Brandgefährlich: Sonnentage auf der Skipiste

    3. Februar 2018, 11:00
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    Mit der Seehöhe steigt das Risiko für Sonnenbrand, die UV-Strahlung ist auch für Augen schädlich

    Für den Strandurlaub ist es klar, für den Skitag nicht mehr so sehr: In den Winterferien werden beim Sonnenschutz viele nachlässig. Klar, wer friert, denkt nicht daran, dass die Haut gleichzeitig verbrennen könnte. Dabei ist ein Tag im Schnee besonders gefährlich – geht es um die UV-Strahlung auf der Haut, sogar gefährlicher als ein Tag am Strand.

    Dafür gibt es zwei Gründe, erklärt Adrian Tanew, Leiter der Phototherapeutischen und Photodiagnostischen Ambulanz der Wiener Uniklinik für Dermatologie. Einerseits: "Mit zunehmender Höhe steigt die Intensität von UVB, also von kurzwelligem UV-Licht, das den Sonnenbrand hervorruft." Alle 1000 Höhenmeter nimmt die UV-Strahlung um etwa 20 Prozent zu. Zweitens reflektiert der Schnee die Strahlung. "Insgesamt ist in den Bergen dadurch das Risiko für einen Sonnenbrand höher", sagt Tanew.

    Aus der Sonne gehen

    Und wenn die Sonne beim Skifahren gar nicht scheint? "Wolken schwächen die UVB-Strahlung ab, die Gefahr ist geringer", so der Mediziner. Wie stark ein Sonnenbrand letztendlich ausfallen kann, hängt von Hauttyp, persönlicher Lichtempfindlichkeit, Dauer des Aufenthalts und Art der Wolken ab. Um ihn zu verhindern, rät Tanew zu den gleichen Sonnenschutzmitteln, die auch im Sommer verwendet werden: Textilien schützen effektiv und sollten immer, wenn möglich, getragen werden. Für Strandurlauber wie Skifahrer gilt: unnötige Sonnenexposition vermeiden.

    Jene Hautpartien, die beim Skifahren trotz guter Kleidung der Sonne ausgesetzt bleiben, sollten mit einem Breitbandsonnenschutzmittel mit höchstem Lichtschutzfaktor, also 50+, eingecremt werden, rät Tanew. "Moderne Lichtschutzprodukte sind unglaublich wirksam. Wer Mittel mit dem höchsten Lichtschutzfaktor verwendet, kann nichts falsch machen." Der Dermatologe weiß aus medizinischen Studien, dass Anwender beim Eincremen oft schlampig sind. "Gewisse Partien, wie Ohren oder Hals werden oft vergessen."

    Fetthaltige Lippenpflege

    In den Sonnenschutzregalen der Drogerien finden sich dieser Tage auch Cremen, die laut Etikett speziell für den Wintersport geeignet sind. Sie haben eine fettreichere Grundlage und sind daher besser kälteschützend. "Es spricht jedoch nichts dagegen, im Skiurlaub die Creme aus dem Sommer zu verwenden." Spezielle Lippenpflegeprodukte mit hohem Lichtschutzfaktor hält Tanew aber durchaus für sinnvoll, obwohl auch für die Lippen herkömmliche Sonnencreme verwendet werden kann. "Diese Stifte sind fetthaltiger und haften besser", so der Mediziner. Auch wer zu Lippenherpes neigt, sollte sie verwenden. Denn das sich bereits im Körper befindliche Virus wird durch die UVB-Strahlen stimuliert, Fieberblasen sind die Folge.

    Wer auf der Skipiste unterwegs ist, muss neben der Haut auch seine Augen schützen. Denn auch sie können einen Sonnenbrand bekommen, wenn sie für einen zu langen Zeitraum und ohne Schutz der UV-Strahlung ausgesetzt sind, erklärt Wolfgang Philipp, Augenarzt in der Uniklinik für Augenheilkunde und Optometrie in Innsbruck. Er beobachtet besonders im Frühling, wenn die Sonne beim Skifahren am stärksten ist, einen Anstieg der Erkrankungen.

    Löchrige Hornhaut

    "Die betroffenen Patienten haben höllische Schmerzen, weil durch die UV-Strahlung auf der oberen Schicht ihrer Hornhaut, dem sogenannten Epithel, kleine Verletzungen entstanden sind", so Philipp. Der Schmerz ist deshalb so stark, weil in der Hornhaut die meisten Nervenenden liegen, "es fühlt sich so an, als hätte man Sand in den Augen", bestätigt der Mediziner das Fremdkörpergefühl. Weil die Betroffenen ihre Augen vor Schmerz nicht mehr öffnen können, wird die Erkrankung auch als Schneeblindheit bezeichnet. Die Patienten sollten schnellstmöglich zum Arzt. Dort bekommen sie einen Augensalbenverband, die Abheilung dauert bis zu zwei Tage.

    Um einen Augensonnenbrand zu verhindern, empfiehlt Augenarzt Philipp eine Sonnenbrille, die kein UV-Licht durchlässt – erkennbar an der Bezeichnung UV 400 – und einen Großteil des Lichts absorbiert, für die Berge eignet sich ein Blendschutz der Kategorien drei oder vier. Wer auf Gletschern und im Hochgebirge unterwegs ist, der sollte zudem eine Brille tragen, die auch seitlich geschlossen ist. Denn, so Philipp: "Durch die starke Reflexion des Schnees kommt im Winter das Licht von überall her." (Bernadette Redl, 3.2.2018)

    • Ein Sonnenbad im Winter kann tückisch sein: Durch die Kälte wird oft vergessen, dass der Schnee die UV-Strahlung verstärkt.
      foto: istock

      Ein Sonnenbad im Winter kann tückisch sein: Durch die Kälte wird oft vergessen, dass der Schnee die UV-Strahlung verstärkt.

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