Krim-Reise von AfD-Abgeordneten sorgt für Empörung

5. Februar 2018, 17:31
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Acht Landtagsabgeordnete reisten "privat" auf die von Russland annektierte Halbinsel – Auch FPÖ-Mitglieder seit 2014 immer wieder auf der Krim

Kiew/Berlin – Eine Reise von acht Landtagsabgeordneten der AfD auf die von Russland annektierte ukrainische Halbinsel Krim sorgt für Aufregung. Die deutsche Regierung kritisierte den Besuch am Montag mit deutlichen Worten, die Ukraine drohte sogar mit strafrechtlichen Konsequenzen.

"Der verantwortungslose Besuch einiger AfD-Lokalpolitiker auf die völkerrechtlich okkupierte Krim ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verbrechen", twitterte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk. Die Abgeordneten waren am Samstag über Moskau nach Jalta auf der Krim geflogen. Der Delegation, die bis zum 9. Februar auf der Halbinsel bleiben will, gehören vier Abgeordnete aus Nordrhein-Westfalen, drei aus Berlin und einer aus Baden-Württemberg an. Außerdem ist ein Vertreter der nordrhein-westfälischen Russlanddeutschen in der AfD dabei.

Als Privatreise deklariert

Die Reisegruppe deklarierte ihren Besuch als privat. Er finde auf Einladung der Nichtregierungsorganisation "Deutsche national-kulturelle Autonomie der Republik Krim" statt, hieß es in einer Mitteilung. Die Reise solle einer Verbesserung der deutsch-russischen Beziehungen dienen. Eine "einseitige Westorientierung" sei nicht mehr zeitgemäß.

Trotz des offiziell privaten Charakters der Reise gaben die Abgeordneten politische Statements ab und kritisierten die EU-Sanktionen gegen Russland. "Die Krim ist nicht von den Russen besetzt, vielmehr ist es jetzt wieder Teil Russlands", sagte der nordrhein-westfälische Abgeordnete Roger Beckamp in einem Interview von Reuters-TV.

Regierungssprecher Steffen Seibert bekräftigte die Position der deutschen Regierung, nach der die Vereinnahmung der Krim durch Russland eine völkerrechtswidrige Annexion war. Die EU hat deswegen Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. "Wir stehen solchen Reisen grundsätzlich kritisch gegenüber, aber private Reisen sind jetzt nicht von Sanktionen erfasst", sagte Seibert. "Wir warnen vor rechtlichen Folgen, die, für diejenigen, die solche Reisen machen, gegebenenfalls in der Ukraine zu erwarten sind."

Beckamp sagte der staatlichen russischen Agentur Tass zufolge, er fürchte ein mögliches Einreiseverbot der Ukraine nicht. Im Gegenteil, er hoffe die Krim noch einmal besuchen zu können. Der Berliner AfD-Abgeordnete Hugh Bronson kritisierte wie Beckamp die Strafmaßnahmen gegen Russland. Sanktionen hätten noch nie ihr Ziel erreicht, sagte er Tass zufolge. Vor allem die Bevölkerung leide unter ihnen. Deutsche Firmen sollten selbst entscheiden dürfen, in welcher Region sie investieren.

Besuch im Zaren-Palast

Die Abgeordneten besuchten unter anderem den Liwadija-Palast, die Sommerresidenz des letzten russischen Zaren, wo im Februar 1945 die Konferenz von Jalta über die Nachkriegsordnung in Europa stattfand. Der Besuch wurde von großem russischem Medieninteresse begleitet. Die AfD-Fraktionsführungen in Nordrhein-Westfallen und Berlin gingen auf Distanz. "Es handelt sich um eine private Reise, die nichts mit der Fraktion oder der Partei zu tun hat", sagte ein Sprecher der Berliner AfD-Fraktion.

Die Krim war 2014 von Russland vereinnahmt worden. Während die EU von einer völkerrechtswidrigen Annexion spricht, beruft sich Russland auf einen völkerrechtlich nicht anerkannten Volksentscheid der Krim-Bewohner.

Auch FPÖ-Politiker sind in den vergangenen vier Jahren immer wieder auf die Krim gereist. Am 16. März 2014 fungierten der nunmehrige Wiener Vizebürger Johann Gudenus (FPÖ), der damalige Nationalratsabgeordnete Johannes Hübner (FPÖ) und Ewald Stadler (früher FPÖ und BZÖ, später Rekos) als "Beobachter" des von der internationalen Staatengemeinschaft nicht anerkannten Referendums auf der Krim. FPÖ-Politiker nahmen zudem mehrmals an dem Jalta-Wirtschaftsforum teil. Im November vergangenen Jahres reisten der FPÖ-Nationalrat Hans-Jörg Jenewein und der Linzer Vizebürgermeister Detlef Wimmer auf die Halbinsel, um sich offiziell für die Anerkennung der russischen Annexion einzusetzen. (APA, 5.2.2018)

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