US-Handelskette beendet Verkauf von Musik-CDs

    10. Februar 2018, 16:35
    35 Postings

    Best Buy nimmt die Scheiben bald aus dem Programm, Target könnte folgen

    Ein neues Musikalbum lässt sich heute mit wenigen Klicks digital erwerben. Immer mehr Nutzer besitzen außerdem ein Streaming-Abo bei Anbietern wie Spotify oder Apple Music und haben damit stets Zugang zu einem großen Sortiment von Klassikern bis hin zu aktuellen Neuerscheinungen. Die Umsätze im Digitalbereich sind 2016 weltweit um 17,7 Prozent gestiegen – 60,4 Prozent waren es alleine im Streaming-Bereich laut dem jährlichen Bericht (PDF) des Rechteinhaber-Verbandes IFPI.

    Dennoch geht es dem weltweiten CD-Markt noch einigermaßen gut. Er hat 2016 ein Umsatzminus von 7,6 Prozent verzeichnet. Ein guter Teil davon geht auf das Konto des US-Marktes. Laut Billboard befinden sich die Verkäufe dort im freien Fall und sollen vergangenes Jahr um 18,5 Prozent gesunken sein. Die Entwicklung hat Konsequenzen: Erste Händler kehren der CD den Rücken.

    Best Buy löst CD-Abteilung auf

    So hat die US-Kette Best Buy, die 1966 unter dem Namen "Sound of Music" gegründet worden und lange der wichtigste Musikverkäufer des Landes war, angekündigt, bald keine Silberscheiben mehr in ihren über 1.000 Filialen zu verkaufen. Mit erstem Juli sollen die entsprechenden Abteilungen aufgelöst und für anderes Sortiment genutzt werden. Zuletzt generierte das Geschäft damit nur noch 40 Millionen Dollar Jahresumsatz – ein geringer Anteil angesichts eines Gesamtumsatzes von 44 Milliarden Dollar.

    Vinyl, sprich: Platten, hat man aufgrund einer Vereinbarung zumindest noch zwei weitere Jahre im Angebot, sie dürften innerhalb der Geschäfte nun zu den Plattenspielern wandern. Hier hat die Nachfrage in den letzten Jahren wieder deutlich zugenommen.

    Target will umstellen

    Auch eine andere Kette, Target, plant drastische Änderungen. Dem Bericht zufolge hat der Händler den Musik- und Filmverlagen ein Ultimatum gestellt. Man will diesen künftig nur noch Geld für tatsächlich verkaufte DVDs und CDs auszahlen.

    Die Änderung war ursprünglich schon für Anfang Februar vorgesehen, die Deadline soll jedoch für die Labels auf April oder Mai verschoben worden sein, da diese noch zu keiner Entscheidung gekommen sind. Dem Vernehmen nach warten sie offenbar ab, wie sich die Situation bezüglich der DVD-Verkäufe entwickelt. Eine Ablehnung der neuen Konditionen könnte das Aus von CDs bei Target einleiten. Das Sortiment ist in den vergangenen Jahren ohnehin bereits deutlich reduziert worden.

    CD in Österreich noch größter Umsatzbringer

    In Österreich hat die CD laut IFPI-Bericht für 2016 (PDF) noch einen 56-prozentigen Anteil an den Musikformaten im Gesamtmarkt und steuert mit 60,2 Millionen Euro auch über die Hälfte des Umsatzes bei. Das Digitalgeschäft liefert rund 20 Prozent Umsätze, wobei Streaming das Downloadgeschäft mittlerweile überholt hat. Die Umsätze sind hier stark am Steigen, während die Umsätze mit physischen Tonträgern zuletzt um neun Prozent sanken. (gpi, 10.02.2018)

    • Die CD-Verkäufe brechen in den USA drastisch weg.
      foto: ap

      Die CD-Verkäufe brechen in den USA drastisch weg.

    Share if you care.