Pogatschnigg, Podgorschek und andere Supergermanen

Kolumne2. Februar 2018, 12:56
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Warum man an Karl Kraus denken muss, wenn über den oberösterreichischen FPÖ-Sicherheitslandesrat Elmar Podgorschek geredet wird

Ein alter Witz aus den USA. Kommen zwei Flüchtlinge in Ellis Island an und verlassen ihr Schiff über die Landungsplanke. Der erste hat die Planke bereits hinter sich gelassen und amerikanischen Boden betreten, der zweite, noch auf der Planke, ruft dem ersten "Hurra, angekommen!" zu. Dreht sich der erste Flüchtling um und blafft den zweiten wütend an: "Shut up! You go back where you came from!" – "Halt's Maul! Du gehst dorthin zurück, wo du hergekommen bist!"

Der Witz thematisiert das bekannte Phänomen, dass der historisch ältere Zuzügling dem jüngeren oft viel feindseliger gesinnt ist als etwa – nur ein Beispiel – der seit Jahrhunderten fest im heimischen Boden verwurzelte Bioösterreicher. Anders als dem Bioösterreicher liegt dem Neoösterreicher häufig dran, sich superösterreichisch – oder, wenn er sich just eine Burschenschaft oder die FPÖ zum Andocken erkoren hat, supergermanisch – zu gebärden.

Herr Landbauer, der zurückgetretene germanophile niederösterreichische Edelarier mit einem augenfälligen Identifikationsproblem ist keineswegs der Erste seiner Art. Karl Kraus lässt uns in den Letzten Tagen der Menschheit an einer Sitzung der Cherusker zu Krems teilnehmen, wo ein Kommilitone mit dem urgermanischen Namen Pogatschnigg, "genannt Teut", gar nicht mehr damit aufhören kann, den kulinarischen Reichtum der teutschen Gaue zu rühmen und nebenbei antisemitische Kalauer über die "Kohnnationalen" zum Besten zu geben (Rufe: Bravo! Hedl! Hoch Teut! Hoch Pogatschnigg!).

Es fällt schwer, nicht an Pogatschnigg zu denken, wenn man liest, dass der oberösterreichische FPÖ-Sicherheitslandesrat Elmar Podgorschek momentan im Gerede ist, weil er großzügig in einer rechtsradikalen Postille inseriert und verhaltensauffälligen Gesinnungsfreunden schöne Grüße in den "sozialen Netzwerken" ausgerichtet hat.

Bricht sich mit dieser Hilfeleistung für die Herolde eines unverfälschten Deutschtums ein untergründiger altslawischer Minderwertigkeitskomplex Bahn? Schaut Podgorschek neidvoll zu jenen Spitzengermanen auf, die des Deutschen schon in sechster Generation mächtig sind? Wenn ja, sollte Podgorschek wie sein Parteifreund Hojac schnell ein Zeichen setzen und eine Namensänderung in Betracht ziehen. Landesrat Teut würde sich nicht übel anhören. (Christoph Winder, 3.2.2018)

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