Julya Rabinowich: "Every Body Electric": Mut und Anmut

2. Februar 2018, 17:00
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Die Performenden gehen aufs Ganze. Sie loten die Möglichkeiten aller Bewegungsformen aus

Doris Uhlich hat ihre Suche nach neuen Bewegungsformen weiter ausgedehnt – und wagemutige Künstlerinnen und Künstler als Mitstreiter gefunden.

Die Produktion "Every Body Electric" widmet sich dem Körper über jede aufoktroyierte Norm hinaus. Es geht um Körper – jenen Körper, der zeigt, was ist. Und gleichzeitig auch zeigt, was weit darüber hinausgeht. Die Darbietung ist so schonungslos wie inspirierend und hoffnungmachend.

Wir sind verschieden und ähnlich. Wir sind gleichzeitig auch viel mehr als das, wozu wir begrenzt werden. Die dunkle Fläche der Bühne wird zur Ravebeat gefluteten Arena, in der Rollstuhlfahrer mit "Ben Hur"-Einlagen auf das Publikum zurasen, elegant abdrehen, mal somnambul, mal konzentriert, mal herausfordernd den Raum queren.

Die Performenden gehen aufs Ganze. Sie loten die Möglichkeiten aller Bewegungsformen aus, von leisestem Beben bis hin zu Raserei. Kriechend, regungslos atmend, im Rollstuhl rotierend, furchtlos, selbstbewusst und verletzlich. In eleganten Kostümen, mit schwarzlackierten Nägeln, mit Evakostüm und Evahaar und verführerischem Evalächeln.

Am verstörendsten sind wohl zwei Augenblicke. Einer, in dem ein Rollstuhl am Haken zur Decke entschwindet und die Insassin zurücklässt. Und der Moment, in dem ein junger Mann still auf dem Boden liegt, zwei elegant rotierende Rollstuhlräder anstelle der Beine. Der reglose Körper mit seiner Fleischlichkeit versus das mechanische Schnurren der silbernen Speichen.

Am beeindruckendsten: die minutiös inszenierte Choreografie und die Präzision, mit der die Künstler und Künstlerinnen diese auf nackter Bühne und mit teils nacktem Körper umsetzen. Diese Choreografie lebt von ihrem Mut und ihrer Anmut. (Julya Rabinowich, 3.2.2018)

Weitere Vorstellungen: 8.-10. 2., Tanzquartier Wien

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