Thiem, der Daviscup und Bresniks Brecht

29. Jänner 2018, 17:03
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Vielleicht tritt Dominic Thiem doch gegen Weißrussland an. Das dauert nur zwei Tage, der Bewerb wurde gestutzt. Zum Leidwesen von Günter Bresnik

Wien/St. Pölten – Günter Bresnik lehnt es ab, Hoffnungen zu schüren, "vor allem dann, wenn sie nicht erfüllt werden oder werden können". Am Freitag und am Samstag wird in St. Pölten Daviscup gegen Weißrussland gespielt, Abteilung Europa/Afrika-Zone 1. Dominic Thiem ist nach der Rückkehr von den Australian Open wieder im Lande, er trainiert in der Südstadt, hat gegen den Jetlag anzukämpfen. Trainer Bresnik ortet eine "gewisse logische Müdigkeit und Leere". Thiem gehört deshalb nicht dem Aufgebot an. Noch nicht. Es werden Gespräche geführt, bis zur Auslosung am Donnerstag kann Kapitän Stefan Koubek das Personal tauschen. Vorerst nominiert sind: Gerald Melzer, Dennis Novak, Sebastian Ofner, Oliver Marach und Philipp Oswald. Die beiden Letztgenannten sind im Doppel gesetzt, Melzer tritt fix im Einzel an.

Bresnik sagt dem Standard: "Es gab nie eine fixe Zusage, warten wir ab, was bis Mittwoch passiert." Koubek, er wurde einst von Bresnik betreut, findet das Thema ein "bisserl mühsam. Aber ich hoffe, Dominic ist dabei. Als Belag haben wir ganz bewusst Sand gewählt. Nicht nur für ihn, für uns alle, da sind wir am besten."

Ums Geld geht es nicht. Das bestätigt Thomas Schweda, der Geschäftsführer des österreichischen Tennisverbands ÖTV: "Sie treten alle für einen Nasenrammel an, das ehrt sie. Ich brauche jeden Spieler wie einen Bissen Brot."

Die Reform

Der Daviscup wurde reformiert, reduziert. Nur die Weltgruppe wird nach wie vor an drei Tagen abgewickelt, die Partien gehen dort wie bisher über drei Gewinnsätze. In den tieferen Etagen sind nur zwei Tage vorgesehen, am ersten Tag steigen zwei Einzel, am zweiten wird mit dem Doppel begonnen, zwei Gewinnsätze reichen vollauf. Bresnik hält die Reform für "misslungen". Schließlich sei der Daviscup einer der ältesten Bewerbe im Weltsport. "Er wird demontiert. Er lebte fast ausschließlich von der Tradition, und die wird ihm genommen. Es ist ein schlechter Kuhhandel zwischen dem Weltverband ITF und der ATP-Tour geworden."

Bresnik zitiert Bertolt Brecht, die Geschichte vom Lorbeerbaum. Herr K. sagt in dieser (Kurzfassung): "Der Gärtner händigte mir eine Schere aus und hieß mich einen Lorbeerbaum beschneiden. Der Baum stand in einem Topf und wurde zu Festlichkeiten ausgeliehen. Dazu musste er die Form einer Kugel haben. Ich begann mit dem Abschneiden der wilden Triebe, aber wie sehr ich mich auch mühte, es wollte mir nicht gelingen. Zu viel weggestutzt. Als er endlich eine Kugel geworden war, war die Kugel sehr klein. Der Gärtner sagte enttäuscht: 'Gut, das ist die Kugel, aber wo ist der Lorbeer?'" Bresnik: "Der Daviscup ist jetzt die Kugel." Schweda hingegen will und muss dem neuen Format eine Chance geben. "Es hat ja auch den Grund, dass die Topspieler weniger belastet sind."

Veranstalter hofft

Der Ländervergleich im VAZ St. Pölten ist mit knapp 400.000 Euro budgetiert. Die Halle ist für 2643 Zuschauer konzipiert, für beide Tage sind noch je 1000 Karten erhältlich. Schweda: "Ein Antreten von Thiem würde die Halle wohl ziemlich füllen. Aber schon jetzt steigen wir ohne Verlust aus. Natürlich wären drei Tage besser, die Infrastruktur brauchst du so oder so. Uns fehlt übrigens immer noch ein Teamsponsor."

Koubek fürchtet ein bisserl um den Stellenwert, zumal der Pokal "hässlichste Salatschüssel der Welt" genannt wird. "Es ist ein Testlauf. Für mich ist positiv, dass ich fünf statt vier Spieler nehmen kann." Bresnik war selbst lange Daviscup-Kapitän, kann sich in Koubeks Lage versetzen. "Ich mag Tradition, ich mag Mannschaftsbewerbe, die sind für Einzelsportler ab und zu durchaus sinnvoll. Nationalismus widerstrebt mir."

Thiem leckt die Wunden von Melbourne, das Scheitern im Achtelfinale an Tennys Sandgren war laut Bresnik "unnötig. Es war ein schlechtes Match, der Return muss viel besser werden." Vielleicht in St. Pölten.

Im April 2017 wurde in Weißrussland auf Hartplatz 1:3 verloren. Ohne Thiem. Diesmal sind die Österreicher laut Koubek leicht zu favorisieren. "Mit und ohne Thiem." Im Falle eines Sieges müsste man Anfang April in Russland antreten. Der Gewinner ist im Playoff zur Weltgruppe, also nahe an der Tradition und den Verdienstmöglichkeiten. Koubek: "Da wäre Thiem wichtig." Bresnik will "nicht spekulieren". Fix ist, dass Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner am Donnerstag die Auslosung bereichert. Für Bresnik ist das nicht unbedingt das ausschlaggebende Argument. (Christian Hackl, 29.1.2018)

  • Günter Bresnik möchte keine Hoffnungen schüren, Dominic Thiem soll aber an einer Teilnahme in St. Pölten nicht uninteressiert sein.
    foto: gepa pictures/ matthias hauer

    Günter Bresnik möchte keine Hoffnungen schüren, Dominic Thiem soll aber an einer Teilnahme in St. Pölten nicht uninteressiert sein.

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