Mehr als 50 verdächtige Blutwerte bei Langläufern seit 2011

4. Februar 2018, 19:22
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Ergebnis einer Recherchegruppe: Zahlreiche Medaillengewinner weisen abnormale Blutwerte auf

Pyeongchang – Hinter 46 Prozent aller Medaillengewinne im Skilanglauf bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften seit 2001 sollen auffällige Blutwerte stehen. Zu diesem Ergebnis kam eine internationale Recherchegruppe. Diese hatte über einen Whistleblower Einblick in eine Datenbank mit mehr als 10.000 Bluttests von fast 2000 Wintersportlern erhalten.

Laut den Daten, die die ARD, die britischen Sunday Times, das schwedische Fernsehen SVT und das Schweizer Digitalmagazin republik.ch erhalten haben, sollen Bluttests von mehr als 50 Langläufern, die auch für die Olympischen Spiele in Südkorea qualifiziert sind, verdächtige Werte zeigen. US-Arzt James Stray-Gunderson, der in der Vergangenheit für den Skiweltverband (Fis) gearbeitet hat, sagte in dem Bericht: "Es gibt eine beachtliche Zahl von Medaillengewinnern mit ungewöhnlichen oder höchst ungewöhnlichen Blutprofilen. Das deutet auf beachtliche Verbreitung von Doping im Skilanglauf hin."

Bei insgesamt 290 Langläufern wurden abnormale Werte festgestellt. Die meisten stammen aus Russland, aber auch Deutsche, Franzosen, Norweger und Österreicher sollen betroffen sein. Experten zufolge liegt laut ARD die Wahrscheinlichkeit einer anderen Ursache als Doping für derartige Werte unter Topathleten bei einem Prozent.

2002 in Salt Lake City hatte Christian Hoffmann Olympiagold über 30 km Skating vor Landsmann Michail Botwinow gewonnen. Der ursprüngliche Sieger, der für Spanien startende Deutsche Johann Mühlegg, war wegen Dopings suspendiert worden. 2006 in Turin hatte Botwinow Bronze über 50 km Skating geholt. 2011 hatte die Nationale Anti-Doping-Agentur Hoffmann wegen eines Verstoßes gegen Antidopingbestimmungen für sechs Jahre, beginnend mit Dezember 2009 gesperrt. Die Sperre wurde 2012 auf zwei Jahre reduziert.

2002 hatte der Blutbeutelskandal für Aufregung gesorgt. Nach Abreise der ÖSV-Langläufer waren in deren Unterkunft Spritzen und Blutbeutel gefunden worden. 2006 führten die italienischen Behörden Razzien in den Quartieren der österreichischen Biathleten und Langläufer durch. "Austria is a too small country to make good doping", hatte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel damals gesagt. Während der Spiele 2014 in Sotschi wurde bekannt, dass Johannes Dürr bei einer Trainingskontrolle positiv auf Epo getestet worden war. Die Fis sperrte den Niederösterreicher für zwei Jahre.

Der letzte Dopingfall in Österreichs Langlauf ist nicht allzu lange her. Im März 2016 verhängte die Anti-Doping-Rechtskommission eine vierjährige Sperre über Harald Wurm wegen des Verstoßes gegen diverse Antidopingbestimmungen.

Bei den Winterspielen in Pyeongchang, die am Freitag eröffnet werden, ist Österreich im Langlauf durch Teresa und Luis Stadlober, Anna Seebacher, Lisa Unterweger, Dominik Baldauf, Max Hauke und Bernhard Tritscher vertreten. (APA, red, 4.2.2018)

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