Nazi-Problem in Cottbus: SV Babelsberg setzt auf Eskalation

2. Februar 2018, 13:40
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Deutscher Regionalligist verweigert Strafzahlung und riskiert den Ausschluss. Das Urteil gegen Cottbus nach "rechtsradikalen und antisemitischen Verfehlungen" wurde aufgehoben

Wien – Dem SV Babelsberg 03 droht Ungemach. Der deutsche Regionalligist will eine vom Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) festgelegte Frist zur Zahlung einer Geldstrafe verstreichen lassen und riskiert damit den Ausschluss vom Spielbetrieb der vierten Liga. Klubpräsident Archibald Horlitz droht mit einem "Flächenbrand".

Die Vorgeschichte: Beim Brandenburg-Derby Ende April letzten Jahres in Babelsberg hatten Hooligans für Ausschreitungen gesorgt. Die Partie wurde mehrmals unterbrochen, stand vor dem Komplettabbruch, als vermummte Randalierer aus dem Cottbuser Sektor auf das Spielfeld rannten und ein Feuerwerk veranstalteten. Manche hoben außerdem die Hand zum Hitlergruß. Obendrein skandierten sie: "Arbeit macht frei – Babelsberg 03" sowie "Zecken, Zigeuner und Juden".

Der Konter der Gastgeber ließ nicht auf sich warten: Zumindest ein Babelsberger Fan rief "Nazischweine raus!", außerdem zündelten auch sie in ihrem Sektor. Der NOFV verurteilte daraufhin die Gastgeber wegen des Einsatzes von Pyrotechnik zu einer Geldstrafe von 7.000 Euro. Energie Cottbus musste wegen unsportlichen Verhaltens in mehreren Fällen 6.000 Euro berappen. Ein weiteres Urteil wegen "rechtsradikaler und antisemitischer Verfehlungen" mit einer Strafzahlung von 5.000 Euro wurde nach Berufung von Cottbus jedoch aufgehoben. Für die Babelsberger kommt dieser "irritierende" Beschluss einem Skandal gleich.

Die Babelsberger stoßen sich auch daran, dass in der Urteilsbegründung aufgeführt wurde, dass ein Babelsberger Fan "Nazischweine raus" gerufen habe. In einem offenen Brief prangert deshalb Klubboss Horlitz an, dass der NOFV ignoriert habe, dass das im Kontext der rassistischen und antisemitischen Vorgänge, die diesem Ruf vorausgingen, passierte. "Da sind wir auch Manns genug, das klar darzustellen – das hätte man besser rausgelassen", sagte Stephan Oberholz, Vorsitzender des NOFV-Sportgerichts, zuletzt dem Deutschlandfunk.

Erst nach einer Intervention des DFB, dass der NOFV solche Vorfälle nicht länger ignorieren solle, nahm der regionale Verband Ermittlungen auf, verurteilte den Klub nachträglich, nahm dieses Urteil aber nach Berufung wieder zurück und handelte sich damit Ärger mit dem DFB ein, dessen Kontrollausschuss daraufhin Revision einlegte.

Der NOFV goss nun aber pikanterweise etwas Öl ins Feuer, verurteilte Babelsberg am Tag vor Verstreichen des Ultimatums wegen Zuschauerausschreitungen im August und September zu einer weiteren Geldstrafe von 4.500 Euro. Dagegen will der Klub aber nicht vorgehen.

"Man will uns durch die Androhung des Ausschlusses aus dem Spielbetrieb zwingen zu bezahlen", sagte Horlitz der "Märkischen Allgemeinen Zeitung". "Wenn wir gezwungen werden, dann werden wir noch mehr Öffentlichkeit herstellen. Wir haben eine kreative Fanszene und viele Unterstützer. Das gibt einen Flächenbrand, das kann ich dem NOFV versprechen."

Der NOFV bekräftigte indes, dass bei Verstreichen der Zahlungsfrist harte Sanktionen zu erwarten sind: "Wenn alle Rechtsmittel ausgeschöpft sind, dann kann die erste Herrenmannschaft vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden", kündigte Michael Flottron vom NOFV an. (red, 2.2.2018)

  • Babelsberg-Fans zündelten Ende April 2017 im Karl Liebknecht-Stadion in Babelsberg. Die Strafzahlung wegen des Einsatzes von Pyrotechnik verweigert der Verein.
    foto: imago/björn draws

    Babelsberg-Fans zündelten Ende April 2017 im Karl Liebknecht-Stadion in Babelsberg. Die Strafzahlung wegen des Einsatzes von Pyrotechnik verweigert der Verein.

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