OeAD will Österreichs Studierende nach China locken

    30. Jänner 2018, 11:19
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    China will zur führenden Bildungsdestination werden. Doch für Österreichs Studierende ist es noch immer zu weit weg, sagt OeAD-Chef Stefan Zotti

    Fließbandprodukte "made in China" gehören wohl bald zur Minderheit von Chinas Exportgütern. Der Wandel zur Industrienation ist zwar noch im Gange, aber China entwickelt sich zur Wissensgesellschaft. Das hat auch Google erkannt, das vergangene Woche in Shenzhen sein drittes Büro eröffnet hat. Hightech und innovative Dienstleistungen statt Werkbank und Billigprodukte sollen auch Studierende und Wissenschafter nach China locken.

    Daher fördert die chinesische Regierung das Bildungssystem mit jährlich vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts und besonders akademische Austauschprogramme und Stipendien. Denn sie hat ein Ziel: Bis zum Jahr 2049 soll China die weltweit führende Bildungsdestination werden.

    In Österreich sei das noch nicht angekommen, sagt Stefan Zotti, Geschäftsführer des Österreichischen Austauschdiensts (OeAD). Die Mobilitätszahlen der Studierenden, die von China nach Österreich kommen und umgekehrt, stagnieren seit Jahren. Im Schnitt sind es 40 chinesische Incomings gegenüber zehn österreichischen Outgoings pro Studienjahr. Den Grund für diese Schieflage sieht Zotti nicht in der Finanzierung, sondern in "geringem Interesse der österreichischen Studierenden, der Sprache und darin, dass China für sie immer noch sehr weit weg ist".

    Bessere Willkommenskultur

    Daher müsse man einerseits in Österreich zeigen, was in China passiert. "Man darf nicht den Anschluss verlieren, und das geht natürlich auch über den akademischen Austausch. Denn China ist wissenschaftlich mittlerweile weniger auf Österreich angewiesen als umgekehrt", sagt Zotti. Damit andererseits auch mehr chinesische Studierende nach Österreich kommen, brauche es eine bessere Willkommenskultur. Diese vermisst Zotti im neuen Regierungsprogramm. Und man müsse auch in China gut vertreten sein. Denn: "Österreich ist, abseits der Musikunis und einiger Spezialdisziplinen, nicht als erstes Zielland für akademische Ausbildung bekannt, und wir haben wenige gut gerankte Unis. Diese Rankings haben in Asien aber nahezu bibelähnlichen Charakter, wenn es um die Wahl einer Partnerhochschule geht", sagt Zotti.

    Der OeAD betreibt daher ein Büro an der Fudan-Universität in Schanghai, um sichtbar zu sein und Kooperationen voranzutreiben – nicht nur im Studierendenaustausch oder bei Gastprofessuren, sondern auch bei Studienreisen und Forschungsprojekten. "Wir vermitteln österreichischen Einrichtungen im Hochschulbereich den passenden akademischen Kooperationspartner in China", sagt Alexandra Wagner, Leiterin des Büros in Schanghai. Ebenso berät der OeAD bei rechtlichen Fragen, da beispielsweise die in Österreich verlangte besondere Universitätsreife für Nicht-EU-Bürger nicht der gelebten Realität der chinesischen Studierenden entspricht: Diese würden nach dem Bachelor direkt ins Ausland gehen und daher die verlangte Studienzulassung im Heimatland nicht haben.

    Chancen am chinesischen Bildungsmarkt

    Für österreichische Studierende biete der chinesische Bildungsmarkt auch Chancen für das künftige Berufsleben. "Nur wer Auslandserfahrung außerhalb Europas hat und mehrere Sprachen spricht, kann auf dem globalen Arbeitsmarkt mit den gut ausgebildeten asiatischen Mitbewerbern mithalten", sagt Wagner. Und auch Deutsch- und Englischlehrer seien durch die Bildungsexpansion gefragter denn je.

    Nicht nur mit China will der OeAD seine Kooperationen intensivieren, sondern auch mit dem Iran und Russland. Da das Wissenschaftssystem heute stark vernetzt ist, müsse Österreich auch mit diesen Ländern kooperieren. Zotti dazu: "Das ist zentral für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Hochschulen."

    Der Drache blickt in die Zukunft: China will zur führenden Wissensgesellschaft werden. Das soll auch über den akademischen Austausch erfolgen. Der OeAD intensiviert die Zusammenarbeit, damit Österreich nicht den Anschluss verliert. (set, 30.1.2018)

    • Artikelbild
      foto: apa/paul landl
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