Aufholprozess in Osteuropa zu Ende

31. Jänner 2018, 20:26
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Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung rät ehemaligem Ostblock und Zentralasien zu einem neuem Wachstumsmodell

Wien – Der Wachstumsboom in vielen Schwellenländern Osteuropas und in Zentralasien ist nunmehr passé. Ökonomen nennen das Phänomen "mittlere Einkommensfalle". Die Regionen brauchten ein neues Wachstumsmodell, rät Nathaniel Young, Chefvolkswirt der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), bei der Vorstellung des diesjährigen "Transition-Report" am Mittwoch in Wien.

Im Fall der untersuchten Länder stagnierten Wachstum und Produktivität, sobald das Einkommensniveau zwischen einem und zwei Drittel von jenem der USA erreichte. Die Umstellung von der Plan- auf eine Marktwirtschaft hat zunächst schnelle Effizienzgewinne ermöglicht, erklärt Young. Die Region investierte sodann in Industrie am Anfang der Wertschöpfungskette und implementierte vorhandene Technologie aus dem Ausland. Diese Taktik stoße nun an ihre Grenzen.

Einer der Flaschenhälse für höheres Wachstum sei die mangelnde Infrastruktur. Über die kommenden fünf Jahre müssten 1,9 Billionen Euro in Straßen, Kraftwerke, Breitband und Co gesteckt werden. Wobei sich Kapital aus dem Ausland nicht immer gleich auf die Wirtschaftsleistung durchschlage, gibt die Chefvolkswirtin der Nationalbank (OeNB) Doris Ritzberger-Grünwald zu bedenken. So kämen beim EU-Mitglied Rumänien bereits 26 Prozent der Direktinvestitionen aus China, in Bosnien und Herzegowina seien es knapp die Hälfte. Allerdings würden davon eher chinesische Unternehmen profitieren, die mit eigenen Arbeitskräften auftreten.

Zu wenig erfinderisch

Aufholbedarf sieht die EBRD auch bei kleinen und mittleren Unternehmen. Rund 80 Prozent aller Unternehmen in der Region hätten weniger als zehn Mitarbeiter. Kleine Firmen würden weniger in Mitarbeiter und neue Technologien investieren. Der Rückstand an Innovationskraft auf Großunternehmen sei in Osteuropa und am Balkan markanter als im Rest Europas.

Das schlage sich in geringeren Patentzahlen nieder, auch im Vergleich zu China oder Südkorea. Letzteres gilt als großes Vorbild, weil es der mittleren Einkommensfalle entkam. Ganz nach dem österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter empfiehlt die EBRD, mehr Wettbewerb zuzulassen.

Hohe Förderungen für fossile Energie

Problematisch in den untersuchten Regionen seien die vergleichsweise hohen Emissionen. Üppige Subventionen spielen eine kritische Rolle: Größere Firmen, die effizienter würden, seien besser darin, die Subventionen auszunutzen, sagt Young. Sie produzieren daher noch energieintensiver.

Die EBRD sieht daher Investitionen in grüne Energie als essenziell für nachhaltiges Wachstum. Sonst würde womöglich der Aufstieg aus der mittleren Einkommensfalle zulasten der Umwelt gehen.

(Leopold Stefan, 1.2.2018)

  • Feuerwerk über Sofia: Das Einkommensentwicklung war in Bulgarien, so wie in anderen Nachfolgestaaten, in den letzten zwei Jahrzehnten beachtlich. Damit die Party weitergehen kann, empfiehlt die EBRD ein neues Wachstumsmodell.
    foto: dapd / valentina petrova

    Feuerwerk über Sofia: Das Einkommensentwicklung war in Bulgarien, so wie in anderen Nachfolgestaaten, in den letzten zwei Jahrzehnten beachtlich. Damit die Party weitergehen kann, empfiehlt die EBRD ein neues Wachstumsmodell.

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