Aufwachsen als Einzelkind: Fluch oder Segen?

    User-Diskussion31. Jänner 2018, 09:03
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    Das einzige Kind in der Familie zu sein hat Vor- und Nachteile. Was überwiegt bei Ihnen?

    Egoistisch und verwöhnt – mit diesen Eigenschaften werden Einzelkinder häufig assoziiert, während bei Geschwisterkindern meist die höhere soziale Kompetenz hervorgehoben wird. Kinder haben keinen Einfluss darauf, ob sie als Einzelkinder oder Geschwisterkinder aufwachsen, aber gerade Einzelkinder müssen mit diesen Vorurteilen leben und immer wieder auch das Gegenteil beweisen. Häufig werden sie damit konfrontiert, unvollständig zu sein, etwa bei der Frage, ob sie sich nicht Geschwister gewünscht hätten, während Geschwisterkindern selten die Frage gestellt wird, ob sie lieber ein Einzelkind wären.

    Soziale und kognitive Kompetenzen

    Wie viele Einzelkinder es in Österreich gibt, kann erst retrospektiv betrachtet werden, da jedes erstgeborene Kind zuerst einmal ein Einzelkind ist. Vielfach lässt die sinkende Geburtenrate vermuten, dass es heute mehr Einzelkinder gibt, dem ist aber nicht so. Die durchschnittliche Kinderzahl in Familien hat sich verringert, und es gibt heute mehr Zwei- als Mehrkindfamilien. Der Anteil der Einzelkinder ist aber in den vergangenen 50 Jahren sehr stabil geblieben – zwischen neun Prozent (Babyboom-Zeit) und 17 Prozent (nach dem Zweiten Weltkrieg Geborene). Bei 14 Prozent liegt der Anteil heute, und damit sind die Geburtsjahrgänge 1985 bis 1990 gemeint.

    Für die Familienforschung sind Einzelkinder und der Vergleich mit Geschwisterkindern interessant. Es gibt viele Studien zu diesem Thema, und die Literaturanalyse des Österreichischen Instituts für Familienforschung zeigt, dass Einzelkinder soziale Kompetenzen wie Kooperation, Konkurrenz, Verantwortung und Teilen später erlernen als Geschwisterkinder. Im kognitiven Bereich und bei schulischen Leistungen haben Einzelkinder allerdings einen Vorsprung gegenüber Geschwisterkindern.

    Geteiltes Leid ist halbes Leid

    So sehen die Studienergebnisse aus. Wie fühlt es sich aber an, allein mit seinen Eltern aufzuwachsen und die Welt zu entdecken? Die gesamte elterliche Liebe, Aufmerksamkeit, aber auch Erwartungen werden auf nur ein Kind fokussiert. Das kann Kinder unter Druck setzen, aber auch viel ermöglichen. Vielfach berichten Einzelkinder, dass sie diese ungeteilte Liebe durchaus genießen, aber wenn es Streit, Schwierigkeiten oder andere Herausforderungen in der Familie gibt, sie sich Unterstützung in Form einer Schwester oder eines Bruders wünschen würden.

    Wie ist und war es für Sie als Einzelkind?

    Gibt es Situationen, wo Sie sich manchmal eine Schwester oder einen Bruder gewünscht hätten? Und mit welchen Vorurteilen haben Sie als Einzelkind zu kämpfen? Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen! (Judith Handlbauer, 31.1.2018)

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