Warum Handballprofi Reinhard nach 30 Jahren zum Gitarrenbauer wurde

2. Februar 2018, 13:29
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Der 61-jährige Wiener Reinhard Blumberger bedient auch Musikprofessoren

Wien – Die Szenerie erinnert ein bisschen an die charmante Werkstatt von Pumuckls Ziehvater Meister Eder. Schauplatz ist allerdings kein Münchner Hinterhof, sondern "Reinhard's Gitarren", die Gitarrenwerkstatt von Reinhard Blumberger in Wien-Floridsdorf. Auf 40 Quadratmetern türmen sich verschiedenste Hölzer, an der Wand hängen Schablonen für unterschiedliche Gitarrenmodelle – SG, Telecaster oder Les Paul, alles ist dabei. Und mittendrin steht an einer Werkbank der 61-jährige Gitarrenbauer und tüftelt akribisch an Instrumenten.

"Die Gitarre scheppert", so oder ähnlich klingen oftmals die Kundenanliegen. "Seit einem halben Jahr arbeite ich an einer akustischen und bringe das Scheppern nicht weg. Es ist zum Narrisch-Werden", sagt Blumberger in einem charismatischem Wiener Dialekt. Seinen Kunden tritt er üblicherweise ungezwungen gegenüber: "Kannst Reini zu mir sagen", lauten oftmals die ersten Worte.

foto: urban
While my guitar gently "scheppert" – Probleme, die wohl auch die Beatles kannten.

Sind dann die Wehwehchen beim Instrument behoben, erklärt er den Musikern detailliert was er wie und warum gemacht hat. Diese danken es ihm mit Treue. Anfang 2007 hat er Reinhards Gitarren eröffnet und in den elf Jahren einen Kundenstamm von rund 1000 Personen aufgebaut. "Das wichtigste Marketinginstrument ist Mundpropaganda, Weiterempfehlungen in der Musikerszene bringen am meisten", erklärt Blumberger. Aber auch das gute Google-Ranking seiner Website helfe.

Wer sein Geschäft aufsuche, lasse sich nicht verallgemeinern. Vom Gitarrenschüler bis zum Profimusiker sei alles dabei. Selbst Professoren von der Musikuniversität und dem Konservatorium nähmen die Reise nach Transdanubien auf sich.

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Auf der linken Seite die Rohform, auf der rechten das Ergebnis.

30-jährige Handballkarriere

Dass der leidenschaftliche Rolling-Stones-, The-Who- und Black-Sabbath-Fan beginnt, Gitarren zu bauen, war jedoch lange nicht absehbar. Nach der Pubertät kristallisierte sich handballerisches Talent bei Blumberger heraus. Zugunsten des Sports brach er auch sein Forstwirtschaft-Studium ab. Über 30 Jahre dauerte seine Handball-Karriere als Trainer und Spieler bei verschiedenen Vereinen in Österreich. Nach dem Ende seiner Sportkarriere orientierte sich Blumberger neu. Lang musste er nicht überlegen, bis er zu seiner großen Liebe aus Jugendzeiten zurückkehrte, der Gitarre.

"Reparaturen, Restaurationen, Umbauten oder ein klassisches Service sind mein Hauptgeschäft", sagt Blumberger. Mehr als 500 Aufträge in diese Richtung hatte er 2017. Neben Gitarren habe er regelmäßig Saiteninstrumente aller Art "unter dem Messer". Bässe, Banjos, Mandolinen seien dabei. Einzig mit Geigen arbeite er eher ungern.

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In dieser SG – seinem "Herzstück" – stecken 70 Arbeitsstunden und sie kostet 4.700 Euro.

Beim Bau von Gitarren hat er sich auf E-Gitarren spezialisiert. Vier bis fünf seien es jährlich. An die 40 Arbeitsstunden stecken in einer solchen "Klampfn". Akustische Gitarren könne er zwar bauen, es rentiere sich aber in der Regel nicht. Mit Material und Arbeitszeit sei man schnell bei einem Preis von 10.000 Euro, das kaufe in Österreich niemand. (Andreas Danzer, 2.2.2018)

  • Immer wieder bekommt Blumberger von Kunden Instrumente geschenkt – unter anderem diese Schrammelgitarre.
    foto: urban

    Immer wieder bekommt Blumberger von Kunden Instrumente geschenkt – unter anderem diese Schrammelgitarre.

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