Wie Radler die Jagd behindern

    Blog30. Jänner 2018, 08:00
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    Von Rehen, die so scheu sind, dass sie sich nicht mehr abschießen lassen, bis hin zu jenen, die anscheinend nicht wissen, dass sie Radfahrer fürchten müssten

    Wer mit dem Mountainbike auf einer Strecke unterwegs ist, die im Winter für Radfahrer gesperrt ist, kann mit einer ordentlichen Bestimmtheit davon ausgehen, dass er dabei erwischt wird. Entweder von einem Förster, von einem Jäger oder einem "I zag di an"-Sheriff. Als besonders hartnäckig gelten die Jäger.

    Ausreden

    Klar erzählen sich die Radler, mit welche Ausrede sie versucht haben, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen – "Sag mir lieber, wo ich bin, als mich da anzuschnauzen!" – "Genau, es Radlfahrer wissts ja nie, wo ihr seids …". Oder: "Ach, da darf man im Winter nicht fahren?" – "Gut, dir trau ich zu, dass du das nicht auf die Reihe kriegst, weil anscheinend hast auch vergessen, dass ich es war, der dir das erst vor zwei Wochen erklärt hat."

    Mich interessierte viel mehr, warum der Jäger so sehr darauf pocht, dass im Winter niemand die Strecke befahren darf – während sich im frischen Schnee mehr Spuren von Rädern als von Rehen finden. Und genau da liegt angeblich auch des Pudels Kern. "Das Wild wird durch die Radler in der Winterruhe gestört", erklärt der Jäger, dessen fetter Pick-up an der nächsten Lichtung steht.

    Pick-up gegen Mountainbike

    Das Auto ist aber kein Problem, erklärt er, denn das Wild hört den Wagen schon von weitem, kann sich daraufhin verstecken, und gut ist es. Das Wandern und Gehen im Wald ist auch kein Problem, weil das ist ja leise. "Das ist das Radfahren auch", werfe ich ein. "Ja", gibt er zu, aber es ist so schnell, dass sich das Wild schreckt, weil es den Radler mit einem Greifvogel verwechselt, der sich leise und schnell nähert, sich daraufhin im Wald versteckt und nicht mehr rauskommt.

    Jetzt muss man Jäger sein, um das Problem dahinter zu erkennen, wenn sich das Wild im Wald versteckt. Dann kann man es nämlich nur schwer schießen. Darum sind die Radfahrer auch schuld, erklärt der Jäger, wenn er seine Abschussquote nicht erfüllen kann. Und damit er die erfüllen kann, müssen die Radler aus dem Wald draußen bleiben.

    Anderes Revier, andere Rehe

    "Das kann ich mir so einfach nicht erklären", sagt ein anderer Jäger aus einem ganz anderen Gebiet, auf die Geschichte angesprochen. "Für Niederwild wie Hasen gibt es keine Abschussquoten, Rehe gewöhnen sich, zumindest bei uns im Revier, sehr rasch an Radfahrer. Die Rehe wissen, dass sie Radler nicht fürchten müssen. Sie verstecken sich zwar, wenn ein Rad kommt, queren den Radweg dann wenige Minuten später."

    Bei den Hirschen, sagt er, sei es aber sicher so, dass die sich vor Radlern – wie auch vor Wanderern oder Autos – fürchten. "Die spannen dann ein und gehen ein paar Kilometer." Der Grund dafür liege im natürlichen Fluchtverhalten der Hirsche, erklärt er, und fragt dann nach: "Was habtsn ihr für riesige Adler bei euch, dass die Hirschn die Hosn voll haben könnten?"

    Alternative Betrachtung

    Doch er hält die Tatsache, dass die Radfahrer die Wildtiere stören, nicht für eine ebenso gute Ausrede wie jene, die anscheinend die Radfahrer den Jägern präsentieren. Auch die Angst vor Sportlern, die für Greifvögel gehalten werden, hält er für real. Allerdings sind es Paragleiter und Drachenflieger, die vom Wild falsch eingeschätzt werden.

    Wenn die Mountainbiker eine Ähnlichkeit mit einem Tier hätten, dann am ehesten mit einem Wolf oder Luchs, also Tieren, die ebenerdig schnell auftauchen und dabei leise sind. Die seien natürlich auch nicht gerade die besten Freunde der Wildtiere. Die nicht erzielte Abschussquote an den Radlern festzumachen hält er aber für recht gewagt – die Winterruhe aber für sinnvoll, damit die Tiere im Winter, wo sie nicht so viel Futter finden, nicht durchs dauernde Flüchten entkräftet werden.

    Motorrad fahren

    Bleibt also die Frage, ob sich ersterer Jäger mit der Erklärung, warum es die Regelung gibt, dass die Radfahrer in seinem Revier Winterpause haben, selbst einen Gefallen tut – ganz egal, ob die nun stimmt oder nicht. Denn da finden sich bestimmt schnell ein paar Radler, die gerne dafür sorgen, dass die Jäger nicht zum Schuss kommen. Mit etwas bösem Willen kann man sogar eine Legitimation für illegales Motorradfahren im Wald rauslesen. Weil: Wenn es okay ist, wenn der fette Pick-up durch den Wald brettert ...

    So oder so ist es kein Spaß für den Jäger, wenn er seine vorgegebene Abschussquote mehrmals nicht erfüllt. Das sagen übrigens alle Jäger. (Guido Gluschitsch, 30.1.2018)

    • Wildtiere wie Rothirsche fürchten sich vor Radfahrern, weshalb es auf diversen Mountainbike-Strecken Winterpausen gibt.
      foto: apa

      Wildtiere wie Rothirsche fürchten sich vor Radfahrern, weshalb es auf diversen Mountainbike-Strecken Winterpausen gibt.

    • Jäger und Radler sind nicht immer die besten Freunde. Jäger und Rehe auch nicht. Radler und Rehe aber anscheinend auch nicht.
      foto: apa

      Jäger und Radler sind nicht immer die besten Freunde. Jäger und Rehe auch nicht. Radler und Rehe aber anscheinend auch nicht.

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