Warum Bauchspeicheldrüsenkrebs so aggressiv ist

    30. Jänner 2018, 14:40
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    Forschern zufolge sind Gen-Vervielfältigungen, die entlang unterschiedlicher Evolutionswege des Krebses entstehen, für die Gefährlichkeit des Pankreaskarzinoms verantwortlich

    München – Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den Krebserkrankungen mit der weltweit höchsten Sterblichkeit. Bislang war noch nicht klar, warum er so aggressiv ist und sehr viel schneller als andere Krebsarten Metastasen bildet. Forschern von der Technischen Universität München (TUM), dem Universitätsklinikum rechts der Isar und dem Deutschen Krebskonsortium gelang es nun, molekulare Wege der Tumorentstehung im Detail aufzudecken.

    Gesunde Zellen haben von jedem Gen zwei Kopien. Für ihre Studie mutierten die Wissenschafter eine der beiden Kopien des Kras-Gens in Mäusen. Das Gen spielt bei der Zellvermehrung eine wichtige Rolle und ist in 90 Prozent aller menschlichen Bauchspeicheldrüsentumore aktiviert. Solche Gene werden auch als Krebsgene oder Onkogene bezeichnet.

    Die Forscher konnten nachweisen, dass das mutierte Gen häufig bereits in sehr frühen Vorstufen des Krebses vervielfältigt wird. Hatte ein Tumor die mutierte Kras-Genkopie nicht verdoppelt, entdeckten die Forscher Vervielfältigungen in anderen Krebsgenen. "Es scheint so als müsste die Zelle das Wachstumssignal durch die zusätzlichen Gen-Kopien erhöhen. Dieses Modell der Dosisverstärkung während der Tumorentwicklung wurde bisher nicht berücksichtigt. Wir konnten auch zeigen, dass bei erhöhter Zahl der mutierten Kras-Kopien die Aggressivität und die Fähigkeit zur Metastasierung zunahmen", sagt Sebastian Müller, Erstautor der Studie.

    Störung körpereigener Schutzmechanismen

    Normalerweise haben gesunde Zellen eigene Schutzmechanismen, damit sich Mutationen nicht anhäufen. Die Forscher fragten sich deshalb, warum und wie die Zellen diese Dosisverstärkung überhaupt schaffen, ohne daran gehindert zu werden. Auch das konnten die Wissenschafter im Mausmodell nachvollziehen.

    Nach der hervorgerufenen Kras-Mutation entstanden zunächst weitere Mutationen in so genannten Tumorsuppressorgenen. Damit die Entwicklung einer Tumorzelle verhindert wird, besitzt eine gesunde Zelle eine ganze Reihe solcher schützender Gene. Je nachdem welches Tumorsuppressorgen betroffen war und wie stark dessen Funktion beeinträchtigt wurde, wird entweder das mutierte Kras-Gen oder ein anderes Krebsgen vervielfältigt.

    Das Fazit der Forscher: Erst durch das Ausschalten der zelleigenen Schutzmechanismen und die darauffolgende "Dosisverstärkung" kann am Ende ein Tumor entstehen. Welchen Weg die Zelle dabei einschlägt und welche Gene beteiligt sind, bestimmte dann maßgeblich die Eigenschaften des Bauchspeicheldrüsentumors. (red, 30.1.2018)

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