Noch kein Druckereiensterben

5. Februar 2018, 17:44
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Branche setzt auf neue Gestaltung und Materialien

St. Margarethen – Versandhauskataloge mit hunderten Seiten, Werbeprospekte oder schwere Telefonbücher: Für viele Empfänger waren die Produkte ein schneller Fall für die Altpapiertonne, für die heimischen Druckereien aber waren sie ein durchaus lukratives Geschäftsmodell. "Da hat sich in den letzten zwanzig Jahren sehr viel verändert", sagt Gerhard Aichhorn, Geschäftsführer der Druckerei Samson Druck im Lungau in Salzburg, das mit insgesamt 110 Mitarbeitern zu den größeren Druckereien Österreichs zählt. Aichhorn kennt die Branche, denn er beschäftigt sich seit etwa 35 Jahren mit dem Papierdruck.

Rasche Umstellung

Damals stieg er in der kleinen Druckerei seines Vaters ein, nachdem er seine Ausbildung zum Druckformtechniker abgeschlossen hatte. Fünf Mitarbeiter beschäftigte der Betrieb zu dieser Zeit, gedruckt wurden vor allem Hochzeitseinladungen, Sterbebilder oder Flyer für die unmittelbare Nachbarschaft. Dinge, die heute alle mit dem Kopierer abgedeckt werden können, sagt Gerhard Aichhorn und muss schmunzeln. Mit dem Internet seien viele der ursprünglichen Produkte obsolet geworden und die Aufträge in diesem Bereich zurückgegangen. "Viele Druckereien rundherum sind weggebrochen, haben sich nicht schnell genug umgestellt", sagt Aichhorn.

Laut dem Verband für Druck- und Medientechnik ist die Zahl der Druckereibetriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern in Österreich in den vergangenen acht Jahren von 263 auf 185 zurückgegangen, bei den Mitarbeitern im gleichen Zeitraum von 10.484 auf 8289. 1,66 Milliarden Euro hat die Branche 2016 umgesetzt, mit einem Drittel fließt der größte Teil der Produkte in die Werbung, gefolgt von Magazinen und Etiketten.

Individuellere Gestaltung

"Die Druckerbranche hat sich wieder stabilisiert", sagt Alexandra Zotter, Geschäftsführerin des Verbands. Statt Massendrucken gehe der Trend immer mehr Richtung einer hochwertigen und personalisierten Gestaltung und Verarbeitung. Flyer werden beispielsweise mit Schmuckfarben, Lacken, Folien, Glitzer oder verschiedenen Papiersorten gestaltet. Besonders wichtig sei dabei, wie sich das Material anfühlt, so Zotter. So werden beispielsweise 3D-Reliefs auf die Oberfläche gedruckt, als Materialien kämen neben Papier verstärkt auch Metall, Holz, Leder oder Kunststoffe zum Einsatz. Im Vergleich zu anderen Ländern seien gedruckte Produkte bei den Österreichern aber noch ziemlich gefragt, so Zotter.

Auch bei Samson Druck habe man auf personalisierte Qualitätsprodukte umgestellt, gedruckt werden laut Aichhorn Magazine, Prospekte und Kataloge etwa für die Automobilbranche oder den Schmuckhandel, von einigen Dutzend Stück bis zu mehreren Millionen – 20 Prozent werden ins Ausland geliefert. Beim Material sei man allerdings traditionell bei Papier geblieben. "Papier lebt", sagt Aichhorn, "und riecht auch noch gut." (jp, 5.2.2018)

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