Warum Hähne vom eigenen Gekrähe nicht taub werden

2. Februar 2018, 07:30
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Belgische Wissenschafter entdeckten gleich mehrere Mechanismen, die die Hühner vor Gehörschäden bewahren

Antwerpen – Der morgendliche Hahnenschrei kann mitunter enorme Lautstärken erreichen. Jeder, der auf einem Bauernhof mit Hühnern lebt oder dort schon übernachtet hat, kann davon vermutlich ein Lied singen. Warum dieser Lärm den krähenden Vögeln selbst auf Dauer keinen Hörschaden beschert, haben nun belgische Forscher herausgefunden.

Um festzustellen, womit sie es wirklich zu tun haben, hat das Team um Raf Claes von der Universität Antwerpen und der Universität Gent zunächst einmal eruiert, wie laut ein Hahn tatsächlich krähen kann. Dafür platzierten die Wissenschafter kleine Mikrophone in unmittelbarer Nähe der Ohren mehrerer Versuchstiere. Das Ergebnis war durchaus beeindruckend – und letztlich wesentlich lauter als gedacht: Im Durchschnitt erreichten die Hähne eine Lautstärke von über 100 Dezibel, was in etwa dem Lärm einer laufenden Motorsäge entspricht.

Rätselhafte Lärmimmunität

Personen, die regelmäßig mit solchen Geräten ohne Gehörschutz arbeiten, erleiden relativ bald Gehörprobleme, weil die Haarzellen im Innenohr durch den permanenten Geräuschpegel geschädigt werden. Hühner beiderlei Geschlechts besitzen ganz ähnliche akustische Sinneszellen – warum die Hähne von ihrem eigenen Gekrähe nicht beeinträchtigt werden, war daher bisher ein Rätsel.

Um dieses zu lösen, unterzogen die belgischen Wissenschafter ihre Testvögel einer tomografischen Untersuchung. Dabei entdeckten sie gleich zwei unterschiedliche Schutzmechanismen: Zum einen ist das Trommelfell der Hähne zur Hälfte von einem weichen Gewebe bedeckt, das besonders lauten Schall weitgehend dämpft.

Natürlicher Ohrstöpsel

Zum anderen spielt offenbar auch die Kopfhaltung des Hahns eine entscheidende Rolle. Bevor der Vogel zu krähen beginnt, hebt er seinen Kopf etwas, was dazu führt, dass beim Öffnen des Schnabels eine Art natürlicher Stöpsel den Gehörgang vorübergehend verschließt. Für den Hahn ist es in diesem Moment etwa so, als würde ihm während des Krähens jemand die Finger ins Ohr stecken.

Und noch einen entscheidenden Vorteil haben die Hühner gegenüber uns Menschen, wie die Forscher im Fachjournal "Zoology" berichten: Sie können beschädigte Haarzellen ihres Hörapparates nachwachsen lassen. (tberg, 2.2.2018)

  • Ein krähender Hahn sorgt für ordentlich Krach. Warum er dadurch selbst keinen Gehörschaden erleidet, haben nun belgische Forscher enthüllt.
    foto: reuters/juan carlos ulate

    Ein krähender Hahn sorgt für ordentlich Krach. Warum er dadurch selbst keinen Gehörschaden erleidet, haben nun belgische Forscher enthüllt.

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