Tom Brady: "Außer Familie und Sport kennt er nichts"

    31. Jänner 2018, 11:16
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    Der beste Quarterback aller Zeiten strebt nach seinem sechsten Super Bowl-Sieg. Herausforderer Philadelphia setzt auf Geschlossenheit. Gehirnerschütterungen und der Hymnen-Protest bleiben brisante Nebenthemen

    Minneapolis (Minnesota) – Tom Brady holt zum nächsten großen Wurf aus. Der Star-Quarterback der New England Patriots will am Sonntag (0.30 Uhr in der Nacht auf Montag MEZ/live Puls 4) seinen sechsten Super-Bowl-Titel nach Hause bringen. Mit den Philadelphia Eagles stellt sich ein unangenehmer Gegner in den Weg. Die Patriots gehen dennoch als klarer Favorit ins Endspiel der National Football League (NFL) in Minneapolis.

    Mit dem sechsten Super-Bowl-Titel würde New England zu Rekordsieger Pittsburgh Steelers aufschließen. Geholt hat sie das Team aus Foxborough im Umland von Boston allesamt in diesem Jahrtausend – mit Trainerlegende Bill Belichick und Brady an der Spitze. Für beide wird es ihre achte Super-Bowl-Teilnahme mit den Patriots. Es ist zugleich die zehnte der Clubgeschichte, schon das ist Rekord.

    Brady ist mittlerweile 40 Jahre alt. An Rücktritt denkt der zweifache Familienvater noch nicht. Sein Vertrag läuft noch zwei weitere Saisonen. Selbst danach muss noch lange nicht Schluss sein. Der Superstar hat mehrfach betonte, sich eine Karriere bis 45 vorstellen zu können. Gut genug ist er, das hat er in dieser Saison mit den meisten Pass-Yards aller NFL-Spielmacher eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

    Ein ehemaliger Mitspieler Bradys, der Deutsche Sebastian Vollmer hat die Qualitäten des Mannes, der das Eierlaberl beherrscht wie kein anderer, hervorgehoben. "Wenn du Tom schlagen willst, musst du bereit sein, dein Leben aufzugeben. Denn er tut das. Außer Familie und Sport kennt er nichts", sagte der frühere Football-Profi.

    Gegenspieler aus der zweiten Reihe

    Sechs Super-Bowl-Titel hat vor Brady noch kein Spieler geholt. Den aktuellen Rekord von fünf Ringen teilt sich Brady mit Ex-Verteidiger Charles Haley. "Er arbeitet immer an Kleinigkeiten, ist nie zufrieden. Das trifft auch auf Ernährung und Trainingsmethoden zu. Das macht ihn aus."

    Dem schillernden Star der Patriots steht bei Philadelphia ein Held aus der zweiten Reihe gegenüber. Nick Foles ersetzt als Quarterback seit Dezember den verletzten Jungstar Carson Wentz, der einen Kreuzbandriss erlitten hat. Vor nicht einmal zwei Jahren dachte Foles mangels NFL-Vertrages noch an ein Karriereende. Nun steht der 29-Jährige auf der größten aller Bühnen.

    Die Aufgabe im überdachten U.S. Bank Stadium wird schwer genug. "Sie sind eines der besten Teams der Geschichte", sagte Foles über die Patriots. "Aber man muss nicht hinausgehen und es alleine schaffen. Unsere Stärke ist das Team." Die Offense der Eagles hat keinen großen Superstar, ist dafür ausgeglichen und schwer auszurechnen. Dazu wird Foles von der vielleicht stärksten Offense Line der Liga bewacht.

    Brady keine Zeit lassen

    2005 haben die Eagles bereits ein Super-Bowl-Duell mit den Patriots verloren (21:24). 13 Jahre später wollen sie die Trophäe in ihrem dritten Finale erstmals nach Philadelphia holen. Ein Schlüssel dafür wird die Defense, die Brady unter Druck setzen muss. "Wir können nicht rausgehen und ihn da hinten Pizzas backen lassen", meinte Fletcher Cox, einer der Verteidigungsstars der Eagles.

    Brady spürt immer noch die Folgen einer vor zwei Wochen vor den Conference Finals erlittenen Handverletzung. Zu sehr sollte ihn die Blessur aber nicht mehr behindern. Größere Sorgen bereitete den Patriots zuletzt eine Gehirnerschütterung von Tight End Rob Gronkowski, seiner vielleicht wichtigsten Anspielstation. Der Ausnahmeathlet geht davon aus, spielen zu können. "Ich fühle mich gut", sagte Gronkowski. "Die Entscheidung trifft aber der Arzt."

    Es gibt klare Regeln, wann ein Spieler nach einer Gehirnerschütterung wieder antreten darf. Zu ernst nimmt die Liga mittlerweile ein Thema, das in den USA längst ein gesellschaftliches geworden ist: Wie gefährlich ist American Football? Für viele Kritiker kommt die Reaktion der NFL zu spät – oder zu halbherzig. Bei zahlreichen Ex-Spielern wurde bereits die neurodegenerative Erkrankung CTE festgestellt, die zu Aggression und Demenz führen kann.

    Weiteres brisantes Thema vor Super Bowl LII, der 52. Auflage des Klassikers, ist die US-Hymne. Gesungen wird sie mit Popstar Pink von einer erklärten Kritikerin von Präsident Donald Trump. Zu Saisonbeginn hatten sich zudem zahlreiche NFL-Spieler bei der Hymne niedergekniet, um gegen Polizeigewalt und soziale Ungerechtigkeit im Land zu protestieren. Wiederholt sich das vor dem größten aller Spiele, würde das die Wirkung vermutlich potenzieren. (APA, red, 31.1.2018)

    • Klingelnde Kassen beim Super Bowl: Tom Brady hält mit seinen Handschuhen immer brav seinen privaten Sponsor in die Kamera.
      foto: reuters/brace hemmelgarn

      Klingelnde Kassen beim Super Bowl: Tom Brady hält mit seinen Handschuhen immer brav seinen privaten Sponsor in die Kamera.

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      grafik: apa
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