Italiens Fünf-Sterne-Bewegung will salonfähig werden

    1. Februar 2018, 09:06
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    Spitzenkandidat Di Maio ist auf Wahltour in der Londoner City. Die Grillo-Partei will sich als zuverlässige Kraft profilieren

    Rom – Die populistische Fünf-Sterne-Bewegung, die bei der italienischen Parlamentswahl am 4. März laut Umfragen zur stärksten Einzelpartei aufrücken könnte, will salonfähig werden und stellt sich finanzstarken Investoren in London vor.

    In Brüssel gilt sie als Schreckgespenst, als Bedrohung für den Euro. Mit einer Wahltour im Ausland will sich die Bewegung um den Starkomiker Beppe Grillo jetzt als regierungsfähige und zuverlässige politische Kraft profilieren und in Europa Ängste aus dem Weg räumen, mit einer Fünf Sterne-Regierung könnte Italien einen antieuropäischen Kurs einschlagen. Der junge Spitzenkandidat Luigi Di Maio traf am Mittwoch Investoren der Londoner City, denen er das Wirtschaftsprogramm seiner Bewegung vorstellte. "Wir haben den Investoren unsere superkompetenten Kandidaten präsentiert, zu denen Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Forschung und der Unternehmerwelt zählen", betonte der 31-Jährige. Weitere Treffen mit prominenten Persönlichkeiten in Europa sind demnächst geplant.

    "Vom Willen getrieben"

    Besonders stolz erklärte sich Di Maio über die Kandidatur des angesehenen Wirtschaftsexperten Lorenzo Fioramonti. "Unser Wirtschaftsprogramm bezeugt, dass wir keine Populisten sind. Wir sind vom Willen getrieben, Italien zu ändern", sagte Di Maio. Er bestritt, dass sich seine Bewegung um einen Ausstieg Italiens aus dem Euro-Raum bemühe. "Wir haben nie behauptet, dass wir aus dem Euro-Raum aussteigen wollen. Wir haben lediglich gesagt, dass ein Referendum über Italiens Verbleib im Euro-Raum die letzte Lösung wäre, sollte die EU nicht reformierbar sein. Wir sagen dasselbe, was Angela Merkel und Emmanuel Macron auch behaupten: Europa muss sich ändern", argumentierte der 31-Jährige.

    Di Maio ist mit den Kandidatenlisten zufrieden, die er für die Parlamentswahlen zusammengestellt hat. Diese bestehen aus einer Mischung einiger bekannter Gesichter, wie dem TV-Moderator Emilio Carelli oder dem Journalisten Gianluigi Paragone, und unbekannten Polit-Debütanten. Im Rennen sind unter anderem der Präsident des Konsumentenschutzverbands Adusbef, Elio Lannutti, sowie Angiolino Cirulli, ein 53-jähriger Friseur, der wegen der Krise der Regionalbank Banca Etruria in Italien all seine Ersparnisse verloren hat. Cirulli geht gegen den populären Premier Paolo Gentiloni um den Wahlkreis Rom 1 ins Rennen.

    "Wir können unsere bisherige Zahl von Parlamentariern verdreifachen", versichert Luigi Di Maio. Die meisten Grillo-Mandatare der auslaufenden Legislatur stellen sich der Wiederwahl. Der adrette Di Maio kandidiert in seinem Heimatort Pomigliano d'Arco bei Neapel. Insgesamt 10.000 Fünf-Sterne-Aktivisten hatten sich auf der Internetseite der Partei um einen Platz auf den Wahllisten beworben.

    Laut jüngsten Umfragen könnten es die Fünf-Sterne-Bewegung auf 27 Prozent schaffen. Allerdings wäre sie, um zu regieren, auf die Zusammenarbeit mit anderen Parteien angewiesen – was sie seit einer Änderung der Statuten Ende Dezember erstmals erlaubt.

    Politische Richtungslosigkeit, organisatorische Unerfahrenheit und Mangel an einer klaren Strategie werden der Fünf-Sterne-Bewegung immer wieder vorgeworfen. Mit den Bürgermeisterinnen Virginia Raggi und Chiara Appendino, die seit Juni 2016 Rom und Turin regieren, hat die Bewegung zwar einige administrative Erfahrung gesammelt, die Bilanz ist aber nicht glänzend. Di Maio lehnt jedoch entschieden Kritik ab. Sein Versprechen, mit Korruption aufzuräumen und ein neues auf Solidarität, grüne Energien und Basisdemokratie basierendes System aufzubauen, kommt bei den vom Establishment enttäuschten Italienern weiter gut an. In Umfragen liegt die Bewegung klar vor allen andern Parteien. Vor allem bei jüngeren Wählern und im Süden des Landes genießt die Protestbewegung viel Unterstützung. (APA, 1.2.2018)

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