Papst schenkt Erdoğan einen Friedensengel

    5. Februar 2018, 16:17
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    Staatsbesuch in Rom von Protesten gegen Militärintervention und Unterdrückung der Meidungsfreiheit in Türkei begleitet

    Es war nicht die erste Begegnung der beiden, aber dennoch eine durchaus historische: Tayyip Erdoğan war am Montag der erste türkische Präsident seit 59 Jahren, der von einem Papst, nämlich Franziskus I., im Vatikan empfangen wurde. "Höflich und froh" sei das Gespräch der beiden gewesen, hörte man später – tatsächlich wurde über dessen Inhalt kaum etwas bekannt.

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    Erdoğan (li.) und der Pontifex Maximus.

    Fest steht, dass der Status von Jerusalem ein wichtiges Thema war. In diesem Punkt herrschte Einigkeit: Beide hatten die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen und die Stadt damit als Hauptstadt Israels anzuerkennen, kritisiert. In einer Mitteilung des Vatikan hieß es, man müsse weiter "mit Dialog und Verhandlungen Frieden und Stabilität im Nahen Osten fördern".

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    Beim Treffen wurden auch kritische Punkte angesprochen.

    Ebenfalls weitgehende Einigkeit herrschte beim Thema Flüchtlinge: Franziskus I. hatte der türkischen Regierung schon wiederholt dafür gedankt, Millionen syrischer Kriegsflüchtlinge aufgenommen zu haben.

    "Dämon des Krieges"

    Große Differenzen gab es bei der Audienz aber offensichtlich bezüglich der türkischen Armeeoffensive in Nordsyrien gegen die Kurden, die von der türkischen Regierung als "Terroristen" bezeichnet werden.

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    Zwar äußerte sich das Vatikan-Kommuniqué dazu nicht explizit, dafür sprach aber das Geschenk Bände, das der Papst seinem türkischen Gast übergab: eine Medaille mit einem Friedensengel. "Das ist ein Friedensengel, der den Dämon des Krieges besiegt. Er ist Symbol einer Welt, die auf Frieden und Gerechtigkeit basiert", erklärte Franziskus bei der Geschenkübergabe – und ließ die Botschaft beim Gast einfach wirken.

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    Vor dem Vatikan gab es Demonstrationen wegen des Kampfes der türkischen Armee gegen Kurden in Syrien.

    Erdoğans Besuch in Rom – wo er auch Präsident Sergio Mattarella und Premier Paolo Gentiloni treffen wollte – fand unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Trotz eines einschlägigen Verbots schafften es Anhänger des Netzwerks "Kurdistan Italien", in Sichtweite des Vatikans gegen Erdoğan zu demonstrieren. Die Folge: Handgreiflichkeiten und zwei Festnahmen. (Dominik Straub aus Rom, 5.2.2018)

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