschritt bringen: Je ein Drittel der Probanden hatte pro Tag hundert Milligramm ASS plus zweimal am Tag 2,5 Milligramm des Blutgerinnungs-Hemmers Rivaroxaban oder ASS allein oder zweimal am Tag fünf Milligramm Rivaroxaban geschluckt. Das relativ neue Arzneimittel blockiert direkt den Blutgerinnungsfaktor Xa und hat vor allem wegen der einfachen Dosierung und der auch bei Langzeitanwendung nicht erforderlichen Laborkontrollen in den vergangen Jahren einen deutlichen Fortschritt in der Prophylaxe und Behandlung von venösen Thrombosen gebracht.

    Medikamente-Mix reduziert Todesfälle

    In der Studie war die Kombinationstherapie so erfolgreich, dass sie nach durchschnittlich zwei Jahren Beobachtungszeit vorzeitig abgebrochen wurde: Die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Todesfällen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen sank bei Einnahme von ASS und Rivaroxaban um 25 Prozent im Vergleich zur Einnahme von ASS allein (vier Prozent im Vergleich zu sechs Prozent). Die Gesamtsterblichkeit sank um 23 Prozent. Diese Ergebnisse waren statistisch hoch signifikant. Die einnahme einer höheren Dosierung von Rivaroxaban brachte keinen besseren Effekt als jener von ASS allein.

    Allerdings zeigte sich unter der Kombinationstherapie ein statistisch signifikant größeres Risiko für Blutungszwischenfälle (drei statt zwei Prozent). Lebensbedrohliche oder tödliche Blutungen kamen statistisch signifikant nicht häufiger vor. Laut den Autoren um Stuart Connolly (McMaster University in Hamilton in Kanada) könnte damit die Kombination von Rivaroxaban und ASS die Häufigkeit und die mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße einher gehenden Todesfälle weltweit reduzieren helfen. (APA, 7.2.2018)

    • In der Studie war die Kombinationstherapie so erfolgreich, dass sie vorzeitig abgebrochen wurde. Die Gesamtsterblichkeit sank um 23 Prozent.

      In der Studie war die Kombinationstherapie so erfolgreich, dass sie vorzeitig abgebrochen wurde. Die Gesamtsterblichkeit sank um 23 Prozent.

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