Damen aus bester Gesellschaft betrieben Pyramidenspiel

2. Februar 2018, 14:42
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Bedingte Haftstrafen gegen Arztgattin und ehemalige Eventmanagerin

Wien – Zwei Damen aus der besten Wiener Gesellschaft sind am Freitag am Landesgericht für Strafsachen als Betreiberinnen eines Pyramidenspiels zur Verantwortung gezogen worden. Die Ex-Frau eines Döblinger Facharztes und eine ehemalige Eventmanagerin kamen mit Bewährungsstrafen glimpflich davon. Erstere erhielt 20 Monate bedingt, ihre Komplizin zehn Monate bedingt. Die Urteile sind bereits rechtskräftig.

Die Arztgattin hatte 2006 in Deutschland ein Spiel kennengelernt, das vor allem so genannte bessere Kreise ansprach. Wer 10.000 Euro einzahlte, durfte – so zumindest die Versprechungen – binnen kürzester Zeit mit der Auszahlung des achtfachen Betrags rechnen. Erforderlich dafür war allerdings, möglichst zahlreich und vor allem rasch weitere Teilnehmer zu gewinnen, die ans untere Ende der Pyramide eintraten. Nur bei stetem Nachschub konnten sich die vorrückenden Mitspieler Chancen auf eine wundersame Geldvermehrung ausrechnen.

Ableger

Die Wienerin übernahm die Regeln und gründete in Österreich einen "Ableger", wobei ihre im Eventbereich tätige Bekannte, die 2009 einstieg, eine wesentliche Hilfe war. Diese kannte aus ihrem beruflichen Umfeld zahlreiche Prominente, die sich zum Mitmachen überreden ließen und vor allem über die entsprechenden Mittel verfügten. Laut Anklage machten die beiden Damen den Geschädigten – darunter ein Ex-Staatssekretär, eine Milliardärswitwe und eine bekannte Sängerin – vor, das Spiel sei legal und funktioniere "wie eine verkehrte Pyramide", wie Staatsanwalt Juan Pablo Gomez Reyes erklärte. Als das Ganze 2010 ins Stocken geriet, setzten die Angeklagten Täuschungshandlungen, indem sie der Spielgemeinschaft bei Zusammentreffen in Nobel-Lokalen vermeintliche Gewinner und – in Wahrheit manipulierte – Charts präsentierten, die den Betroffenen suggerierten, sie hätten es bald an die Spitze geschafft.

Die Angeklagten bekannten sich schuldig, machten abgesehen davon aber von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Der Anklage zufolge hatten sie insgesamt 42 Personen zum Mitspielen veranlasst, bei 29 wurde der Tatbestand des schweren Betrugs erfüllt. Der Hauptangeklagten war ein Schaden von knapp unter 300.000 Euro nachzuweisen, der mittlerweile pensionierten Eventmanagerin ein Betrag von etwas unter 50.000 Euro.

"Betrug ist nicht Betrug, und Pyramidenspiel ist eine ganz eigene Kategorie", gab Christian Werner, der Verteidiger der Hauptangeklagten zu bedenken. Die Geschädigten – "eine illustre Mischung aus Schauspielern, Politikern und Witwen" – hätte Gier nach satten Gewinnen angetrieben, sagte Werner. Dem pflichtete Peter Philipp, der Rechtsbeistand der Zweitbeschuldigten, bei. Die Opfer im gegenständlichen Fall wären nicht betagte Frauen, die man mit miesem Schwindel wie dem so genannten Neffen-Trick um ihr letztes Erspartes gebracht hätte, meinte Philipp. (APA, 2.2.2018)

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