Chronisch kranke Kinder leben häufig sozial isoliert

    31. Jänner 2018, 13:22
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    Kinder mit chronischen Erkrankungen haben ein höheres Risiko an einer Depression zu erkranken. Das soziale Umfeld leidet mit

    Chronische Erkrankungen belasten die Psyche. Das gilt in jedem Alter. Leiden etwa Kinder an Diabetes, Krebs, Stoffwechselstörungen, chronischen Darmentzündungen, Krampfanfällen, oder auch seltenen Formen wie Mukoviszidose, haben sie meist auch psychische Probleme, berichtet die Medizinische Universität Wien.

    "Diese krankheitsbedingten Veränderungen im Kindesalter stellen nicht nur das Kind und die Familie vor große Herausforderungen, sie verändern das gesamte Alltagsleben", betont Susanne Greber-Platzer, Leiterin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde. Psychische Probleme werden neben der eigentlichen Erkrankung leicht übersehen. Unerkannt führe das zu ernsten sozialen Schwierigkeiten wie den Ausschluss bei sozialen Aktivitäten in der Gruppe oder Schule bis hin zu Isolation, Aggression und Depression. Auch der Rauswurf aus der Schule und damit einhergehendem Verlust von Zukunftschancen und -hoffnungen setzt den Betroffenen stark zu.

    Verlust des sozialen Umfelds

    Zudem können für betroffene Kinder ganz alltägliche Tätigkeiten wie Essen, Ankleiden und Körperpflege auf Grund ihrer Erkrankung zur Qual werden. "Viele müssen eine strenge Diät halten, Broteinheiten berechnen, Medikamente einnehmen, beim Waschen und Anziehen auf liegende Gefäßzugänge, einen künstlichen Darmausgang oder Dialysekatheter achten. Traumatisierend wirkt auch ein Haarverlust unter Chemotherapie. Weitere zeitraubende und unangenehme Therapien umfassen intensive Hautpflege, Inhalationen und therapeutische Behandlungen. Besonders schwer verständlich sind sportliche Einschränkungen und das Verbot an Schulausflügen teilzunehmen", fasst Greber-Platzer zusammen.

    Dies sind tägliche Herausforderungen, die es den Kindern schwer machen die Schule regelmäßig zu besuchen, Freunde zu finden und in der Freizeit gute Leistungen zu erbringen. Greber-Platzer: "Das ist mit medizinischen Einschränkungen kaum möglich, die Folge ist der Verlust des Freundeskreises. Isolation und soziale Ausgrenzung werden zur Realität."

    Somatische Beschwerden

    Ein negativer Kreislauf kommt zustande, der auch die Familie zum Verzweifeln bringt: "Die Schule kann nicht auf alle Rücksicht nehmen, der Lehrstoff muss eingehalten werden. Der Sport braucht leistungsstarke Kinder. Die Freunde versuchen, die Betroffenen zunächst einzubinden, irgendwann können diese aber das Tempo nicht mehr mithalten. Es kommt in jedem Bereich zum begründeten Versagen, zum Verlust des Selbstwertgefühls bis hin zu Verhaltensauffälligkeiten oder Depressionen", erklärt Greber-Platzer.

    Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen haben ein zwei- bis dreimal höheres Risiko an einer Depression oder einer anderen psychischen Störung zu erkranken. Jedes Zehnte dieser Kinder leidet an somatischen Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Schwindel und Erschöpfung.

    An der Med-Uni Wien werden betroffene Kinder im Bereich Pädiatrische Psychosomatik in Kleingruppen behandelt. Dabei werden auch die Familie, das Umfeld und die Entwicklung des Kindes miteinbezogen. Es gehe darum, so Greber-Platzer, den Kindern dabei zu helfen, in Zukunft einen sicheren Platz in der Gesellschaft zu haben. (red, 31.1.2018)

    • Betroffenen Kindern fällt es schwer, regelmäßig in die Schule zu gehen, Freunde zu finden und in der Freizeit gute Leistungen zu erbringen.
      foto: getty images/istockphoto

      Betroffenen Kindern fällt es schwer, regelmäßig in die Schule zu gehen, Freunde zu finden und in der Freizeit gute Leistungen zu erbringen.

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