Chefinnen fordern Ausbau der Kinderbetreuung

    31. Jänner 2018, 12:37
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    WKO-Vizechefin Schultz: "Die Kinderbetreuung muss bis ins kleinste Dorf im hintersten Osttirol funktionieren"

    Wien – Es gibt immer mehr Chefinnen in Österreich, aber nach wie vor zu wenig Kinderbetreuungsplätze. Oftmals entscheiden sich Unternehmensgründerinnen wegen der flexibleren Zeiteinteilung für die Selbstständigkeit. "Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist aber immer noch nicht dort, wo wir sie haben wollen", betont die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, Martha Schultz.

    "Die Kinderbetreuung muss bis ins kleinste Dorf im hintersten Osttirol funktionieren", sagte Schultz als Bundesvorsitzende der WKO-Unternehmerinnenvertretung Frau in der Wirtschaft (FiW) am Mittwoch und forderte "eine durchgehende Betreuung von 50 Stunden pro Woche – auch in den Ferienzeiten". Nur so könne Chancengleichheit für Männer und Frauen hergestellt werden.

    Die Partnerin übernimmt

    Einer Umfrage der KMU Forschung Austria zufolge übernehmen 73 Prozent der Unternehmerinnen die Betreuung ihrer Kinder selbst. Die männlichen Chefs tun sich da wesentlich leichter: 82 Prozent geben an, dass das die Partnerin macht.

    Der Ausbau der Kinderbetreuung hat sich laut KMU Forschung Austria in den vergangenen Jahren gebessert, "aber es ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht", sagte Studienautorin Eva Heckl. "Alles, was gemacht wurde ist gut, aber es ist noch viel zu tun." Ein Viertel der mehr als 2.800 befragten Unternehmerinnen sagte, sie seien wegen des mangelnden Betreuungsangebots extrem belastet. Flexible Kinderbetreuung, die auch die Randzeiten abdecke, sei "ein ganz großes Thema" – für Chefinnen ebenso wie für alle anderen berufstätigen Frauen.

    In Österreich gibt es den Angaben zufolge mittlerweile 120.000 Unternehmerinnen – rund ein Drittel der Selbstständigen sind Frauen. Damit liege Österreich im EU-weiten Vergleich auf Platz sechs. 2017 wurden 45 Prozent der Unternehmensgründungen von Frauen vollzogen – ein Zuwachs von 16 Prozentpunkten in den vergangenen 20 Jahren. Zwei Drittel der weiblich geführten Unternehmen sind Ein-Personen-Unternehmen (EPU), also Selbstständige ohne MitarbeiterInnen. Nur ein Drittel der Unternehmerinnen erzielt mehr als 100.000 Euro Umsatz, bei den Männern sind es 60 Prozent.

    Über- und unterrepräsentiert

    Frauenbetriebe sind laut FiW im Gesundheits- und Sozialwesen, in sonstigen persönlichen Dienstleistungen sowie im Bereich Beherbergung/Gastronomie überrepräsentiert. Wenig Frauen machen sich hingegen in den freiberuflichen/wissenschaftlichen/technischen Dienstleistungen, im Finanz- und Immobiliensektor, in der Produktion, im Bereich Information/Kommunikation sowie Verkehr und Bau selbstständig. (APA, 31.1.2018)

    • Wenn Kinderbetreuung fehlt, ist das noch immer vor allem ein Problem der berufstätigen Frauen.
      foto: kmu forschung austria

      Wenn Kinderbetreuung fehlt, ist das noch immer vor allem ein Problem der berufstätigen Frauen.

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