Bundestheaterholding: Gute Zahlen und Vorsätze

    1. Februar 2018, 14:04
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    Das Geschäftsjahr 2016/17 liefert Gewinne, den Weg in die Zukunft pflastern gute Absichten

    Wien – Ein Bühnenbetrieb besteht aus Sichtbarem und Nichtsichtbarem. Die starken Marken Burgtheater, Staatsoper und Volksoper gehören für Christian Kircher, Geschäftsführer der Bundestheaterholding, zu ersterem Bereich. Mit den neuen Leitern Martin Kušej (im Burgtheater ab 2019/20) und Bogdan Roščić (in der Staatsoper ab 2020/21) spreche er regelmäßig (zumindest einmal im Quartal), das Programm der je ersten Spielzeit stünde schon.

    Soweit so gut steht es auch um die fürs Publikum sonst eher nichtsichtbaren Teile des Konzerns, etwa die Besucherzahlen (1,29 Mio.) und Karteneinnahmen (53,78 Mio.). Bei 27.365 Besuchern weniger erlöste man 216.000 Euro mehr im Vergleich zum Geschäftsjahr davor. Im Detail verteilen sich die Karteneinnahmen für insgesamt 1.523 Vorstellungen wie folgt: Burgtheater: 9,4 Millionen, Staatsoper 35,3 Millionen, Volksoper 8,9 Millionen.

    "Auf höchstem Niveau"

    Sitzplatzauslastung und Eigendeckung der drei Häuser sind laut nun präsentiertem Bericht zum Geschäftsjahr 2016/17 "auf höchstem Niveau" und verteilen sich wie folgt: Burgtheater 76,5 bzw. 25,5 Prozent, Staatsoper 98,1 bzw. 47,5 Prozent und Volksoper 78,1 bzw. 20 Prozent. Inklusive Art for Art summiert sich der Jahresgewinn der Holding auf fast 23 Millionen Euro, der Bilanzgewinn auf fast 37 Millionen Euro.

    Dafür verantwortlich ist auch der Verkauf des Stöckelgebäudes (ehemals Staatsopernmuseum), laut Kircher sind keine weiteren Veräußerungen vorgesehen: Das Immobilienkonzept, um aus der Finanzkrise von 2013/14 herauszukommen, sei abgeschlossen. Es gehe nun darum, bestehende Immobilien effizienter zu nutzen. So sei bei einem Kostümfundus im 15. Bezirk eine Dachsanierung nötig, die man eventuell gleichzeitig zu einem Ausbau zwecks Vermietung nutzen könnte. Seit der Ausgliederung sei der Immobilienbesitz der Holding gemehrt, nicht geschmälert worden .

    Auch Personalreduktion führt zur guten Bilanz: 300 Stellen sparte man "sozialverträglich" durch normale Abgänge ohne Nachbesetzung ein, so Kirchers Stellvertreter Othmar StosP.

    Hintergrundoptimierungen

    Desweiteren im Hintergrund: Die finanziellen Mehrjahresplanungen bis Ende der Spielzeit 2019/21 sind abgeschlossen. Damit zusammen hängen Ziel- und Leistungsvereinbarungen zwischen Bund, Holding und Tochtergesellschaften. Etwa werden zwecks Transparenz, Effizienz und eine Harmonisierung ("gleiche Geschäftsfälle sollen gleich behandelt werden") der Vorgänge in den drei Häusern Finanzbuchhaltung und Personalverrechnung zusammengeführt. Seit 1.12.2017 arbeiten 21 Personen in diesem Shared Service Center (SSC). Dieses sei "der wohl größte Einschnitt" in der Organisation in den letzten Jahren, so Kircher.

    Auch der schon seit 2016 auf 20 Seiten festgeschriebene Compliance Kodex ist in Umsetzung. Noch evaluiert wird die IT-Landschaft hinter den Bühnen, denn "die Digitalisierung überrollt uns".

    Dynamische Ticketpreise geprüft

    Fürs Publikum spürbar könnte sich eine Evaluierung von "dynamischen Ticketpreisen", die sich je nach Marktlage ändern, auswirken – wie im Flugzeug, wo man nicht wisse, wie viel der Nebensitzer für seinen Platz gezahlt hat. Aber das könnte, so Kircher, im Konfilkt mit dem gesetzlichen Auftrag zur Zugänglichkeit stehen.

    Mit Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) hat Kircher schon Anfang Jänner "ausführlich" gesprochen, man stimme "in vielen punkten überein", etwa in der Verpflichtung gegenüber dem Steuerzahler. Man werde weiter "jeden Euro dreimal umdrehen". Die Basisabgeltung ab 2020/21 war noch nicht Thema mit Blümel. Bis dahin komme man mit dem aktuellen Bilanzpolster finanziell aus. Aber jährlich um vier bis fünf Millionen Euro steigenden Personalkosten könne man nicht mit steigenden Ticketeinnahmen nachkommen. man müsste die Ticketpreise dazu um zehn Prozent erhöhen, so Stoss. Vergleicht man die Basisabgeltung heute (162,9 Millionen Euro im Jahr) mit jener zum Zeitpunkt der Ausgliederung der Bundestheater, bekomme man inflationsbedingt real um 19 Millionen Euro weniger als damals.

    Der Rechnungshof-Bericht zur Staatsoper – sie wurde zum ersten Mal seit 1973 wieder geprüft – werde bald inklusive deren Kommentaren vorliegen. (wurm, 1.2.2018)

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