An der Umweltpolitik scheiden sich in Vorarlberg die Geister

30. Jänner 2018, 15:04
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Die Tourismuswirtschaft brauche den geplanten Speichersee, kontert der schwarze Teil der Landesregierung dem grünen

Bregenz – Für die Grünen ist der geplante Speichersee zur Kunstschneeerzeugung im Montafon Gigantomanie, für die Volkspartei wirtschaftliche Notwendigkeit. Beim dienstäglichen Pressefoyer widersprach Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (VP), für Wirtschaft und Tourismus zuständig, seinem Regierungskollegen Johannes Rauch (Grüne) deutlich.

Der Speicher sei Voraussetzung für die Verbesserung des Wintertourismus, sagte Rüdisser. Nur so könne die Beschneiung des Skigebiets den ganzen Winter über gewährleistet werden. Vor allem in den letzten drei schneearmen Saisonen habe sich die Notwendigkeit entsprechender Beschneiungsinfrastruktur gezeigt.

Das Montafon müsse touristisch mit der internationalen Konkurrenz mithalten können –Rüdisser nannte Südtirol, die Schweiz und Frankreich. Nur so könnten die Arbeitsplätze im Tourismus, die alpine Täler vor Abwanderung bewahren, gehalten werden. Das Projekt Speichersee habe somit volkswirtschaftliche Bedeutung.

Kopie von Natur

Die Aufregung über das Projekt kann Rüdisser nicht nachvollziehen. Der See sei nicht zu groß, der Damm nicht zu hoch. "Alles wird renaturiert und grün, man wird mehrmals hinschauen müssen, um zu merken, dass der See künstlich ist." Die Bauwerke, geplant ist ein Betonbau für die Pumpstation würden entsprechend eingefärbt. Der See könnte sogar zu einem neuen Ausflugsziel werden, blickt Rüdisser in die Tourismuszukunft.

Mit dem Bau des Speichersees würde man die Zielsetzung des Tourismuskonzepts, keine weiteren Skigebiete zu erschließen, einhalten. Den Umbau der im Gebiet existierenden Sikroute zu einer Piste sieht Rüdisser als "Abrundung".

Landwirtschaftslandesrat Erich Schwärzler (VP) zeigte sich leicht skeptisch, er will die Trinkwasserversorgung der Almen "unbedingt garantiert haben". Aus wasserwirtschaftlicher Sicht habe man beim Projekt Speichersee Schwarzköpfle keinen grundsätzlichen Knackpunkt gefunden, sagt Thomas Blank, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Landhaus. Es wurde aber zahlreiche technische und ökologische Auflagen gemacht.

Freiheitliche für den See

Für den Bau des Speichersee sprechen sich auch die Vorarlberger Freiheitlichen aus. Tourismussprecher Hubert Kinz verweist auf die Tradition von künstlichen Seen im Montafon: "Gerade im Montafon sind große künstliche Gewässer angelegt und tragen diese, wie etwa die Staubecken der Elektrizitätsversorgungsunternehmen, wesentlich zum Wohlstand des Landes und seiner Bürger bei."

Umweltlandesrat Rauch bekommt vom freiheitlichen Juristen Nachhilfe: "Offensichtlich hat sich Landesrat Rauch zu wenig mit derartigen Dingen befasst und vergessen, dass eine hinreichende Beschneiung unter anderem auch dazu beiträgt, die Vegetation im Hochgebirge vor Beschädigungen durch Sportgeräte zu schonen."

In das Projekt Speichersee will das Tourismusunternehmen Silvretta Montafon (im Besitz der BTV) zehn bis zwölf Millionen Euro investieren. Baustart soll nächstes Jahr sein. Das Bewilligungsverfahren bei der Bezirkshauptmannschaft Bludenz läuft noch.

Der See soll auf einem Karboden, Seehöhe 2100 Meter, gebaggert werden. Die Maße: Ausdehnung von 6,5 Hektar, Fassungsvermögen 307.200 Kubikmeter, Dammhöhe 26 Meter. (Jutta Berger, 30.1.2018)

  • Hier am Schwarzköpfle soll der See gebaggert werden.
    foto: grabher/silvretta montafon

    Hier am Schwarzköpfle soll der See gebaggert werden.

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