Die Burschenschafterpartei

Kolumne2. Februar 2018, 15:54
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Ein winziger, elitärer, geheimnistuerischer Klüngel greift nach der Macht

Uniräte sind sozusagen die Aufsichtsräte der Universitäten. Für diese Position schlägt die FPÖ einen 76-jährigen emeritierten Professor vor, der Mitglied einer Burschenschaft ist und ideologisch so ausgerichtet, dass rechts von ihm "nur noch das NS-Verbotsgesetz ist" (Einschätzung von Andreas Peham, Chef des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, im Kurier). Außerdem sollen rund zehn andere extrem rechte Burschenschafter als Uniräte vorgeschlagen worden sein, die aber Bildungsminister Heinz Faßmann ablehnte.

Wir schreiben das Jahr 2018, und die Regierungspartei FPÖ will ultrarechte Unbelehrbare aus einer düsteren Vergangenheit in die Hochschulen einschleusen. Uniräte haben großen Einfluss auf Budget und Personal der Hochschulen.

Das steht stellvertretend für ein größeres Problem: nämlich die Unterwanderung österreichischer Institutionen und des Staates an sich durch extrem rechte Burschenschafter im Zuge der Regierungsbeteiligung der FPÖ.

Die Strache-FPÖ wird von großteils extrem rechten Burschenschaften dominiert. Das ist u. a. anhand des Buches von Hans-Henning Scharsach ("Die stille Machtergreifung") leicht nachzuweisen.

Das ganze Ausmaß wird aber erst sichtbar, seit das antisemitische, NS-verseuchte Liederbuch der "Pennälerschaft" (Mittelschüler) Germania zu Wiener Neustadt aufgeflogen ist. Da wurde der Blick auf diese Burschenschafts-Subkultur plötzlich frei. Sogar die Krone brachte zuletzt eine große Auflistung. Burschenschafter gibt es rund 5000 in Österreich. Es greift also ein winziger, elitärer, geheimnistuerischer Klüngel nach der Macht.

Geschichtsrevisionismus und Herrenmenschenmentalität

Die extrem rechte Ausrichtung der meisten Burschenschaften ist bestens dokumentiert. Man fragt sich, was im 21. Jahrhundert junge Leute dazu bringt, Vereinen mit den Namen Gothia, Teutonia, Germania, Vandalia etc. beizutreten. Ein Blick auf die Websites (die bei weitem nicht alles freigeben) genügt:

Da sind völkischer Deutschnationalismus, Geschichtsrevisionismus, Herrenmenschenmentalität. Eine Ideologie, die im 20. Jahrhundert katastrophal gescheitert ist. Für die Burschenschafter aber offenbar nicht.

Was folgt nun? Der Bundespräsident hat äußerst klare Worte gefunden, Bundeskanzler Kurz nach längerem Überlegen halb klare. FPÖ-Chef Strache, selbst Mitglied der Vandalia, will den Burschenschafter-Hautgout irgendwie wegbringen, um regierungsfähig zu bleiben. Das kann nicht funktionieren. Die FPÖ lebt in einer Symbiose mit den Burschenschaften. Ohne Burschenschafter sind die Freiheitlichen enthauptet.

Bundeskanzler Kurz, der sich auf die Burschenschafterpartei eingelassen hat, muss damit rechnen, dass immer neue braune Sumpfblasen an die Oberfläche kommen und seine Regierungsfähigkeit stören. Wenn sich aber die FPÖ wirklich aus dieser Symbiose zu befreien sucht, dann wird es einen Aufstand des rechten Kerns der Partei geben. So wie 2002 in Knittelfeld gegen Schüssel/Haider. Schüssel rief damals Neuwahlen aus und räumte die FPÖ komplett ab.

Kurz könnte das auch versuchen. Es wäre dann allerdings ein weiteres Mal bewiesen, dass man mit der FPÖ nicht regieren kann. (Hans Rauscher, 2.2.2018)

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