Peugeot 308 GT: Mit Charme fährt man immer gut

    11. Februar 2018, 13:48
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    Besondere Talente sind in der Golf-Klasse gefragt. Peugeot meint, solche zur Genüge zur besitzen – nach dem Facelift noch mehr als bisher

    Wien – Das mit den Dreizylindern ist so eine Sache. Vom Aspekt des Fahrvergnügens her beleuchtet. Häufig sind das wahre Spaßbremsen, in Einzelfällen aber auch richtige Genussobjekte. Bei BMW zum Beispiel, Renault und Ford. Letztere Marke vereint sogar beide Charaktere unter einem Dach: Der 1,0-Liter-Turbo ist eine super Maschine, akustisch, von der Performance und vom Verbrauch her passt da alles. Hingegen der 1,1-Liter-Sauger: na ja ...

    foto: andreas stockinger
    Schlicht und gefällig designt, lässt der 308 die spezifisch französische Interpretation von Fahrkomfort wieder aufleben.

    Peugeot baut nun in den soeben facegelifteten 308 einen 1,2-Liter-Dreizylinder ein, der eindeutig der Spaßfraktion zuzuordnen ist. 130 PS leistet die Maschine, sie klingt überraschend sonor, taucht passabel von unten heraus an und fordert zum Fordern auf. Tut man das, wie unsereins beim Testwagen, braucht man sich über den knappen Achter nicht zu wundern: 7,9 l / 100 km Testschnitt.

    Vor- und Nachteile der Turbos

    Bei all den aufgeladenen Downsizern ist es ja dasselbe Lied, Turbo läuft, Turbo säuft. Sei's drum, wir haben nun mal den Trend, die Aggregate haben weniger Bauraum, weniger Gewicht und erfüllen die Normverbrauchsvorgaben – sehen wir einmal, was bei der WLTP-Testmethode rauskommt.

    foto: andreas stockinger
    Das Heck des Dreizylinder-Peugeot.

    Inzwischen erfreuen wir uns des gelungenen Peugeot-Beitrags, und wenn man den Sport-Schalter neben dem Startknopf (vom Fahrer aus vor dem Automatikschalthebel) drückt, macht der GT-Liner gar ein bisserl einen auf böse: Die Armaturen färben sich rot ein, zwischen den beiden Hauptinstrumenten verraten Balken die jeweils abgerufene Leistung, Ladedruck und Drehmoment (PS, bar, Nm), die Lenkung versteift sich, die Gaspedalkennung ist entsprechend adaptiert, und auch beim Sound legt er noch einmal ein Schäuferl nach. Bauch rein, Brust raus, sozusagen.

    Gemütslage

    So viel zum auffälligsten Element des Testwagens, des 308 in der Ausstattungsversion GT Line. Der Rest sieht so aus: Rote Nähte auf schwarzem Grund verraten die grundsätzliche Gemütslage. Der sportive Charakter paart sich mit einem komfortablen Fahrwerk und einer ebensolchen Sechs-Gang-Automatik, ohne dass daraus ein Widerspruch entstünde. Das passt alles ziemlich gut zusammen.

    foto: andreas stockinger
    Radikal aufgeräumt ist der Innenraum. Und weil GT Line, zieht sich der rote Faden überall durch.

    Die Sitze sehen nach viel Seitenhalt aus, der Eindruck täuscht aber. Ablagefächer in Türen und Mittelkonsole gibt es etliche und ausreichend üppig dimensioniert – das war nicht immer so bei Peugeot, siehe 508. Vorn und hinten finden sich die Passagiere gut aufgehoben, nur der Kofferraum wirkt überschaubar dimensioniert – und wo bitte sind die Haken und elastischen Bänder zum Fixieren von Kleinzeugs, Einkaufssackerln und dergleichen?

    Größenwachstum gestoppt

    Na ja, das Volumen ist halt den Abmessungen gestundet. In der ganzen Golf-Klasse zählt der 308er ja zu den kompaktesten Beiträgen, weil er sich zuletzt dem üblichen Aufblähen verweigert hat. Ein grundsätzlich sympathischer Zug, das ständige Größenwachstum von Generation zu Generation einmal zu stoppen. So findet sich auch leichter ein Parkplatz.

    Mit 4,25 Metern ist der 308 nunmehr praktisch genauso lang wie der VW Golf (4,255 m), auch genauso breit, und sieht man sich das genauer an, stellt sich heraus, dass er gegenüber dem Klassen-Urmeter beim reinen Kofferraumvolumen sogar leicht die Nase vorn hat: 420 Liter fasst der Franzose, 380 der Deutsche. Dafür wirkt allerdings das Innenraumangebot beim Golf großzügiger.

    foto: andreas stockinger

    Noch ein Wort zum Interieur, zu dessen Anmutung: Peugeot hat sich tüchtig ins Zeug gelegt. Das wirkt alles sauber und makellos verarbeitet, auch die Materialauswahl ist stimmig. So wie das Design insgesamt. Da hat die traditionsreiche Marke außen wie innen eine gute Linie gefunden.

    Anders sein

    Was uns immer noch stört, das ist aber ein ganz subjektiver Eindruck: diese oben aufgesetzten Hauptinstrumente, abzulesen oberhalb vom Lenkradkranz. Da könnte man ja gleich ein Head-up-Display hinsetzen. Peugeot will halt einfach anders sein, diese Übung immerhin gelingt. Für Freunde französischer Eigen-Art. (Andreas Stockinger, 11.2.2018)

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    Peugeot

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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