"Vaunt": Intels Brille weist Weg aus dem "Glasshole"-Dilemma

    17. Februar 2018, 13:57
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    Lob von The Verge – Smartes Gerät könnte zeigen, dass Datenbrillen auch im Alltag Platz haben

    Auffälliges Design und eine Kamera vorne drauf. Was Google mit Glass einst als digitale Revolution für den Alltag vorgestellt hat, wurde gerade dort zu einem Flop. Die Betatester der Brille, deren Dichte vor allem im Silicon Valley hoch gewesen sein dürfte, handelten sich Barverbote und den Beinamen "Glasshole" ein. Insbesondere die Kamera erwies sich im sozialen Umgang als problematischer Zusatz.

    Doch das ist Geschichte. Google hat mittlerweile einen zweiten Anlauf genommen und vermarktet das Gerät mittlerweile als Helfer für das berufliche Umfeld, so wie es auch Microsoft mit der Hololens tut. Doch der Zug für alltagsreife Augmented Reality ist nicht abgefahren, wie nun Intel beweist. Das Unternehmen hat einen Prototyp namens "Vaunt" vorgestellt – und er ist kaum von einer normalen Brille zu unterscheiden.

    the verge
    Hands-on von The Verge.

    Laserprojektion

    Hätte sie nicht etwas dickere Bügel, so könnte eines von vielen Rahmenmodellen sein, die bei den Optikern aufliegen. Dennoch kann sie digitale Inhalte über das Sichtfeld legen. Dazu nutzt sie einen sogenannten Oberflächenemitter (Vcsel), einen schwachen Laser, der mittels einem Spiegel Informationen in einer Farbe direkt auf die Netzhaut wirft.

    Es handelt sich dabei um ein Exemplar vom untersten Ende eines "Klasse-1-Lasers". Gemäß den in den USA und der EU gebräuchlichen Klassifizierungen (DIN VDE 0837 in den USA und DIN EN 60825-1 in Europa) ist ein außerhalb eines geschlossenen Gehäuses verwendeter Laser dieser Einstufung "ungefährlich" für Haut und Auge.

    google developers
    Googles Präsentation von Glass auf der Google I/O 2012.

    Auffällig unauffällig

    Die Auflösung des Nachrichtenbereiches, der außerhalb des zentralen Sichtfelds liegt, beträgt 400 x 150 Pixel. Angezeigt werden können Handy-Benachrichtigungen, hauptsächlich geht es Intel aber um Informationen, die für den Träger aktuell wichtig sind. Beispielsweise etwa Wegangaben. Auf zusätzlichen Ballast – neben Video auch grafisch aufwändige AR-Inhalte – verzichtet man. Gesteuert wird mit kurzen Kopf- und Blickgesten, die möglichst unauffällig sein sollen.

    Ein Autor von The Verge hatte die Gelegenheit, Vaunt schon einmal auszuprobieren. Dabei zeigt man sich insgesamt sehr angetan von dem Gerät und lobt bereits zu Beginn das leichte Gewicht von 50 Gramm und das unauffällige Design, dank dem man nicht mehr aussieht wie ein "Technocyborg-Idiot". Es ist allerdings notwendig, sie auf den individuellen Augenabstand des Trägers anzupassen.

    foto: youtube/the verge

    Killer-App gesucht

    Das Design verringert die Hemmschwelle, sich Technik auf das Gesicht zu setzen. Doch um sich (diesmal) durchzusetzen, sind weitere Anwendungen erforderlich. Intel bereitet dafür die technische Basis. Das Unternehmen liefert die Hardware, eine eigene KI, die für die kontextbasierende Informationsanzeige zuständig ist und will auch mehrere Varianten des Brillengestells bauen.

    Ein fertiges Produkt wird man allerdings nicht auf den Massenmarkt bringen. Dies überlasst man, so wie meistens, Drittherstellern, die Vaunt lizensieren und ihre eigenen Geräte damit umsetzen sollen. Dabei, so die Hoffnung, sollen auch weitere Anwendungen für die smarte Brille gefunden werden, um die Nachfrage für diese Technologie zu erhöhen. Die Chance auf den nächsten Schritt für Augmented Reality ist da – sie muss nun nur noch genutzt werden. (gpi, 17.02.2018)

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