Fracking: Die Rückkehr von Big Oil in den USA

2. Februar 2018, 06:00
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Die Erdölförderung boomt in den USA wieder. Vor allem Fracking wird für die Ölriesen nach dem Preisanstieg wieder interessant

Washington – Die Information, die das US-Energieministerium am Mittwoch bekanntgab, überraschte die Experten: Die US-Ölproduktion ist im November auf über zehn Millionen Fass pro Tag gestiegen – so viel wie zuletzt vor 47 Jahren während des Ölbooms in Texas. Auch in der vergangenen Woche verzeichnete man Rekordmengen. Die USA könnten den führenden Erdölproduzenten der Welt, Saudi-Arabien und Russland, den Rang ablaufen, prognostiziert das Energieministerium.

Grund für den Anstieg der Produktion sind unter anderem die wieder gestiegenen Ölpreise – erst kürzlich kletterte der Preis für ein Fass Öl der Sorte Brent zum ersten Mal seit drei Jahren wieder auf mehr als 70 Dollar. Diese Entwicklung befeuert in den USA ausgerechnet jene Technologie, welche vor allem in Europa in den letzten Jahren zu kontroversen Debatten geführt hat: Hydraulic Fracturing oder Fracking. Dabei wird eine Flüssigkeit durch eine Bohrung unter hohem Druck in Risse im Gestein gepresst, um sogenanntes unkonventionelles Erdöl zu gewinnen.

Letzter Boom vor neun Jahren

Nachdem die Erdölproduktion in den USA seit Mitte der 1980er-Jahre kontinuierlich sank, setzte 2009 mit dem Fracking ein neuer Produktionsboom ein. Die Schieferölindustrie schuf neue Jobs in den USA, machte das Land unabhängiger von Importen und versprach Kunden niedrigere Preise. Umweltschutzorganisationen kritisierten hingegen eine mögliche Verunreinigung des Wassers durch die eingesetzten Chemikalien sowie Risiken bei der Entsorgung der Fracking-Flüssigkeit.

Gleichzeitig stieg in dieser Zeit der weltweite Bedarf an Erdöl, was zu einer Erhöhung der Treibhausgase führte. Als Folge des erhöhten Ölangebots und einer gleichbleibend hohen Produktion der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) fielen Investitionen in Öl- und Gasproduktion zwischen 2014 und 2016 weltweit um 44 Prozent, wie es in einem Bericht der Internationalen Energieagentur heißt. Dutzende Fracking-Firmen in den USA mussten daraufhin zusperren.

Jetzt scheinen sie sich ihr Territorium zurückzuerobern, unterstützt vom amerikanischen Finanzsektor, der vor allem die kleinen und mittelgroßen Betriebe mit Geldspritzen am Leben erhält. Zudem konnte die Industrie in den letzten Jahren die Produktivität erhöhen, sie führt längere Bohrungen durch und kommt mit weniger Mitarbeitern aus. Im Vergleich zu konventioneller Ölförderung lassen sich Fracking-Anlagen schneller aufbauen und können somit auf Veränderungen des Ölpreises schneller reagieren, was wiederum zu höheren Preisschwankungen führen kann.

Rosige Zukunft für Big Oil

Wie sehr die Industrie auf das Wachstum der Schieferölförderung baut, zeigen auch jüngste Ankündigungen von Exxon Mobil, dem größten Erdölkonzern in den USA: Der Ölriese plant, seine Förderungen im Perm-Becken im Südwesten des Landes bis 2025 zu verdreifachen und die Investitionen in Produktion und Infrastruktur von 20 auf 50 Milliarden Dollar zu erhöhen. Und auch Chevron, der zweitgrößte US-amerikanische Ölriese, will dieses Jahr 2,5 Milliarden in die Förderung von Schieferöl und -gas investieren und die Investitionen nächstes Jahr noch um 70 Prozent steigern.

Experten sehen als Ursache der neuen Investitionen auch die jüngsten Steuersenkungen von Präsident Donald Trump. Dieser will nun auch die Förderungen von erneuerbaren Energien um 72 Prozent kürzen, wie die Washington Post unter Berufung auf einen Entwurf der Regierung schreibt. Denn zu Trumps Zielen gehört es, fossile Energieträger zu stärken. Sein Energieminister, Rick Perry, gilt als Klimaskeptiker. (Jakob Pallinger, 2.2.2018)

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    Für Schieferölförderer in den USA geht auch durch die Energiepolitik von Präsident Donald Trump wieder die Sonne auf.

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