Anti-"Quotenfeministin" ist neue ÖVP-Sprecherin für Menschenrechte

28. Jänner 2018, 18:45
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Die Liste Pilz befürchtet einen Rechtsruck durch die Bestellung der katholischen Abtreibungsgegnerin Gudrun Kugler

Wien – Zweieinhalb Monate nach der Konstituierung des Nationalrats hat auch die ÖVP ihre Bereichssprecher bestimmt. Neu sind unter anderem der Mathematiker Rudolf Taschner als Sprecher für Bildung und Wissenschaft, die querschnittgelähmte Ex-Sportlerin Kira Grünberg für Behinderte, der Ex-Grüne Efgani Dönmez für Migration und Integration und die katholische Abtreibungsgegnerin Gudrun Kugler für Menschenrechte.

Vor allem Kugler hatte in der Vergangenheit im linken politischen Lager immer wieder für Kritik gesorgt. Für die Frauensprecherin der Liste Pilz, Maria Stern, ist ihre Ernennung "ein weiterer alarmierender Schritt nach rechts". Durch Kuglers Haltung zur Abtreibung, "deren radikale Gegnerin sie ist, droht Österreich in die Nähe der Visegrád-Staaten zu rücken", befürchtet Stern.

2040 Vorzugsstimmen

Kugler ist nach der Wahl am 15. Oktober 2017 erstmals in den Nationalrat eingezogen. Sie erzielte im Wahlkreis Wien-Nord ein Grundmandat und bekam auch 2040 Vorzugsstimmen. Den Vorwurf, radikal oder frauenfeindlich zu sein, wies sie stets zurück. Auf ihrer Homepage schreibt sie: "Ich bemühe mich um eine unverrückbare christliche Orientierung und den umfassenden Schutz der Menschenwürde und der Menschenrechte durch die Politik." Und: "Ich stehe für die Mütter und Familien, die sich von herkömmlichen Quotenfeministinnen nicht vertreten fühlen."

Gegnerin der Homo-Ehe

In einem Magazin des Mittelschul-Kartellverbandes schrieb sie einmal, die Homo-Ehe führe "unweigerlich zu Erweiterungen" wie der "Ehe unter Geschwistern". Sie hat sich auch dafür ausgesprochen, dass Standesbeamte die Begründung eingetragener Partnerschaften mit Verweis auf ihren christlichen Glauben ablehne dürfen. "Eine Gewissensklausel wie z. B. bei der Abtreibung" wäre eine praktikable Lösung, sagte sie im Jahr 2015 zum STANDARD.

Die Kritik an ihrer Person versteht die vierfache Mutter nicht. Sie habe im Jusstudium einen Fokus auf Europarecht und internationales Recht gelegt und eine Doktorarbeit in internationalem Strafrecht geschrieben. Zudem habe sie bei EU, Europarat und Uno gearbeitet und ein Buch über die EU-Grundrechtecharta herausgegeben. (go, 28.1.2018)

  • Gudrun Kugler schaffte es erstmals in den Nationalrat.
    foto: övp

    Gudrun Kugler schaffte es erstmals in den Nationalrat.

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