"Im Zentrum" mit Ewald Stadler: Ein Mann für alle Deckel

5. Februar 2018, 13:32
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Mit der Einladung von Ewald Stadler fegte ein Sturmhauch von nationaler Widerborstigkeit über den Küniglberg

In diesen Tagen handelt beinahe jede Ausgabe von Im Zentrum, die auf sich hält, von Österreichs Drittem Lager. So auch diesmal: Unter dem Titel "Wie mächtig sind die Burschenschaften?" wurde besonders hartgesottenen Nostalgikern und Freunden des Kabinetts Schüssel II ein Wiedersehen zum Beispiel mit Herbert Haupt ermöglicht.

Damit nicht genug. Mit der Einladung von Ewald Stadler fegte ein Sturmhauch von nationaler Widerborstigkeit über den Küniglberg. Dieser Recke machte einst als Jörg Haiders "Dobermann" Karriere. Was ihm auch nach Jahren politischen Kürzertretens nicht verlorengegangen ist: dieser Hohn gegen alles Untreu-Undeutsche. Dieser herzhafte Zubiss, wenn er irgendwo linkslinke "Moralinsäure" erschnuppert hat. Dieser Liberalismus im Kleinen, der mit Großherzigkeit nicht geizt. Stadler besitzt sehr viel historisches Bewusstsein. Jeder Burschenschafter möge "seine eigene Grenze" dort ziehen, wo er meint, dass Österreich aufhört und Großdeutschland beginnt.

Damit wir uns nicht missverstehen: Stadler plädiert natürlich für die Einhaltung der geltenden Gesetze. Alle Mitglieder der Sänger- und Landsmannschaften: Stürmer und Dränger, Mädeln und Pimpfe, Barden und Tankwarte, Volker und Giselhere, Großbauern, sogar Kleindeutsche – sie alle wissen, auf Ewald Stadler ist Verlass. Vier Mensuren hat der Mann gefochten (freilich: Haupt hat elfmal!). Stadlers Wut richtet sich heute gegen den amtierenden Vizekanzler. Der geht angeblich vor Correctness "in die Knie". Stadler lacht schallend. Er belehrt jetzt Burgschauspielerin Elisabeth Orth. Aber die besaß ja auch die Unverfrorenheit, Hannah Arendt zu zitieren. (Ronald Pohl, 5.2.2018)

  • Ewald Stadler bei "Im Zentrum".
    foto: screenshot / orf tvthek

    Ewald Stadler bei "Im Zentrum".

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