Satellit soll atmosphärische Vorwarnzeichen für Erdbeben erspähen

    2. Februar 2018, 12:10
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    China schickt Seismo-Electromagnetic Satellite ins All, Grazer Wissenschafter haben Magnetometer beigesteuert

    Graz/Wien – Mit einem neuen Satelliten will China natürliche elektromagnetische Phänomene in der Atmosphäre untersuchen, die im Zusammenhang mit Erdbeben auftreten. Forscher vom Institut für Weltraumforschung (IWF) Graz und der TU Graz haben der Mission ein neuartiges Magnetometer beigesteuert.

    An Bord einer chinesischen Rakete vom Typ "Langer Marsch 2D" ist am Freitag um 8.50 Uhr der China Seismo-Electromagnetic Satellite (CSES) vom Jiuquan Satellite Launch Center in der Wüste Gobi abgehoben. Der Start sei gut verlaufen und die Nutzlast wurde plangemäß in die vorgesehene Umlaufbahn in der Höhe von rund 500 Kilometern gebracht, heißt es seitens des an der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) angesiedelten IWF und des für die Weltraumagenden zuständigen Infrastrukturministeriums.

    Am Sonntag soll der über fünf Meter lange Ausleger ("Boom") mit dem Magnetfeldsensor ausgeklappt werden, der magnetische und elektrische Felder exakt bestimmen sowie Plasma und hochenergetische Teilchen analysieren kann, die einen Zusammenhang mit der Erdbebenaktivität auf der Erde haben. Danach werden die Grazer Forscher das von ihnen entwickelte Quanteninterferenz-Magnetometer (CDSM) zur Messung von magnetischen Gleich- und Wechselfeldern in Betrieb nehmen. Für zwei weitere Sensoren des Geräts zeichnen Experten des National Space Science Center (NSSC) der Chinesischen Akademie der Wissenschaften verantwortlich.

    Hintergrund

    Nach wie vor lassen sich Erdbeben nicht vorhersagen. In den vergangenen Jahren gab es aber vermehrt Hinweise darauf, dass vor großen Beben elektromagnetische Veränderungen in der Ionosphäre auftreten. Bei der Ionosphäre handelt es sich um jenen Teil der Atmosphäre, der etwa 80 Kilometer über der Erdoberfläche beginnt und sich über mehrere hundert Kilometer bis in den interplanetaren Raum erstreckt. Möglicherweise könnte man aus solchen Veränderungen Hinweise auf ein bevorstehendes Beben in einer bestimmten Region bekommen.

    Die Instrumente an Bord des chinesischen Satelliten sollen magnetische und elektrische Felder exakt bestimmen sowie Plasma und hochenergetische Teilchen analysieren. Dazu wird der CSES in eine sonnensynchrone, polare Erdumlaufbahn in rund 500 Kilometer Höhe gebracht.

    Heimischer Beitrag

    Das Gerät zur Messung von magnetischen Gleich- und Wechselfeldern wurde in Kooperation zwischen dem National Space Science Center (NSSC) der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, dem Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und dem Institut für Experimentalphysik der Technischen Universität (TU) Graz gebaut. Für zwei Sensoren des Geräts zeichnen die Chinesen verantwortlich, die österreichischen Forscher lieferten das neuartige Quanteninterferenz-Magnetometer (CDSM).

    "Mit dieser neuen Technologie können wir die Genauigkeit der Magnetfeldmessung um das Zehnfache verbessern", erläutert Werner Magnes, Leiter der Magnetometer-Gruppe und Stellvertretender Direktor am IWF. Bei seinem Jungfernflug auf dem chinesischen Satelliten soll das Gerät seine Weltraumtauglichkeit unter Beweis stellen.

    Jupiter-Mission

    2022 soll ein CDSM dann an Bord der Raumsonde Juice der Europäischen Weltraumagentur ESA zum Jupiter starten und ab 2030 rund drei Jahre lang detaillierte Magnetfeldmessungen beim größten Planeten des Sonnensystems und dessen Monden durchführen. Die Wissenschafter hoffen, dadurch regelrecht in die Eismonde des Gasriesen hineinzuschauen und deren tiefliegende Ozeane zu erforschen, in denen lebensfreundliche Bedingungen herrschen könnten. (APA, red, 1. 2. 2018)

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