1600 Menschen demonstrierten gegen Burschenbundball in Linz

3. Februar 2018, 18:53
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Die Proteste richten sich auch gegen die schwarz-blaue Bundes- und die oberösterreichische Landesregierung

Die einen wärmten sich für den Eröffnungswalzer im Palais Kaufmännischer Verein auf, die anderen bevorzugten den flotten Marsch durch die Linzer Innenstadt: Am Samstagabend stand der alljährliche Burschenbundball auf dem Plan – was auch eine Vielzahl an Gegnern in Alarmbereitschaft versetzte. Gegen 17.30 marschierten rund 1600 Demonstranten vom Linzer Pfarrplatz zunächst vor das Landhaus. Dort tat man entsprechend laut den Unmut über die schwarze-blaue Regierung in Land und Bund mit Parolen "Lässt die Nazis nicht regieren und niemals aufmarschieren" oder "Schwarz-blau schlägt zu -schlagen wir zurück" kund.

Auffallend war aber, dass ausgerechnet die tanzenden Burschenschafter am wenigsten ihr Fett abbekamen. Vielmehr wurde man dem Motto "Sozialabbau im ganzen Land – unsere Antwort: Widerstand!" gerecht. Auch war die Stimmung unter den Demonstranten, die sich dann zu einer großen Abschlusskundgebung auf dem Martin-Luther-Platz trafen, deutlich entspannter als in den letzten Jahren. So wurde etwa auf bengalische Feuer verzichtet und der schwarze Block musste dem "schönen Block" weichen. Auch laut Polizei sei die Kundgebung ruhig verlaufen.

Eröffnungsrede gegen Antisemitismus

Am Ball selbst bekannte sich der Rektor der Johannes Kepler Universität Linz (JKU), Meinhard Lukas, in seiner Eröffnungsrede zum Ehrenschutz für dieses Fest. Gleichzeitig sprach er aber auch über eine "rote Linie", die "gewiss nicht allein das Strafrecht zieht". Entschieden trat er gegen Extremismus, Antisemitismus und Faschismus auf.

Er kenne "null Toleranz, wo sich eine menschenverachtende Ideologie wie ein Chamäleon artikuliert". Universitäten würden sich gerade dort eine sorgsame Kommunikation erwarten, "wo uns als Gesellschaft eine besondere historische Verantwortung trifft", meint er in seiner Ansprache. Dies sei eine Botschaft vor allem an Studenten in nationalen Verbindungen.

"Natürlich lässt das Liederbuch einer Verbindung keinen Schluss auf alle nationalen Verbindungen zu", trat er gegen Pauschalverurteilungen auf. "Wer aber die im Habsburgerreich geborene deutsch-nationale Idee auch heute hochhält, muss sich ihres historischen Ballastes bewusst sein." Umso wichtiger seien klare Abgrenzungen von den dramatischen historischen Fehlentwicklungen im Namen dieser Idee, so Lukas.

Überschritten wird für den Linzer Rektor die "rote Linie" dann, wenn der "Grundkonsens, der unsere freie, demokratische und humanistische Gesellschaft ausmacht", verlassen werde. Die JKU bekenne sich zu einer pluralen Gesellschaft, daher besuche die Universitätsleitung auch die Rote Nacht (Fest der SPÖ), den Ball des Cartellverbands sowie den Burschenbundball. "Mit unserem Ehrenschutz bekennen wir uns zu einer Universität der Vielfalt – zu nicht mehr und nicht weniger," stellte Lukas klar.

Jedes Jahr fordern die Gegner des Burschenbundballes die JKU sowie den Landshauptmann auf, den Ehrenschutz für diese "Festveranstaltung der extremen Rechten" nicht länger zu übernehmen.(Markus Rohrhofer/ APA 03. 02. 2018)

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