Wissenschaftliche Argumente zur Debatte ums Rauchverbot: Rauchverzicht hilft

    2. Februar 2018, 10:24
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    Derzeit sterben weltweit sechs Millionen Menschen jedes Jahr durch Nikotin. Die Ärztekammer leitet am Freitag ihr Volksbegehren ein

    Wien – Das ab Mai 2018 vorgesehene Rauchverbot in der Gastronomie soll von der türkis-blauen Bundesregierung zurückgenommen werden. Stattdessen haben sich ÖVP und FPÖ auf eine Regelung nach "Berliner Modell" geeinigt, bei der Gäste vorerst weiter in abgetrennten Räumen rauchen können. Am Freitag leitet die Ärztekammer ein Volksbegehren ein, um das generelle Rauchverbot in Gaststätten doch umzusetzen.

    Geht es nach den klaren Beweisen der Wissenschaft, kann am Zurückdrängen des Tabakkonsums insgesamt und des Rauchens im Speziellen kein Weg vorbeiführen. Hier einige Fakten aus der wissenschaftlichen Literatur.

    Sechs Millionen Tote pro Jahr durch Tabakkonsum

    "Aktuell sterben jedes Jahr weltweit rund sechs Millionen Menschen durch den Tabakkonsum. Ohne dass härtere Maßnahmen getroffen werden, wird diese Zahl bis 2030 auf acht Millionen Opfer ansteigen", schrieb das Fachmagazin "Lancet" im Jänner 2017 mit Berufung auf einen 700-Seiten-Bericht ("Die Ökonomie von Tabak und Tabakkontrolle") des US-Krebsinstituts und der Weltgesundheitsorganisation. Einer Billion US-Dollar an Schäden (850 Milliarden Euro) – durch Produktivitätsverluste und Gesundheitskosten – pro Jahr stünden nur 269 Milliarden Dollar (2.294 Milliarden Euro) Tabaksteuereinnahmen gegenüber. Für das 21. Jahrhundert wird weltweit mit rund einer Milliarde Todesopfern durch das Rauchen gerechnet.

    Bei 1,8 Millionen Menschen wird derzeit pro Jahr ein Lungenkarzinom festgestellt. 1,6 Millionen Patienten sterben pro Jahr. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt nur 15 Prozent.

    Lungenkrebs häufigste Krebstodesursache

    Lungenkrebs ist in der EU die häufigste Todesursache sämtlicher Krebsarten. In Ungarn gehen 27 Prozent aller tödlichen Krebserkrankungen auf Lungenkrebs zurück – das ist der höchste Wert in der EU. Portugal weist mit 15 Prozent den niedrigsten Anteil auf. Österreich liegt laut Eurostat-Daten vom Dienstag mit 19 Prozent unter dem EU-Durchschnitt von 21 Prozent. Die Daten stammen aus dem Jahr 2014.

    Eurostat verweist darauf, dass Tabakkonsum eine der am stärksten vermeidbaren Gesundheitsgefahren darstellt. Zahlreiche Krebsarten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Atemwegserkrankungen gehen damit einher. Von 4,9 Millionen Todesfällen in der EU im Jahr 2014 wurden 1,3 Millionen durch Krebs verursacht. 272.000 davon wurden durch Lungenkrebs einschließlich Luftröhrenkrebs ausgelöst.

    Experte: Rauchstopp zahlt sich immer aus

    Der Epidemiologe Sir Richard Peto hat errechnet, dass sich ein Rauchstopp immer auszahlt. Auf der Basis der Million Women Study berechnete er, dass Raucher eine dreimal höhere Sterblichkeit haben als Nichtraucher. Hören sie erst mit 50 Jahren mit dem Rauchen auf, halbieren sie immerhin noch ihr Gesamtsterberisiko auf den Faktor 1,56. Das 25-fache Lungenkrebsrisiko fällt bei einem Rauchstopp mit 50 immerhin noch auf das Sechsfache. (red, APA, 2.2.2018)

    Anteil der Lungenkrebsfälle an allen Krebssterbefällen
    (Eurostat 2014, in Prozent)

    Ungarn 27 Prozent
    Polen 24
    Niederlande 24
    Griechenland 24
    Dänemark 24
    Belgien 24
    Luxemburg 23
    Großbritannien 22
    EU-Durchschnitt 21
    Irland 21
    Slowenien 20
    Rumänien 20
    Italien 20
    Kroatien 20
    Frankreich 20
    Spanien 20
    Deutschland 20
    Österreich 19
    Malta 19
    Zypern 19
    Estland 19
    Tschechien 19
    Bulgarien 19
    Finnland 18
    Litauen 17
    Schweden 16
    Slowakei 16
    Lettland 16
    Portugal 15

    • Geht es nach den klaren Beweisen der Wissenschaft, kann am Zurückdrängen des Tabakkonsums insgesamt und des Rauchens im Speziellen kein Weg vorbeiführen.
      foto: apa / helmut fohringer

      Geht es nach den klaren Beweisen der Wissenschaft, kann am Zurückdrängen des Tabakkonsums insgesamt und des Rauchens im Speziellen kein Weg vorbeiführen.

    • Rauchverbots-Regelungen in der Gastronomie in Europa.
      grafik: apa

      Rauchverbots-Regelungen in der Gastronomie in Europa.

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