James Francos "The Disaster Artist": Zeugnis eines Selbstdarstellers

    Video31. Jänner 2018, 19:37
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    James Francos Tragikomödie widmet sich der Produktionsgeschichte eines der "schlechtesten Filme aller Zeiten". Sie ist eine so überspannte wie berechnende One-Man-Show

    Wien – Wie ernst es James Franco mit diesem Film ist, bekommt man vor allem nach dem Abspann zu sehen. Da präsentiert der Regisseur und Hauptdarsteller von The Disaster Artist mittels Splitscreen eigene Szenen parallel mit solchen aus The Room, jenem sogenannten Kultklassiker von Tommy Wiseau, dem Franco zuvor die Ehre erwiesen hat. Auf den Zentimeter genau nehmen Kamera und Darsteller dieselben Positionen ein, Kostüme und Ausstattung gleichen einander sowieso exakt. Alles ist genauso schlecht wie in Wiseaus "schlechtestem Film aller Zeiten", aber perfekt reinszeniert, und das will Franco mächtig stolz beweisen.

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    "The Disaster Artist" – Trailer

    Tommy Wiseaus The Room von 2003 machte als Ergebnis eines Filmliebhabers Karriere, der zwar über ausreichend Geld, aber umso weniger ästhetische Fertigkeiten besaß; der es sich allerdings nicht nehmen ließ, in Personalunion als Autor, Produzent, Regisseur und Darsteller seine persönliche Vision vom perfekten Film zu verwirklichen. Das Ergebnis waren eine hanebüchene Story, eine desaströse Kameraführung, ein völlig widersinniger Schnitt und miserables Schauspiel, das bald ein freudiges Fanpublikum generierte. Und weil das Kino eben auch immer wieder gerne kreative Fehlleistungen zelebriert – nach Tim Burtons Ed Wood zuletzt etwa Meryl Streep als "schlechteste Sopranistin" in Florence Foster Jenkins -, war es auch nur eine Frage der Zeit, bis sich der an seinem Ruf als Exzentriker arbeitende James Franco Wiseaus gescheiterter Laufbahn annahm.

    Ab durch die Mitte

    Tatsächlich lässt The Disaster Artist jedoch ausgerechnet das vermissen, was The Room bestimmte. Franco ersetzt nämlich den Glauben durch Überzeugung. Soll heißen: So naiv Wiseau an die Arbeit herangegangen ist, so berechnend geht Franco in seiner Hommage ans Werk.

    Basierend auf dem Buch The Disaster Artist: My Life Inside The Room von Tom Bissell und Greg Sestero, der als Schauspieler bei Wiseau mit von der Partie war und dessen Part bei Franco nun dessen jüngerer Bruder Dave übernommen hat, skizziert The Disaster Artist chronologisch die holprige Entwicklungs- und fatale Produktionsgeschichte von The Room. Konsequent rückt Franco dabei die Figur Wiseaus in den Mittelpunkt, wohl wissend, dass damit alle Vorkenntnisse über das Vorbild und dessen einzige Arbeit hinfällig sind: Francos Exaltiertheit wird somit auch zum einzigen Asset des eigenen Films.

    Unverstandener Clown

    Mit osteuropäischem Zungenschlag – Wiseau ist gebürtiger Pole -, langer schwarzer Zottelmähne und einer Mischung aus Trotz und Selbstmitleid liefert Franco also einen überspannten Auftritt nach dem anderen ab. Franco zeichnet Wiseau als zunehmend tragikomischen, weil unverstandenen Clown, der mit Sestero schließlich gar seinen einzigen Vertrauten zu verlieren droht und der sich wider jede Vernunft (Francos Verbündeter Seth Rogen gibt sich als Wiseaus Supervisor alle Mühe) bis zuletzt beratungsresistent zeigt.

    Dass es nach dem Golden- Globe-Gewinn für Franco als bester Hauptdarsteller nur für eine Oscar-Nominierung für das beste adaptierte Drehbuch gereicht hat, liegt wohl auch an den aktuellen Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegen ihn. Der Academy, die an sich gerne Filme über das Showbusiness auszeichnet, war dies und Francos spezieller Zugang zur Kinoliebhaberei vermutlich dann doch zu viel. (Michael Pekler, 1.2.2018)

    Jetzt im Kino

    • Wenn Seth Rogen (li.) in einem Film als Stimme der Vernunft agiert, dann will das was heißen:  James Franco führt als Tommy Wiseau so Regie, wie es nur ihm gefällt.
      foto: warner bros.

      Wenn Seth Rogen (li.) in einem Film als Stimme der Vernunft agiert, dann will das was heißen: James Franco führt als Tommy Wiseau so Regie, wie es nur ihm gefällt.

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