Fritz-Spitzenkandidatin in Tirol: "Wir haben Opposition gelernt"

    6. Februar 2018, 08:48
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    Die Liste Fritz Dinkhauser zog 2008 in den Tiroler Landtag ein. Andrea Haselwanter-Schneider will den Einzug erneut schaffen und die Mandate verdoppeln

    STANDARD: Warum legt sich die Liste Fritz im Landtagswahlkampf schon vorab auf die Oppositionsrolle fest?

    Haselwanter-Schneider: Wir haben Opposition gelernt und können das. Und speziell in Tirol, wo sich die schwarzen Mander seit 70 Jahren alles in den Hinterzimmern ausmachen, gilt: Allmacht braucht Grenzen. Wir sind so realistisch zu sagen, dass es für uns die Oppositionsrolle bleiben wird. Denn wir haben uns darauf festgelegt, dass wir mit einer übermächtigen ÖVP in keine Regierung gehen. Die werden sich den billigsten Mehrheitsbeschaffer suchen. Das ist mit uns nicht zu machen.

    STANDARD: Sie setzen im Wahlkampf in der Tradition Ihres Parteigründers Ex-AK-Präsident Fritz Dinkhauser auf das Thema Arbeit. Was muss sich hier ändern?

    Haselwanter-Schneider: 50 Prozent der Tirolerinnen und Tiroler arbeiten nicht in Vollzeit. Das heißt im Umkehrschluss, sie arbeiten Teilzeit. Mit der Folge, dass vor allem Frauen im Alter in der Armutsfalle landen. Das liegt daran, dass wir wahnsinnig viele Teilzeitbeschäftigte im Tourismus haben und weil Kinderbetreuungseinrichtungen fehlen. Das Durchschnittseinkommen in Tirol liegt bei 1500 Euro brutto. Wer kann davon leben? Und da stellt sich auch die Frage, wo hole ich mir jemanden, der um dieses Geld arbeitet? Das Gleiche gilt beim Gejammer des Tourismus, dass man keine Köche findet. Laut Kollektiv verdient ein Koch 1500 Euro. Da ist es kein Wunder, dass man dafür nur mehr Leute aus Weißrussland, Ungarn oder sonst wo bekommt. Und dann wundern sie sich, dass sie keine Tiroler Küche mehr zustande bringen.

    STANDARD: Aber wie will man eine Veränderung bewirken, wenn man sich von vornherein auf die Oppositionsrolle festlegt?

    Haselwanter-Schneider: Steter Tropfen höhlt den Stein. Wir sind sehr hartnäckig, wie wir beim Thema Wohnen gezeigt haben. Wir haben festgestellt, dass es eine günstige Übergangslösung für Menschen braucht, die aus Notunterkünften herauswollen, denen aber der soziale Wohnbau noch zu teuer ist. Unseren diesbezüglichen Antrag hat die Landesregierung schließlich aufgenommen und daraus das sogenannte Fünf-Euro-Wohnen gemacht.

    STANDARD: Personell haben Sie im Teich der Bürgerinitiativen gefischt und in Innsbruck mit Thomas Mayer einen prominenten Vertreter dieser Szene als Kandidaten gewinnen können, der sich mit seinem Engagement gegen Flüchtlingsheime rechts der Mitte positioniert. Wie passt das zur Liste Fritz?

    Haselwanter-Schneider: Sobald man sich zum Thema Flüchtlingspolitik äußert, wird man entweder ins linke oder rechte Eck gestellt. Herr Mayer und die Liste Fritz vertreten hier eine ganz pragmatische Mittelposition. Es ging in Innsbruck darum, ob die Flüchtlingsunterkünfte in diese Stadtteile passen, ob die Zahl der Menschen verträglich ist, ob die Infrastruktur ausreicht. Wir haben den Zugang, dass der Großteil der Flüchtlinge bleiben wird. Aus der Situation müssen wir das Beste machen. Das heißt, die Menschen sollen so schnell als möglich wieder auf eigenen Beinen stehen können. Dazu haben wir die "3+3-Formel" erdacht. Das bedeutet drei Stunden gemeinnützige Arbeit pro Tag und drei Stunden Deutschunterricht.

    STANDARD: Welche Positionen vertreten Sie zum Thema Transit?

    Haselwanter-Schneider: Die Blockabfertigung ist eine reine Notmaßnahme, die zeigt, dass man sich gar nicht mehr anders zu helfen weiß. Das ist für den Moment schon richtig, aber dadurch fährt kein einziger Lkw weniger durch Tirol. Unsere Forderung ist daher eine Lkw-Obergrenze von einer Million pro Jahr, ausgenommen Ziel- und Quellverkehr.

    STANDARD: Und wie sieht es mit dem Lufthunderter aus?

    Haselwanter-Schneider: Der ist zu hinterfragen, weil die Zahlen dazu für uns nicht objektiv sind. Man wird durch ein unabhängiges Institut erheben müssen, was er tatsächlich für die Verbesserung der Luftqualität bringt.

    STANDARD: Sie haben sich als einzige Partei gegen Olympia positioniert. Wäre es wahltaktisch für Sie nicht besser gewesen, Tirol hätte dafür gestimmt?

    Haselwanter-Schneider: Ich glaube schon, dass uns die Bevölkerung noch mit Olympia in Verbindung bringt. Wir haben die Tiroler vor einem Milliardenwahnsinn bewahrt. Das Ergebnis der Abstimmung hat gezeigt, dass die Menschen genug haben vom Massentourismus. Denn der bringt Massen an Verkehr, wenn zwölf Millionen Gäste mit dem eigenen Pkw anreisen. Daher muss der Tourismus, der sicher eine bedeutende Branche für das Land ist, seinen Beitrag zu Lösungsansätzen leisten, um die Belastung der Bevölkerung einzudämmen. (Steffen Arora, 5.2.2018)

    Andrea Haselwanter-Schneider (49) ist Krankenschwester und Erziehungswissenschafterin sowie seit 2012 Klubobfrau der Liste Fritz Dinkhauser.

    • Andrea Haselwanter-Schneider kämpft mit der Liste Fritz Dinkhauser um den Verbleib im Landtag.
      foto: apa/expa/jakob gruber

      Andrea Haselwanter-Schneider kämpft mit der Liste Fritz Dinkhauser um den Verbleib im Landtag.

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