Rechte Mädeln im Staat und auf dem Schießplatz

5. Februar 2018, 06:00
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Längst rekrutiert die FPÖ auch Frauen aus rechten Verbindungen. Die Mädelschafterinnen arbeiten in Bezirken und im Bund. Die ehemalige Sekretärin des FPÖ-Chefs hat kürzlich einen Schützenverein gegründet

Wien – Wenn die Freyoninnen auf ihrer Homepage "deutsche Hochschulstädte" aufzählen, dann klingt das so: Berlin, Bern, Graz, Halle, Innsbruck, Jena, Klagenfurt, Köln, Leoben, München, Salzburg, St. Gallen, Tübingen, Wien. Das ist zumindest eine Auswahl jener Orte, die von der Wiener Mädelschaft Freya "in deutschen Landen" verbucht werden. Die akademische Frauenverbindung ist in Österreich – bei Grenzziehung wie in aktuellen Geografiebüchern – eine der bekanntesten und ältesten Mädelschaften. Ihre Obfrau ist blaue Bezirksrätin, die Schriftführerin des Vereins Sekretärin in der FPÖ Wien.

Fest steht also: Nicht nur Männer, auch rechtskonservative Frauen organisieren sich – und werden von den Freiheitlichen für politische Ämter und Funktionen rekrutiert.

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Mitglieder der 1988 gegründeten Mädelschaft Freya verstehen sich laut ihrer "Heimseite" als "Deutsche in Österreich".

Insgesamt gibt es hierzulande rund 30 Studentinnenverbindungen. Die meisten dieser Vereine an österreichischen Hochschulen sind christlich-konfessionelle Gruppen. Darüber hinaus gibt es aktuell sieben Mädelschaften, in denen "das Deutschnationale präsent" sei, wie die Politikwissenschafterin Judith Goetz erklärt. Über genaue Mitgliederzahlen kann nur spekuliert werden. Drei der sieben Mädelschaften wurden jedoch erst in den vergangenen acht Jahren gegründet. "Das Bedürfnis von Frauen, sich im deutschnationalen Spektrum zu organisieren, scheint zu steigen", folgert Goetz.

Julfest zu Weihnachten

Die prominenteste Mädelschafterin ist Anneliese Kitzmüller, Dritte Nationalratspräsidentin für die Freiheitlichen. Sie ist Mitglied bei der pennalen Mädelschaft Sigrid zu Wien und stellvertretende Obfrau der Iduna zu Linz, die wie andere Mädelschaften rund um Weihnachten das Julfest feiert. Zwar handelt es sich dabei um ein skandinavisches Brauchtum, im deutschsprachigen Raum wurde es aber von den Nationalsozialisten verbreitet, die dadurch christliche Traditionen verdrängen wollten.

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In Österreich soll es aktuell sieben Mädelschaften geben, in denen deutschnationale Gesinnung eine Rolle spielt. Eine davon ist die Sigrid zu Wien, der Mitarbeiterinnen des FPÖ-Klubs angehören.

Ein Vorstandsmitglied der Wiener Mädelschaft Nike ist in der schwarz-blauen Regierung in ein Ministerium befördert worden: Verbandskassierin Irmgard F., früher Mitarbeiterin von Norbert Hofer, ist nun Referentin im Infrastrukturressort. Nike-Schriftführerin Ulrike Raich arbeitet als blaue Bezirksrätin in Hernals. Sie publizierte bereits in einschlägigen Medien wie der "Aula". Dort schrieb sie, dass man "die Leistungsträger im Volk zu mehr Nachwuchs veranlassen" müsse. Entscheidend sei dabei nicht nur "reine Quantität", sondern "Qualität", schließlich sei "Intelligenz vererbbar".

Im freiheitlichen Parlamentsklub arbeiten unter anderem die Mädelschafterinnen Elisabeth Keyl (Kassierin der Sigrid zu Wien) und Sabine Kotasek (Sigrid-Vorständin). Keyl war früher die Sekretärin von FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache und hat kürzlich den Schützenverein Diana ins Leben gerufen. Auf der Homepage des Interessenverbands von Jägern, Sport- und Freizeitschützen beschreibt sie sich als leidenschaftliche Jägerin und Mutter von sechs Kindern. Bei Mädelschaften bewirbt sie ihren Verein offensiv.

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"Man braucht keine Mehrheit, sondern echte Gefährten. Eine zornige, unermüdliche Minderheit, die eifrig daran arbeitet, in den Köpfen der Menschen Buschfeuer der Freiheit zu entfachen", wird auf der Seite der Iduna zu Linz aus Tolkiens "Herr der Ringe" zitiert.

Im Jahr 2010 gelangte Keyl – damals Mitarbeiterin von Strache – in die Schlagzeilen, als sie und ihr Mann Hubert in einem Gürtel-Nachtclub in eine Schlägerei verwickelt waren. Keyl soll laut Medienberichten sowie einer Aussendung der Burschenschaft Silesia kurz nach ihrem Rauswurf wieder in dem Lokal aufgetaucht sein – gemeinsam mit dem mehrfach verurteilten Neonazi Gottfried Küssel. Strache bestätigte diese Episode in einem Interview mit dem STANDARD, das Ehepaar Keyl hat sie stets bestritten.

Heute stellt Keyl ihre Liebe zu Waffen regelmäßig auf Facebook zur Schau, auch dort wirbt sie für ihren Schützenverein. Das liken beispielsweise ehemalige Mitglieder der aufgelösten Neonaziorganisation Vapo. Auf eine Anfrage des STANDARD reagierte Keyl übrigens nicht.

Waffenlobbyist bei Diana

Ihr Stellvertreter im Schützenverein Diana ist der Waffenlobbyist Georg Zakrajsek, der vergangenes Jahr wegen Verhetzung verurteilt und deshalb aus der Initiative Liberales Waffenrecht ausgeschlossen wurde. Dort war er als Generalsekretär tätig gewesen. Zakrajsek hatte etwa auf seinem Blog Muslime als "Müllsäcke" bezeichnet.

Kotasek, Keyls Kollegin im blauen Klub sowie in der Mädelschaft Sigrid, ist im Schützenverein Sektionsleiterin für Damenschießen. Außerdem ist Kotasek für die FPÖ als Bezirksrätin aktiv.

In Österreich soll es aktuell sieben Mädelschaften geben, in denen deutschnationale Gesinnung eine Rolle spielt. Eine davon ist die Sigrid zu Wien, der Mitarbeiterinnen des FPÖ-Klubs angehören. (Katharina Mittelstaedt, Fabian Schmid, 5.2.2018)

  • Bekanntestes Mitglied der Mädelschaft Iduna zu Linz ist die Dritte Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller.
    foto: matthias cremer

    Bekanntestes Mitglied der Mädelschaft Iduna zu Linz ist die Dritte Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller.

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