Nur wenige Österreicher kennen ihre Cholesterinwerte

    3. Februar 2018, 06:00
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    Zu hohe Cholesterinwerte sind das Hauptrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle. Experten empfehlen regelmäßige Untersuchungen

    Drei Millionen Österreicher haben erhöhte Cholesterinwerte, doch nur rund 1,5 Millionen Menschen wissen darüber Bescheid. Noch viel weniger Betroffene mit einem Behandlungsbedarf bekommen eine Therapie, sagen Experten.

    "Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weiterhin weltweit die häufigste Todesursache. Das sind rund 18 Millionen Tote pro Jahr, in Österreich vier von zehn Todesfällen oder pro Jahr rund 33.000 Herz-Kreislauf-Tote", sagt Martin Munte, Geschäftsführer des Biotechnologiekonzerns Amgen in Österreich und Präsident der Pharmig.

    Eine neue Initiative mit dem Namen "Blutsverwandt" soll nun Informationsstand und Bewusstseinsbildung in Sachen Blutfettwerte erhöhen. Vor allem Erwachsene sollten ihre Cholesterinwerte bestimmen lassen. Zu hohe Blutfettwerte sind neben dem Rauchen und der Hypertonie der klassische Risikofaktor für "Gefäßverkalkung" und die Herz-Kreislauf-Folgeerkrankungen.

    Diat und Sport senken Cholesterinwerte

    Für Personen ohne diagnostizierte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder chronische Nierenleiden sollten die Werte bei unter 200 Milligramm Gesamtcholesterin pro Deziliter Blut und davon beim "bösen" LDL-Cholesterin bei unter 130 Milligramm pro Deziliter liegen (Triglyzeride als dritter Wert: weniger als 150 Milligramm je Deziliter).

    Ein spezielles Problem haben laut Christoph Binder von der Österreichischen Atherosklerosegesellschaft rund 40.000 Österreicher, die an einer familiären, also genetisch bedingten Hypercholesterinämie leiden. Bei ihnen sind die Blutfettwerte aufgrund von Genmutationen, die vor allem die Cholesterinrezeptoren zum Abtransport und Abbau des LDL-Cholesterins aus dem Blut betreffen, stark bis extrem erhöht. Dass Problem liegt darin, dass die Atherosklerose dann praktisch schon ab der Kindheit auftauchen kann. Das führt zu extrem früh auftretenden Herz-Kreislauf-Zwischenfällen, vor allem Herzinfarkten.

    "Wir kennen in Österreich nur rund zehn Prozent der Menschen mit einer solchen familiären Hypercholesterinämie", sagt Binder. Diät und Sport können die Cholesterinwerte senken, die Konzentration an "gutem" HDL-Cholesterin erhöhen, doch der Effekt ist viel zu gering, um bei Menschen mit stark bis extrem erhöhten Blutfettwerten (vor allem bei LDL) eine adäquate Risikoreduktion herbeizuführen. Frühe Herzinfarkte in der Familie sollten auf jeden Fall zu einer Untersuchung führen.

    Neue Klasse an Medikamenten

    Bei viele Betroffenen helfen dann die klassischen Cholesterinsenker (Statine). Wenn das nicht ausreicht, gibt es mit den sogenannten PCSK9-Inhibitoren seit rund zwei Jahren eine neue Klasse an Medikamenten mit stärkerer Wirkung. In Österreich erfolgt die Erstverschreibung über spezialisierte "Lipidzentren".

    Das gilt vor allem für Personen mit familiärer Hypercholesterinämie und bereits einem Herz-Kreislauf-Ereignis. Wichtig wäre auch die breitere Anwendung in der Vorsorge, bereits vor dem Auftreten der ersten Herz-Kreislauf-Erkrankung, betont Binder. Denn bei Menschen mit von Geburt an stark erhöhten Cholesterinwerten kommt eine Therapie erst im Krankheitsfall im Vergleich zu einer primären Prävention um Jahrzehnte zu spät. (APA, 3.2.2018)

    • Bei gesunden Menschen sollten die Werte bei unter 200 Milligramm Gesamtcholesterin pro Deziliter Blut liegen. Beim "bösen" LDL-Cholesterin unter 130 Milligramm pro Deziliter.
      foto: getty images/istockphoto

      Bei gesunden Menschen sollten die Werte bei unter 200 Milligramm Gesamtcholesterin pro Deziliter Blut liegen. Beim "bösen" LDL-Cholesterin unter 130 Milligramm pro Deziliter.

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